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Die Bilder sollen unerwartete Reaktionen auslösen. Was wohl eine solche Situation in jedem von uns auslösen soll?

Die Italo- Ikone Belucci in ihrer Rolle als Moderatorin des Wettbewerbs.

Familienszene: Geredet wird nicht viel. Bilder und Szenen sollen Emotionen auslösen. Worte lassen nur Raum für Spekulationen.

Alleinversoger: Hier müssen alle mithelfen.

Gelsomina und ihre kleine Schwester. Das Vertrauen zwischen Mensch und Tier wird auch in dieser Sezene ersichtlich.

Filmkritik: «Le Meraviglie - Land der Wunder»

Grossstadtanwalt Hank Palmer (Robert Downey Jr. ) steht ständig vor der Entscheidung, ob er seinem dickköpfigen Vater (Robert Duvall), mit dem er seit Jahren kein einziges Wort gewechselt hat, bei dessen Mordprozess helfen soll oder einfach seine Koffer packen und zu seiner Tochter zurückgehen und somit das ganze Projekt abblasen soll.

 

Die Story
Im Zentrum von «Le meraviglie» steht die 14-jährige Gelsomina (Maria Alexandra Lungu). Mit ihren drei kleinen Schwestern, dem latent aggressiven deutschen Vater (Sam Louwyck) und ihrer überarbeiteten italienischen Mutter (Alba Rohrwacher) lebt sie in mit "einfach" noch charmant umschriebenen Verhältnissen auf einem Bauernhof am entlegenen Südrand der Toskana.

Zivilisation oder gar Großstadt scheinen hier weit weg zu sein: der Alltag besteht aus Tomaten ernten, Schafe füttern und der für den Lebensunterhalt notwendigen Honig-Produktion, das Wohnhaus ist ordentlich heruntergekommen und von staatlich verordneten Hygienevorschriften hat noch niemand etwas gehört. Doch auch in dieser Lebenswelt ist Gelsomina, das eigentliche Familienoberhaupt, ein Teenager wie jeder andere. Was sich mehr denn je zeigt, als mit einem kriminellen deutschen Pflegekind sowie einem in der Nähe aufgezeichneten (und von Monica Bellucci moderierten) Fernsehwettbewerb die Außenwelt heftiger denn je in die eigentümliche Blase der Familie eindringt.

Die Kritik
Es ist eine ungewöhnliche, enorm zurückgenommene Welt, in die uns Rohrwacher in «Le meraviglie» mitnimmt. Die Detailliertheit, mit der sie dieses Milieu und diese Region aufzeigt, ist extrem greifbar. Aus diesem Grund wird der Film auch fälschlicherweise als autobiografisch verstanden, obwohl Alice Rohrwacher ausdrücklich untersteicht, dass dies nicht der Fall sei (siehe Interview). Die sonnendurchfluteten, aber alles andere als idyllischen Bilder, ebenso wie die – wahrlich nicht sehr sprechfreudigen – Schauspieler; allen voran die junge Lungu, die auch ohne viele Worte ein Gefühl vermitteln, dass dies alles real sei.

Ein Film, der sowohl auf die misslichen, wirtschaftlichen Umstände gewisser Regionen sowie auf die Abhängigkeit des Menschen von der Natur aufmerksam machen soll.


Credits:

Filmstart: 06. November 2014
Produktionsland: Deutschland, Italien, 2014
Länge: 110 Minuten
Regie: David Dobkin 
Produktion: Warner Bros.

Darsteller
Alba Rohrwacher - Mutter
Maria Alexandra Lungu - Gelsomina
Sam Louwyck - Vater 
Sabine Timoteo - Cocò
Monica Belucci -  Milly Catena

​​Zum Interview mit Sabine Timoteo

Auf die Smaltalk-Frage: wie es ihr gehe und ob sie heute viel erzählen müsse meinte die Regisseurin, dass es eigentlich absurd sei, was sie hier mache. Denn es sei die Arbeit des Regisseurs den Film „abzugeben“ und dann auf die Menschen wirken zu lassen und ihn anschliessend nicht erklären zu müssen.

Lesen Sie nachfolgend das Interview mit Alice Rohrwacher:

Coopzeitung: Alice Rohrwacher, ihr Film hat den „Prix Grand“ der Jury in Cannes gewonnen. Waren Sie überrascht wie gut ihr Film bei der Jury ankam?
Alice Rohrwacher: Ich bin ein Mensch wie viele andere. Der Film hat mich und meine Crew auf eine spezielle Art und Weise berührt und da wir Menschen wie viele andere sind, wusste ich, dass dieser Film viele auch berühren kann. 

Was inspirierte Sie diesen Film zu machen?
Die Umstände in Italien, die Situation der Agrarkultur im Allgemein und auch die Beziehungen zwischen Menschen. Ich möchte herausfinden, ob es für den Menschen besser ist alleine zu bleiben oder in einer Partnerschaft zu leben. 

Sie betonen, dass dieser Film nicht autobiografisch ist! Dennoch kennen Sie die Verhältnisse sehr gut.
Das stimmt. Ich habe vom ersten Moment an betont, dass dies nicht meine Geschichte ist. Ich habe viele Familien gesehen, die so aufgewachsen sind oder so gelebt haben. Ich kenne die Situation im Lande sehr gut. Doch ich bin nicht Gelsomina – die Hauptfigur – ich bin wie der Vater im Film. 

Inwiefern sind Sie der Vater?
Er hat kein Heimatland, keine Wurzeln. Ich wollte, dass man im Film versteht, dass dieser Umstand dafür verantwortlich ist, dass er so kalt ist. Dass er Dinge tut, die nicht erklärbar sind. So bin ich auch. Auch ich habe keine Wurzeln. 

Wie das? Ihr Vater ist Deutscher und Ihre Mutter Italienerin, ihren Ursprung kennen Sie jedenfalls.
Ja, doch ich fühle mich weder als Deutsche noch als Italienerin. Ich bin der Vater. Ich habe kein Heimatland. 

«

Ich arbeite lieber mit Bildern. Sie lösen Emotionen aus, die man nicht erklären kann.»

Alice Rohrwacher

Die übrigen Schauspieler stammen alle aus den unterschiedlichsten Ländern in Europa. Wieso dieser Mix?
Wir leben in einer Welt, in der es nicht mehr unnatürlich ist, dass Leute aus verschiedenen Herkunftsländern zusammen leben und nicht dieselbe Sprache sprechen. Das wollte ich zeigen.

Ihre Schwester spielt ebenfalls in dem Film mit. Wie sehr konnten Sie davon profitieren?
Die Zusammenarbeit mit meiner Schwester war mir sehr wichtig. Sie half mir schon während dem Schreiben des Drehbuchs. Gelsomina ist die Erstgeborene. Da meine Schwester dies auch ist, war es mir sehr wichtig, ihre Sicht zu sehen und zu verstehen. Das half mir Gelsomina so realistisch zu zeigen.

Es fällt allgemein auf, dass alles sehr realistisch wirkt, obwohl die Geschichte ja fiktiv ist. Wie war inszenierten Sie diese Wahrnehmung?
Ich habe es vermieden unnötige Utensilien zu verwenden, habe z.B. fast keine Musik verwendet. Bei Bildern weißt du nicht wohin diese dich bringen. Es kann sein, dass du etwas siehst und du fühlst, dass du gerne weinen möchtest. In diesem Moment weisst du aber nicht wieso, du empfindest jetzt einfach so. Ausserdem gebe ich dem Zuschauer so die Möglichkeit zu sehen was er möchte: Du kannst einen See sehen, oder das klare Wasser, die Form des Sees, dein Spiegelbild oder du kannst sehen wie tief der See ist wenn du einen Stein hineinwirfst. Du bist frei zu entscheiden was du sehen möchtest. Wenn wir etwas in der Natur sehen, was wunderschön ist, dann haben wir oft etwas Angst davor oder denken, es ist zu schön, um real zu sein. Darum habe ich alles im Film (nur) so schön gemacht, dass du denkst es ist real. Ich sehe das Gute und das Schlechte überall, ich bin nicht in die Natur versessen, doch ich lebe auf diesem Planeten. Die Natur , die Tiere und die Tradition sind ein Teil von mir.

Wie war es Ihnen möglich eine der schönsten italienischen Schauspielerinnen Italiens, Monica Belucci, für diesen Film zu begeistern?
Ich habe ihren Agenten angerufen und das Script geschickt. Sie mochte es und hat zugesagt! So simpel es klingt, so war es auch. Es gefiel ihr, wie sie in dieser Rolle mit der Art und Weise spielen konnte wie Männer sie sehen – auch dass sie das ganze ironisch darstellen konnte.

In ihrer Filmrolle wirkt sie sehr distanziert und verschlossen. Wieso?
Ich wollte es so. Ich wollte, dass man lediglich in zwei Szenen sieht, wie komplex ihr Charakter eigentlich ist und wie wenig sie davon der Öffentlichkeit preis gibt. Doch wenn man in ihre Augen schaut, sieht man alles.

Sie erwähnten einst, dass sie gerne Charakteren erfinden.
Ich mag es Menschen zu beobachten, zu verstehen was sie denken, fühlen, wieso sie so handeln wie sie es tun.

Gibt es eine Kernaussage, die sie den Zuschauern mit ihrem Film mitgeben möchten?
Nein. Ich will keinem eine Meinung aufdrängen. Das wird im heutigen System schon zu oft gemacht. Du kannst denken was immer du denken möchtest. Das finde ich spannend, das möchte ich ergründen. Dieser Film hat mich und mein Team auf eine Art und Weise berührt, dass wir noch mehr machen wollen. Genau diese Motivation will ich dem Publikum weitergegeben.

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Loredana Steiner

Mediamatikerin / Onlineredaktion

Text: Loredana Steiner

Foto:
Fotos: TmDb, zVg
Veröffentlicht:
Montag 10.11.2014, 00:00 Uhr

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