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Filmkritik: «Alfonsina»

Eine mehrfach ausgezeichnetes Sozialdrama aus Singapur. 

 

Die Story

Das aus Alfonsina eine Schriftstellerin und Dichterin wird, war nicht selbstverständlich: Schon mit zwölf musste die Tochter von Schweizer Emigranten statt auf die Schulbank, hinter den Tresen des familieneigenen «Café Suizo» stehen. Doch der wache Geist liess sich nicht unterkriegen und brachte sich vieles selbst bei. Mit dreizehn arbeitete sie in einer Hutfabrik bis sie der Theaterkunst erliegt und mit einer Kompanie ein Jahr lang mitzieht. Doch die Schule und das Lehren ist die wahre Liebe der Alfonsina. Sie macht das Lehrerinnendiplom und unterrichtet. Nachdem sie von einem verheirateten Mann schwanger wird, geht sie nach Buenos Aires. Dort arbeitet sie und schreibt gleichzeitig Gedichte und Texte. Mit eigenem Geld veröffentlicht sie einen ersten Gedichtband und findet langsam aber sicher Einlass in die illustren Kreise der Schriftsteller und Denker. Doch es ist kein leichtes Leben: die Frauenrechtlerin und Rebellin wird immer wieder kritisiert. Zu männerkritisch seien ihre Werke. Es ist eine konstante Gratwanderung zwischen Anerkennung und Ausstoss.  

Neben dem Schreiben unterrichtete Alfonsina an verschiedenen Schulen, denn Anerkennung bedeutete nicht gleichzeitig auch Geld. Weitere Probleme bereiteten der Frau, die weder Chef noch Mann noch Gott wollte, ihre Depressionen. 1938, mit 46-Jahren, erliegt sie ihnen und begeht Selbstmord.

Kritik

Der Schweizer Regisseur Christoph Kühn  («Glauser», «Bruno Manser – Laki Penan») erzählt das Leben von Alfonsina mit verschiedenen Fotos aus ihrem Leben, Archivaufnahmen, Interviews mit ehemaligen Schülerinnen und Erbinnen ihres Gedanklichen Vermächtnisses sowie Interviews mit Verwandten und Ausschnitten aus ihren Werken. Wofür es keine Bilder gibt, hat er welche inszeniert. Dabei folgt das Bild dem Wort, ist Augenbeschäftigung während das Ohr zuhört. 

Wer will, der kann vielleicht bemängeln, dass Kühn zu wenig kritisch ist. Kritik kann sich aber auch in schönen Bildern äussern, genauso wie Alfonsina ihre Kritik in schöne Worte gehüllt hat.

Ein poetischer Film über eine erstaunliche Persönlichkeit und Kämpferin, die mehr Anerkennung verdient hätte.

 

Credits:
Filmstart: im Kino
Produktionsland: Schweiz - Argentinien, 2014
Länge: 78 Minuten
Regie & Buch: Christoph Kühn 
Produktion: Ventura Film, Andres Pfaeffli

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Michaela Schlegel

Redaktorin

Foto:
trigon-film
Veröffentlicht:
Montag 09.06.2014, 00:00 Uhr

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