Durch den neuen Wintergarten haben Norbert Hummels Hühner die Wahl zwischen Draussen und Drinnen. Dies nutzen die Tiere ausgiebig.

Fesche Hendl

Hühnermast Österreichs Behörden-Mühlen mahlen langsam, klagt Pouletmäster Hummel aus dem Waldviertel. Manchmal hat das Vorteile. So wurde er Mäster für Coop.

Der Bau des Stalls war lange geplant. Pouletmäster Norbert Hummel (49) und seine Frau Elisabeth (45) wollten ausbauen. Ein Stall für knapp 40 000 Hühner sollte entstehen. Eigentlich fehlte nur noch die Baubewilligung, damit die Bagger auffahren durften. Doch das dauerte. «Die Bewilligungsverfahren hier gehen zäh», erklärt Hummel und blickt stolz auf seinen neuen, hochtechnisierten Stall. Während er auf die Baubewilligung warten musste, berichtete ihm jemand von den Schweizer BTS-Richtlinien – einem Standard für «besonders tierfreundliche Stallhaltung». Hummel gefiel diese Art der Hühnerhaltung, die in der Schweiz seit über 20 Jahren etabliert ist.

Also baute er seinen Stall anders, nach Coop-BTS-Richtlinien, und liefert heute – mit sechs weiteren Mästern in Nieder- und Oberösterreich – seine BTS-Pouletbrüstli in die Schweiz. Dank ihnen hat Coop das nächste Ziel erreicht: Das frische Pouletsortiment, das zu 85 Prozent aus Schweizer Fleisch und zu 15 Prozent aus Importfleisch besteht, ist zur Gänze auf BTS umgestellt. Wer heute bei Coop Poulet kauft – egal, ob Schweizer Fleisch oder importiert –, kauft Fleisch, das mindestens BTS-Richtlinien entspricht. «Ausnahmen sind zum Teil Aktionen und die Prix-Garantie-Linie. Dafür reichen die Mengen, die wir bekommen, noch nicht aus», erklärt Christine Meyer (51), Einkaufsleiterin des Coop-Fleischlieferanten Bell.

Pouletmäster Hummel lebt im Waldviertel, zwei Autostunden nördlich von Wien. Die Häuser sind hier nicht beige, sondern zartrosa, blassgrün oder hellblau verputzt, die Vorgärten akkurat gepflegt.

Eine Frage des Tierwohls

Für ihn sei es eine Frage des Tierwohls, erklärt Hummel, weshalb er auf BTS umgestellt habe. «Als Mäster fühle ich mich wohler, wenn ich weiss, dass es den Hühnern gut geht.» Entscheidend sei aber, dass die Konsumenten bereit seien, den Mehrpreis zu zahlen, denn die Produktion ist aufwendiger. Der  Aufwand für die Reinigung  ist grösser und der Stallbau teurer. BTS-Ställe müssen mehr Tageslicht, zusätzliche Aufsitzflächen und vor allem einen offenen Wintergarten haben, der es den Hühnern erlaubt, nach Lust und Laune draussen oder drinnen zu sein.

Gekostet hat der hochtechnisierte BTS-Stall laut Hummel mehr als drei Einfamilienhäuser. «Dafür haben unsere Hühner jetzt neben dem Wintergarten auch eine Fussbodenheizung und eine Verdunstungskühlung, falls es mal zu heiss ist», sagt Hummel. Ausserdem produziert er die Wärme und den Strom für den Stall mit seiner eigenen Biogasanlage. Energetisch bringe der Mist mehr, als der Stall an Wärme und Strom verbrauche. Seine Poulets seien somit sogar CO2-neutral.
Für BTS ist entscheidend, dass sich die Tiere wohl fühlen. «Das tun sie», garantiert Hummel. Man merke das daran, dass sie lebhafter seien. «Das liegt vor allem an den zusätzlichen Aufsitzflächen und dem Wintergarten, die sie ausgiebig nutzen.»

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Thomas Compagno

Redaktor

Foto:
Stefan Fuertbauer, Rainer Eder
Veröffentlicht:
Montag 07.08.2017, 09:00 Uhr

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