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Oscar und Sophina

Oscars Mutter Wanda.

Oscar versucht die Situation mit den Polizisten zu schlichten.

Oscars Freundin Sophina.

Szene kurz bevor die Situation zwischen Oscar und den Polizeibeamten eskaliert.

Augenzeugen filmen jede Sekunde der bizarren Szenerie.

Hier sieht Oscar seine Tochter zum letzen Mal.

Filmkritik: «Nächster Halt Fruitvale Station»

Der Film wurde von der Grand Jury als Gewinner des SUNDANCE Film Festivals 2013 in der Sparte: Dramatic ausgezeichnet. Dieser Auszeichnung wird der Film leider nicht gerecht.

 

Die Story

Die Handlung des Films basiert auf einer wahren Begebenheit. Der 22-jährige Oscar spielt dabei die Hauptrolle. Er und seine Freundin Sophina fassen einen Tag vor Neujahr feste Vorsätze, was ihre Lebensweise betrifft. Oscar legt sich dabei die Messlatte hoch. Er, der seit zwei Wochen arbeitslos ist, will mit dem Dealen aufhören, seinen alten Job zurückgewinnen, das Verhältnis mit seiner Mutter verbessern und so – seiner kleinen Tochter zuliebe – ein besserer Mensch werden.

Bereits am nächsten Tag unternimmt er konkrete Schritte in die richtige Richtung. So wirft er eine grössere Menge Marihuana weg – nachdem er an seine Zeit im Gefängnis zurückdenkt und sich fest vornimmt dies sich selbst und seiner Familie nie wieder anzutun.

Nach dem Abendessen bei seiner Mutter bringen Oscar und Sophina ihre Tochter zu Sophinas Schwester und machen sich auf den Weg zu ihren Freunden, um mit ihnen das Silversterfeuerwerk zu geniessen. Auf Rat der Mutter nehmen sie den Zug. Dieser hat jedoch Verspätung. Die Passagiere machen aus der Not eine Tugend und feiern alle zusammen friedlich und ausgelassen den Neujahrwechsel im Zug. Doch dann geschieht etwas: Oscar wird auf der Rückfahrt im Zug von einem weissen Ex-Mithäftling erkannt und angegangen. Es folgt eine kurze Schlägerei, bevor per Lautsprecher angekündigt wird, dass die Polizei bereits auf dem Weg sei um die Unruhestifter zur Rede zu stellen.

Die Gruppe um Oscar, sprich Sophina und seine Freunde, trennt sich auf und wird kurz danach von den Polizisten geschnappt. Sie zwingen sie dazu, an eine Wand zu sitzen. Der weisse Ex-Mithäftling und seine Kumpel können in der Menge der Zugpassagiere untertauchen. Vermehrt versucht Oscar die Angelegenheit zu schlichten und wird dabei von dem befehlshabenden Polizisten mehrere Male aufgefordert, sich ruhig zu verhalten, bis dieser eine angebliche rassistische Äusserung Oscars gehört haben will und seinen Kollegen auffordert, ihm Handschellen anzuziehen. Oscar wird auf den Boden geworfen, es beginnt ein hektischer Kampf zwischen Polizist und «Opfer», bis der Polizist schliesslich einen Gegenstand hervornimmt und ein Schuss ertönt. Oscar liegt angeschossen am Boden, die Meute tobt, Handys werden gezückt, keine Sekunde bleibt ungefilmt. Der befehlshabende Polizist ordnet die Abfahrt des Zuges an, lässt nach Verstärkung und einem Krankenwagen rufen.

Im Krankenhaus dann, nach langem Bangen und Hoffen, die schlechte Nachricht: Oscar ist tot. Am Ende des Films sind Szenen aus der echten Trauerfeier zu sehen, was ein emotionaler Moment des Filmes ist, da man seine kleine Tochter und seine Mutter sieht, die um ihren Vater und Sohn trauern.

Kritik

So traurig und erschütternd die Geschichte ist: Eigentlich wollte Regisseur Ryan Coogler zeigen, dass Rassismus weiterhin in unserer Gesellschaft ein Thema ist. Doch im ganzen Film kommt dies lediglich in drei Szenen klar zum Vorschein. Die eine Szene, in welcher Oscar über seine Zeit im Gefängnis zurückdenkt, als ein weisser Mithäftling im Besucherraum Oscars Mutter beleidigt, dann derselbe Mann, der in der besagten Nacht Oscar und seine Freunde im Zug gewalttätig anmacht und zuletzt die Tatsache, dass lediglich die schwarzen Pöbler von den Polizisten geschnappt werden. Das wars!

Allein die Tatsache, dass ein schwarzer Zugpassagier von einem weissen Polizisten angeschossen wird, ist noch kein Grund anzunehmen, dass dies aus rassistischen Gründen passiert, zumal der Zuschauer keinerlei Informationen zu dem involvierten Polizisten hat. Ist dieser andersfarbigen gegenüber rassistisch eingestellt? Ist er einfach stümperhaft ausgebildet und mit der Situation total überfordert? Wird er von Oscar durch Taten oder Worte zu dieser Tat gereizt? Wieso schiesst er ihm «nur» in den Rücken und hat ihn nicht direkt erschossen? Alles Fragen, die nicht beantwortet wreden und bei denen man als Zuschauer ratlos zurückgelassen wird. Die Tatsache, dass der befehlshabende Polizist selbst zu seinem Untergebenen sagt, was das solle, sofort für einem Krankenwagen sorgt und sich Oscar direkt annimmt, zeigt dem Zuschauer, dass dieser auf keinen Fall rassistisch eingestellt sein konnte. Die totale Hilflosigkeit in den Augen des Polizisten, welcher Oscar in den Rücken schiesst, lässt ausserdem eher schlussfolgern, dass dieser mit der Situation komplett überfordert ist, und der Schuss aus reinem unprofessionellem, panischem Verhalten erfolgt, was den Vorfall keinesfalls entschuldigt.

Zu Beginn des Films wird dem Zuschauer die Szenerie gezeigt, wie diese von einem Handy einer der Zug-Passagiere gefilmt wurde, was über den ganzen Film hindurch elektrisiert. Man möchte nur sehen, was im Zug vor sich geht, wie es zum Schuss kommt und was danach sowohl mit Oscar wie auch mit den involvierten Polizisten passiert. Dazu muss man allerdings 60 Minuten durchhalten. Denn in diesen wird ausführlich gezeigt, wie Oscar den Tag verbringt, dass er für seine Mutter einkauft, seine Tochter vom Kindergarten abholt, sein Leben ändern möchte etc. Um ehrlich zu sein: Dies interessiert einen jedoch nicht. Zu sehr ist man nach dieser Anfangszene darauf fokussiert, wann denn nun endlich der Vorfall an der besagten Fruitvale Station, also an diesem Bahnhof, gezeigt wird.

Immerhin: einen riesen Pluspunkt kann der Film damit holen, dass es an der schauspielerischen Leistung nichts, aber auch gar nichts zu bemängeln gibt. Sowohl Octavia Spencer, welche unter anderem auch im Film «The Help» mitwirkte, als Oscars fürsorgende Mutter als auch Melonie Diaz, die Freundin Oscars, welche ihn bei seinem Wandel zum besseren Menschen unterstützen möchte und Michael B. Jordan als Oscar selbst, wirken sehr natürlich. Keine Sekunde bekommt man das Gefühl, dass es sich nicht genau so hätte abspielen können. Die Dialoge sind flüssig und nicht gekünstelt.

Resümee

So wie die Filmstory aufgebaut wurde, würde man den Film unter keinen Umständen ein zweites Mal sehen wollen. Vielmehr hätte mehr ingteressiert, was nach der furchtbaren Szene am Bahnhof in der Familie, der Bevölkerung und der Polizei vor sich ging. Was wurde unter Menschen im Viertel, in der Stadt diskutiert? Was passierte mit den involvierten Polizisten? Welche Schritte unternahm die Familie? Wäre man diesen Fragen im Film nachgegangen, dann wäre man deutlich stärker gefesselt gewesen.

So hat sich die Filmkritikerin nach den ersten 3 Minuten – nach der gefilmten Handy-Szene – für die nächsten 60 Minuten gelangweilt. Alles was man zu Gesicht bekommt, ist ein Schwarzenviertel wie es im Buche steht: schäbige Häuser, schrottreife Autos und eine junge Bevölkerung mit lausigen oder keinen Jobs und die mit Drogen dealt. Rassistische Begebenheiten sind für mich Mangelware – obwohl diese eigentlich den Ausschlag für diesen Film hätten geben sollen. Ehrlichgesagt sieht man viele Szenen, die das Gegenteil beweisen: Die junge weisse Frau, welche von Oscars Grossmutter Kochtipps erhält und sich herzlich dafür bedankt. Der weisse Unbekannte, welcher Oscar kurz vor der Szene im Zug wertvolle Ratschläge gibt, wenn es um Ehe und Beruf geht. Auch zu erwähnen gilt am Ende der Polizist, welcher Oscars Hand hält und ihm versichert, dass Hilfe auf dem Weg ist.

So sehr man nicht verstehen kann, wie man – laut Aussage des betroffenen Polizisten einen Teaser mit einer Waffe verwechseln kann (diese Information erhält man übrigens erst beim Abspann des Filmes, wenn man denn bis zum Ende des Filmes sitzen bleibt) – so sehr findet die Kritikerin, dass es viele bessere Filme gibt, die sich dem ewigen Thema «Weiss gegen Schwarz» sehr viel besser angenommen haben. Somit beschränken sich die Höhepunkte des Films auf die Filmmusik, der schauspielerischen Leistung der Protagonisten und der guten Kameraführung.

 

Credits:
Filmstart: im Kino
Produktionsland: USA, 2013
Länge: 85 Minuten
Regie: Ryan Coogler 
Produktion: Ascot Elite

Darsteller
Oscar Grant: Michael B. Jordan
Sophina: Melonie Diaz
Wanda Grant: Octavia Spencer 
Officer Caruso: Kevin Durand 

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Loredana Steiner

Mediamatikerin / Onlineredaktion

Text: Loredana Steiner

Foto:
Fotos: TmDb, zVg
Veröffentlicht:
Donnerstag 12.06.2014, 15:11 Uhr

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