Fiat 500: Kugelblitz

Designobjekt In den Genen dieses Autos steckt eine Ikone der Mobilität.Doch das Bild hat sich in 59 Jahren gewaltig verändert.

Sie hätten 1975 aufhören können. Nicht, dass Fiat danach keine ordentlichen Autos mehr gebaut hätte, nein. Aber für mich wäre der damals auslaufende Cinquecento schon Grund genug, um der Fabbrica Italiana Automobili Torino ihren Platz im Auto-Olymp zu sichern.

Klein und kugelig – das ideale Gefährt nicht nur für römische Verkehrskreisel, in denen Fahrspurmarkierungen kaum mehr als einen Vorschlag darstellen. Blech gewordenes Kindchenschema, der Inbegriff von «Bella Italia» in Adriablau, Sonnengelb oder Pastasaucenrot. So knatterte der Nuova 500 ab 1957 mit Mamma zum Markt oder samt Bambini in die Ferien. Und in unsere Herzen. Er stand für das Land von Ätna und Apennin, so wie die «Ente» Citroën 2 CV für Frankreich oder der VW «Käfer» für Deutschland. Bis der Rost uns schied.

 
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Ungetrübte Zuneigung

Das Cockpit des Ciquecento – einst überschaubar …

Das Cockpit des Ciquecento – einst überschaubar …
Das Cockpit des Ciquecento – einst überschaubar …

Schade. Aber vor neun Jahren stellte Fiat den noch neueren 500er vor – ebenfalls in Bonbonfarben und genauso treuherzig aus zwei runden Scheinwerfern dreinblickend wie sein Urahn. Aber dafür gut doppelt so voluminös, weil wir heute elektrische Scheibenheber statt Ausstellfenstern und eine Klimaanlage statt Lüftungsklappen wollen. Mal von der Crashsicherheit ganz zu schweigen. Doch der Wohlstandsspeck konnte die Zuneigung nicht trüben. Und weil ein Cinquecento nun einmal genau so ausschauen muss, hat Fiat bei der jüngsten Überarbeitung äusserlich nahezu nichts geändert, ausser Scheinwerfern und Heckleuchten.

… und heute mit zeitgemässem Komfort.

… und heute mit zeitgemässem Komfort.
… und heute mit zeitgemässem Komfort.

Statt des Skalentachos im Ur-500er liefert jetzt ein Display fast zu viele Informationen, und die Aufgabe der Strassenkarte auf den Beifahrerknien übernimmt ein Navi. Man liebte ihn einst trotz seiner kleinen Macken – die hat er auch heute noch: An den zu kurzen Sitzen, auf denen ich meine 185 Zentimeter noch nie wirklich bequem unterbringen konnte, wurde wieder nichts geändert. Das Lenkrad lässt sich noch immer nicht in der Tiefe verstellen und in den Kofferraum passt allenfalls ein Kaffeeautomat, nicht jedoch eine chromblitzende Espressobatterie für einen Profibarista. Egal: Dafür könnte man für 3000 Franken extra ein Faltdach hinzu bestellen – wie einst. Und so günstig bekommt man nirgendwo sonst ein Cabrio.

Ein Kämpferherz

Immer noch knattert ein Zweizylinder unter dem Blech – jetzt unter der Fronthaube statt im Heck und mit 900 statt 500 Kubikzentimetern Hubraum. Aber er gleicht immer noch dem Kämpferherz, das den alten Cinquecento voll beladen im Schritttempo die Passstrasse hinauftrieb. Der aktuelle Motor hält auf der Autostrada besser mit, genehmigt sich dann aber mehr als nur ein Gläschen zu viel. Auch mit sanftestem Gasfuss brachte ich den Turbobenziner – es gibt ihn mit 80 oder 105 PS – noch nie in die Nähe des Werksverbrauchs. Aber in der Stadt ist man ja eher gemächlich unterwegs.

Fiat baut inzwischen eine ganze Modellflotte unter dem 500er-Label, vom Siebensitzer bis zum SUV. Sie sollen etwas Besseres darstellen als die so vernünftigen Panda, Punto und Tipo. Aber nur dieser hier ist ein echter 500er.

Fiat 500 TwinAir Turbo

Motor & Antrieb
2-Zylinder-Turbobenziner,
0.9 Liter, 59 kW/80 PS,
5-Gang-Getriebe,
Frontantrieb

Verbrauch & CO2
3,8 l/100 km,
88 g/km CO2,
Euro 6, Energieetikette A

Preis
ab 14'590 Franken

Platzangebot    ***
Komfort ****
Kosten/Nutzen    
****

   
           
    

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Text:
Andreas Faust
Foto:
zVg
Veröffentlicht:
Montag 09.05.2016, 15:00 Uhr

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