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Filmkritik: «The Way He Looks»

Der brasilianische Filmemacher Daniel Ribeiro erzählt die Geschichte von Leonardo - einem blinden Teenager der sich zum ersten Mal verliebt. Ein interessanter und überraschend entspannter Coming-of-Age-Film. 

 

Die Story

Leonardo ist genervt: zum einen über die Lethargie seines Teenager-Lebens, das so banal und ohne Liebesdrama dahin plätschert, zum anderen über seine übervorsichtigen Eltern, die den blinden Jungen ständig überwachen. Verständnis und Unterstützung findet er bei seiner Jugendfreundin Giovana. Die beiden sind seit Kindesbeinen an befreundet wobei Giovana Leonardo auch als «Sehhilfe» dient. Dies verhilft ihm zu grösserer Freiheit bewirkt aber auch ein gewisses Abhängigkeit in ihrer Beziehung.

Um Schwung und mehr Dramatik in sein Leben zu bringen, will Leonardo ein Schulaustauschjahr machen. Weder seine Eltern noch Giovana unterstützen diesen Wunsch. Doch für Abwechslung muss Leonardo gar nicht weg. Diese findet er in Form von Gabriel, einem neuen Mitschüler. Gabriel schliesst sich Giovana und Leonardo an. Aufgrund einer Klassenarbeit wird aus dem Trio jedoch bald wieder ein Duo: Leonardo und Gabriel sollen zusammen ein Referat vorbereiten. Statt zu lernen haben die Jungs aber nur Flausen im Kopf: Sieh hören Musik, gehen Essen oder schauen sich Kinofilme an oder schleichen sich abends aus dem Haus. Gabriel nimmt dabei keine Rücksicht auf Leonardos Blindheit oder seine anderen Eigenheiten. Das gefällt Leonardo. Nicht nur, dass er sich so normaler fühlt sondern auch, weil ihm Gabriel eine Welt vermittelt, die er bis dahin noch nicht kannte.

Weniger begeistert von dieser Komplizenschaft ist Giovana, die sie zunehnend ausgegrenzt fühlt. Sie beginnt zu schmollen und redet nicht mehr mit Leonardo. Als ob dies nicht schon verwirrend genug ist, wird Leonardo bewusst, dass er Gabriel nicht nur als Freund schätzt. Doch, wie steht es um Gabriels Gefühle? Dieser scheint sich zwar für die Klassenschönheit Karina zu interessieren, bleibt aber undurchsichtig. Und dann wird Leonardo zum ersten Mal geküsst. Viel schneller als geplant und ohne Reise ins Ausland steckt Leonardo mitten im Teenager-Chaos, dass er sich ersehnt hat – ob er es jetzt noch will ist fraglich. Die Hoffnung bleibt, dass sich im anstehenden Klassenlager alles klären wird.

Kritik

Ein Film über einen blinden Jungen, der entdeckt dass er schwul ist – uaaaahhh, das schreit nach grossem Sozial-Drama. «The way he looks» ist es zum Glück nicht. Dieser Film behandelt beide Themen ohne sie zu bagatellisieren, aber auch ohne sie zu dramatisieren. Viel eher stellt der Film die Frage, was wichtig ist beim Verlieben, gerade wenn dieses «Sich-gegenseitig-Ansehen» kein Kriterium ist. Der Regisseur Daniel Ribeiro drückt es folgendermassen aus:  «The movie is about a teenager boy discovering his sexuality but it does noct focus on its sexual orientation. No doubt Leonardo being gay is a major aspect, but less important than experiencing his first love, his first desires and all new experiences brought by adolescence. I wanted to create a universal story that, gay or straight, blind or not, everyone would be able to relate to what Leonardo goes through.» (Der Film handelt von einem verliebten Teenager, der seine Sexualität entdeckt, ohne dass dabei die sexuelle Orientation im Fokus steht. Ohne Zweifel ist es ein wichtiger Aspekt, dass Leonardo schwul ist, aber weniger wichtig als das Erleben der ersten Liebe, der ersten Begierde und allen anderen ersten Erfahrungen die das Teenager-Alter mit sich bringt. Ich wollte eine Geschichte erzählen mit der sich jeder identifizieren kann, egal ob schwul oder hetero, blind oder sehend.»)

Das ist dem Regisseur gelungen. So ist das Besondere an diesem Coming-of-Age-Film, dass das Schwul- oder Blindsein nicht das Drama im Mittelpunkt ist, sondern «lediglich» eine Eigenschaft der Filmfigur.

 

Credits:
Filmstart: bereits im Kino
Produktionsland: Brasilien, 2013
Länge: 96 Minuten
Regie: Daniel Ribeiro 
Produktion: Lacuna Filmes

Darsteller
Leonardo: Ghilherme Lobo
Gabriel: Fabio Audi
Giovana: Tess Amorim 

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Michaela Schlegel

Redaktorin

Foto:
Fotos: www.pv-presse.com, zVg
Veröffentlicht:
Montag 11.08.2014, 14:12 Uhr

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