Fast, fast, fasten

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Schreiber: «Mir geht es nicht ums Abnehmen», dozierte Schneider im Vorfeld des Saftfastens, und ich dachte, schaden würde das aber nicht. Er verschob ein Geschäftsessen und sagte den Kinobesuch mit mir ab. Ich solle alleine losziehen, weil er am Abend zu müde sein werde. «Beim Fasten geht man nach innen», sagte er, «nicht unter die Leute.»

Und nun ist der erste Fasttag da. Für ihn ein Festtag: Er hat seine Saftflaschen aufgebaut, daneben sein Notizbäuchlein, äh, Büchlein. Frühstücken darf er wie üblich, einfach ohne Kaffee. Übertrieben bewusst kaut er lang auf einem Knäckebrot herum und spricht von der Euphorie, die bald aus seinen leeren Eingeweiden hochschwappen soll.

«

Hm, geht Euphorie nicht ganz anders?»

Dann packt er seinen Saft ein und verzieht sich in die Arbeit. Gut so, ich bin nämlich voller Tatendrang. Zwei Stunden lang schreibe ich intensiv. Dann beschliesse ich, – da ich ja ganz gern nach «aussen» gehe, – eine Freundin anzurufen und mich mit ihr in den nächsten Tagen zum Essen zu verabreden. Gerade als ich den Hörer aufnehmen will, klingelt es.

Schneider ist dran: «Mein Kopf zerspringt, ich kann nicht arbeiten.»

Aha.

Dann stöhnt er: «Ich glaube, ich komm’ nach Hause.»

Hm, geht Euphorie nicht ganz anders?

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Schneider: Ich hatte davon gelesen, dass man Kopfschmerzen kriegen könnte. Aber was ich habe, ist Krieg im Kopf! Das zerrt und sticht und jault hinter meiner Stirn, als gäbs kein Morgen. Gut, vielleicht haben das andere Leute die ganze Zeit, denn ich habe nie Kopfweh, schon mein ganzes Leben nicht. Vielleicht bin ich es mir einfach nicht gewohnt. Und ich weiss, ich müsste jetzt einfach nur einen Kaffee trinken, dann würde das Koffein die Schmerzen wegdrücken. Aber das lässt mein Stolz nicht zu. Eine Woche lang keine feste Nahrung und kein Kaffee, das ist ja wohl keine Kunst, das schaff ich schon, wär ja gelacht, würde ich das nicht hinbekommen.

«

Ist das brutal. Aber ich zieh das durch. Eisenhart.»

«Meinst du wirklich, dieses Saftfasten tut dir gut?», fragt Schreiber besorgt.

«Die Nebenwirkungen lassen irgendwann wieder nach», ächze ich.

«Aber du fastest gerade erst drei Stunden, und alles, was bis jetzt anders ist als sonst, ist, dass du keinen Kaffee getrunken hast.»

Da hat sie recht. Vielleicht sollte Koffein auf die Liste harter Drogen gesetzt werden, der Entzug ist brutal! Aber ich zieh das jetzt durch. Eisenhart. Unerschütterlich. Auf jeden Fall. Mindestens zwei weitere Stunden. Oder vielleicht auch nur eine. Dann sehe ich weiter.

Die Kolumnisten sind am 27. April, Olten, Schützi, bei «knapp live» mit auf der Bühne. Infos auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 10.04.2017, 04:00 Uhr

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