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Filmkritik: «Akte Grüninger»

Der St. Galler Polizei-Hauptmann Paul Grüninger ist zwischen Pflichtbewusstsein und Gewissen hin und her gerissen. Wie wird er sich entscheiden?

 

Die Story

Ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs macht die Schweiz ihre Grenzen für jüdische Flüchtlinge dicht. Zehntausende werden ins Nazi-Deutschland zurückgeschickt, wo sie von Hitlers Schergen brutal schikaniert, deportiert und exekutiert werden.

Der St. Galler Polizei-Hauptmann Paul Grüninger ist zwischen Pflichtbewusstsein und Gewissen hin und her gerissen. Der Auftrag des Bundesrates, der sogar die Existenz von Konzentrationslagern in Frage stellt, ist klar: keine Juden ins Land. Doch Grüninger ist sich bewusst, dass er die abgewiesenen Flüchtlinge in eine grausame, im Extremfall tödliche Zukunft schickt. Die Menschlichkeit siegt. Mit seinem Wissen und der Duldung durch den zuständigen Regierungsrat Valentin Keel lässt er Hunderte von Dossiers fälschen. Über 3000 Juden sollen so in die Schweiz eingeschleust worden sein.

Selbstverständlich bleibt dieses Tun den zuständigen Behörden in Bern nicht verborgen. Der Bundesrat schickt Robert Frei, einen ambitionierten jungen Polizeiinspektor mit dem Auftrag nach Diepoldsau, die dortigen Machenschaften zu untersuchen. Selbstverständlich kommt er Grüninger und Co. schnell auf die Schliche. Die Begegnung mit zwei illegalen Flüchtlingskindern lässt ihn jedoch zögern. Dass er den geforderten Bericht manipulieren könnte, steht allerdings nie zur Debatte; hier versteckt sich Frei hinter obrigkeitlichen Befehlen. Er könnte sich allenfalls vorstellen, dass Regierungsrat Keel beim zuständigen Bundesrat vorstellig werden und das Handeln Grüningers als zwingend notwendig darstellen könnte. Doch da macht der Vorgesetzte des Polizeihauptmanns, ebenfalls seine Karriere vor Augen, nicht mit. Mit der Ablieferung von Freis Bericht ist Grüninger, nachdem sich auch sein einstiger Verbündeter Keel von ihm abgewandt hat, geliefert. Er wird ohne Pension aus seinem Amt entlassen. Was der Film nicht mehr erzählt: Paul Grüninger wurde 1940 wegen Dienstpflichtverletzungen zu einer geringfügigen Busse verurteilt und starb 1972, völlig verarmt, im Alter von 81 Jahren in seiner Heimatstadt St. Gallen. Erst 1995 hob das dortige Bezirksgericht das Urteil gegen ihn auf. Drei Jahre später bezahlte der Regierungsrat den Hinterbliebenen eine Entschädigung, mit der diese eine Stiftung gründeten, die sich für Verteidiger von Menschenrechten einsetzt. 

Kritik

Klar, das Thema bewegt. Sollte bewegen. Auch heute noch. Doch der Film leistet kaum einen Beitrag zur Aufarbeitung eines aus heutiger Sicht äusserst unsympathischen Kapitels der Schweizer Geschichte. Gut, muss er auch nicht, kann man sagen. Aber so, wie die Figuren im Film von Alain Gsponer dargestellt werden, wirken sie einfach nicht glaubwürdig. Vor allem der erste Teil ist kaum mehr als eine Aneinanderreihung von Szenen, die beim Zuschauer kaum Emotionen erzeugen. Da reicht es auch nicht, dass sich der Gute und der Böse je länger, je öfter in die Haare geraten und sich lautstarke Auseinandersetzungen liefern. An den schauspielerischen Leistungen von Stefan Kurt (Grüninger), Max Simonischek (Frei) und Anatole Taubmann (als Leiter der Israelitischen Gemeinschaft) liegt es nicht.

Filmstart: im Kino

Produktionsland: Schweiz

Regie: Alain Gsponer

Darsteller: 

Stefan Kurt (Grüninger)

Max Simonischek (Frei)

Anatole Taubmann (Leiter d. Israelitischen Gemeinschaft)

Offizieller Trailer

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
TmDb.pro
Videos:
Youtube / C-Films AG
Veröffentlicht:
Mittwoch 05.02.2014, 08:39 Uhr

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