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Filmkritik: «12 Years a Slave»

Ein erbarmungslos ehrlicher Film über das Leben eines freien Mannes der zum Skalven wird. 

 

Die Story

Wir schreiben das Jahr 1841, Solomon ist ein angesehener Tischler und Musiker in Saratoga/ New York, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Solomon ist schwarz und er ist frei. Zwei ihm unbekannte Künstler laden ihn zu einer zweiwöchigen, finanziell lukrativen Tournee nach Washington D.C. ein. Das passt perfekt, denn genauso lange wird seine Frau mit den Kindern für einen Arbeitsauftrag weg sein. Bis Washington geht alles gut, dort trinkt Solomon zu viel und wacht am nächsten Tag, in Ketten gelegt, in einem Keller auf. Seinen Bewachern versucht Solomon zu erklären, dass sie einem Irrtum unterliegen, dass er ein freier Mann ist und sie ihn gefälligst gehen lassen sollen. Ob Solomon frei ist oder nicht interessiert diese Männer jedoch nicht. Sie sind Sklavenhändler und wenn kein Weisser dabei ist und ihnen mit dem Gesetz droht, ist für sie jeder Schwarze ein Sklave – auch wenn sie ihm einen falsche Identität geben.

Aus dem freien New Yorker Solomon wird also der scheinbar entflohene Sklave Pratt aus Georgia, der nun dahin zurück verschifft wird um verkauft zu werden.  Solomon ist kein Einzelfall auch andere freie Schwarze sind diesen Menschenhändlern in die Finger geraten. Überhaupt ist die weisse Gesellschaft in den Südstaaten nicht interessiert an freien Schwarzen, da sich die Wirtschaft auf diese unbezahlten Arbeiter stützt. So kann Solomon keine Hilfe von dieser Seite erwarten.

Als Sklave muss Solomon erleben was es heisst, der Willkür von Herren/Besitzern und Vorstehern ausgesetzt zu sein, Peitschenhieben und Beleidigungen zu überstehen und dass es unter den Sklaven nur schwer Solidarität geben kann. Er lernt, dass er sich dumm stellen muss, nicht Preis geben darf, wer er in Wirklichkeit ist. Bis er einem weissen Wanderarbeiter begegnet, der nichts von der Sklaverei hält. Er fasst sich ein Herz und erzählt ihm seine Geschichte. Doch kann er diesem Vertrauen? Und wird er ihm helfen frei zu kommen?

  

Kritik

Der Film basiert auf dem Buch, von Solomon Northup, den es wirklich gegeben hat. Die Nachwelt weiss davon, da er über seine Erfahrung besagtes Buch geschrieben hat, das zu seiner Zeit mit über 30'000 verkauften Exemplaren ein Bestseller war.

Künstler und Regisseur Steve McQueen wollte schon seit längerem ein Film zum Thema drehen und wurde durch seine Frau auf das Buch aufmerksam. Das war nach Aussagen von McQueen (Produktionsnotizen) genau der Stoff, nach dem er gesucht hat.

Brad Pitts Produktionsfirma Plan B hat ihn finanziert und wie schon bei den letzten Filmen von McQueen «Hunger» und «Shame» spielt Michael Fassbinder eine tragende Rolle. Die Geschichte zeichnet sich durch eine ehrliche Erzählweise aus, die einem besonders nah geht, da sie nicht überzeichnet ist, wie etwa bei Django Unchained aber drauf bleibt, auch wenn es wehtut. Besonders spannend macht den Film auch, dass er inhaltlich gleich mehrere Ebenen und Aspekte anspricht:

Historisch erzählt er wie es vor den Sezessionskriegen (1861-1865) für die Schwarzen in Amerika war, wie sie als Sklaven behandelt und klein gehalten wurden und wie die weisse Bevölkerung davon profitierte, vor allem auch wirtschaftlich. 

Moralisch wirft er die Frage auf, ob der «faire» Sklavenhalter, der seine Sklaven nicht misshandelt, aber trotzdem von ihnen profitiert und nichts gegen die Sklaverei  unternimmt wirklich besser dasteht als der, der sie physisch misshandelt.

Auf Ebene der Sklaven stellt sich hingegen die moralische Frage, inwiefern man das Leid und die Misshandlung der andern wortlos hinnehmen darf, um seine eigene Haut nicht zu riskieren.

Philosophisch gesehen hinterfragt der Film, was ein Leben lebenswert macht, wofür es sich zu sterben und wofür sich zu leben lohnt. Während seiner Zeit als Sklave schwankt Solomon zwischen zwei Identitäten: dem Menschen Solomon, der sich den Aufsehern widersetzten, der sich für die anderen Sklaven einsetzt und zwischen dem Sklaven Pratt, der den Kopf wie die anderen (geborenen) Sklaven unten hält, sich dumm stellt, keine Widerworte gibt und so überlebt – mit der Hoffnung, dass ihn jemand befreit. 

Was der Film zwar nicht anspricht, aber sich dem Zuschauer trotzdem ins Bewusstsein drängt ist die Erkenntnis, wie schnell Menschen versklavt werden können wenn ein Interesse daran besteht. Und wie ohnmächtig die Justiz dem gegenübersteht. Dabei ist das Interesse meist wirtschaftlicher Natur und die gleiche Profitgier die damals bestand besteht auch heute noch, weswegen es ziemlich sicher auch heute und in Zukunft auch noch Sklaven geben wird.

Filminformationen:

Auszeichnungen und Nominierungen:

Chritic’s Choice Awards: 3 Auszeichnungen

Golden Globe Award: 7 Nominierungen, Auszeichnung als bester Film

Screen Actors Guilde: 4 Nominierungen, Auszeichnung von Lupita Nyong’O als beste Nebendarstellerin

Oscar Nominierungen: 9 Nominierungen

Finden Sie hier mehr Informationen zu weiteren Nominierungen und Auszeichnungen

 

Cast:

Solomon Northup: Chiwetel Ejiofor

Edwin Epps: Michael Fassbender

Patsey Lupita: Nyong’o

Eliza Adepero: Oduye

Theophilus Freeman: Paul Giamatti

William Ford: Benedict Cumberbatch

John Tibeats: Paul Dano

Mary Epps: Sarah Paulson

Harriet Shaw: Alfre Woodard

Samuel Bass: Brad Pitt

 

STAB:

Regie Steve McQueen

Drehbuch John Ridley

 

Nach dem Roman:

Twelve Years a Slave von Solomon Northup

 

Produktion:

Brad Pitt

Dede Gardner

Jeremy Kleiner

Bill Pohlad

Steve McQueen

Arnon Milchan

Anthony Katagas

 

Kamera:

Sean Bobbitt, BSC

  

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Michaela Schlegel

Redaktorin

Foto:
zVg
Veröffentlicht:
Freitag 24.01.2014, 17:43 Uhr

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