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Ein Lehrer mit Herz, Humor und viel Einfühlungsvermögen, der Basler Christian Zingg.

1 Jahr Reise, 20'000$ und eine ungewisse Berufszukunft. Das sind die Lebenshürden des 19- jährigen Afghanen Habibi.

Die aus Serbien stammende Albanerin Nazlije. Ihr Traum ist es Grundschullehrerin zu werden. Dies bleibt vorerst ein Traum!

Die Regisseurin Anna Thommen

Filmkritik: «Neuland»

Ein Dokumentarfilm so ehrlich und pur wie das Leben selbst. Zwei Jahre lang werden junge Migranten der IBK- Klasse von Herrn Christian Zingg auf Ihrem Weg in ein neues Leben in der Schweiz begleitet.

 

Die Story
Anna Thommen hat die IBK- Klasse (Integrations- und Berufswahl-Klassen) des in Basel geborenen Lehrers Christian Zingg zwei Jahre lang begleitet. Die Klasse besteht ausnahmslos aus jungen Migranten, welche in der Schweiz einen Neuanfang beginnen wollen – oder müssen. Aus diesen zwei Jahren Filmmaterial entstand nun dieser 93-minütige Dokumentarfilm.

Im Fokus stehen die talentierte, fleissige und zielstrebige aus Serbien stammende Albanerin Nazlije und ihr Bruder Ismail. Ausserdem wird der in sich gekehrte und orientierungslose Afghane Ehsanullah gezeigt, welcher über ein Jahr unterwegs war und dabei ca. 20'000 Dollar ausgeben musste um in sein eigentliches Reiseziel, die Schweiz, zu gelangen.

Mit viel Verständnis, Humor und Zielstrebigkeit nimmt sich Lehrer Zingg jedem einzelnen Schicksal an, ohne dabei zu grosse Illusionen bezüglich der Zukunft zu wecken. Erschreckend offen und ehrlich wird die Schweizerische Bürokratie und Erwartungshaltung gezeigt, welche die Integration zusätzlich erschweren. Nicht selten scheitern die Ziele und Wünsche an der nicht vorhandenen Schulbildung, beruflichen Qualifikationen oder an der Verständigung als an dem Lern- und Arbeitswillen der jungen Leute. Längst nicht alle Fragen bezüglich Arbeits- und Aufenthaltsbewilligung, Wohnsituation sowie Alltagssituation werden beantwortet und nicht wenige neue Fragen entstehen.

Am Ende erkennt der Zuschauer, dass die eigentliche Hauptdarstellerin dieses Dokumentarfilms die Menschlichkeit ist.

Die Kritik:
Die Regisseurin selbst sagt, dass der Filmschnitt die grösste Herausforderung für Sie darstellte. Das merkt man dem Film leider an. Ob gewollt oder nicht entsteht bei einigen Szenen der Eindruck als wäre kein professioneller Kameramann am Werke gewesen. Unnötig eingeschobene Bilder über Basler Sehenswürdigkeiten hinterlassen zudem einen etwas faden Nachgeschmack der Tourismusbranche. Die Protagonisten scheinen sich zudem nicht in allen Situationen wohl zu fühlen, was gerade bei Szenen im öffentlichen Raum gut ersichtlich ist. Dennoch: Der Dokumentarfilm zeigt das Geschehene wie es wirklich ist, keine Szene wurde 100-mal bis zur Perfektion gedreht, den Personen keine vorgegebenen Worte in den Mund gelegt.

Authentizität pur!

Für jede der gezeigten Lebensgeschichten zählt ein anderer Spannungsbarometer. Jede Person findet ihr persönliches Highlight und sei dies lediglich ein nach langer Leidenszeit zurückgewonnenes Lächeln oder das Bewusstsein des Geschenks des Lebens an sich.

Mein Resümee
Vor dem Film hätte ich mich selbst als eher tolerant gegenüber ausländischen Mitbürgern eingestuft. Im Nachhinein muss ich ehrlicherweise zugeben dass bereits zu Beginn des Films zum Teil unbewusst Vorurteile, voreilige Schlussfolgerungen und allzu eindimensionale Denkmuster in mir zum Vorschein kamen. Einige Szenen brachten mich zum Schmunzeln. Diesem folgte unweigerlich ein Seufzer, denn so „härzig“ ich es fand, wenn einer der Protagonisten einen nicht gerade grammatikalisch einwandfreien Satz sprach, so unbeholfen oder gar beschämt muss sich die betroffene Person selbst dabei gefühlt haben.

Grossen Respekt verdienen gewisslich Personen wie Lehrer Christian Zingg und Andreas Schultheiss für ihr Engagement und die Bereitschaft für dieses Projekt.

Als Ziel erhoffte sich die Regisseurin A. Thommen, dass ihr Film die Menschen berührt. Er tut es! Vor allem deswegen, weil er nicht im fernen Irak, Russland oder Mexico spielt, sondern hier, mitten in unserer Schweiz.


Credits:
Filmstart: ab 27. März 2014 im Kino
Produktionsland: Schweiz, 2013
Länge: 93 Minuten
Regie und Buch: Anna Thommen

Die Protagonisten:
Lehrer Ch. Zingg
Lehrer A. Schultheiss
Ehsanulla Habibi
Nazlije und Ismail Aliji
Hamidulla Hashimi

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Loredana Steiner

Mediamatikerin / Onlineredaktion

Text: Loredana Steiner

Foto:
Fotos: FAMA FILM AG
Veröffentlicht:
Montag 24.02.2014, 17:00 Uhr

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