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Der Dokumentarfilm «Winna» erzählt ein Stück mystischer Walliser Kulturgeschichte.

«Bozugschichtä» (Geistergeschichten) haben Silwina Studer als Kind das Fürchten gelehrt.

Hat 2300 Sagen und Legenden über Geister und den Gratzug im Repertoire: Geschichtenerzähler Andreas Weissen.

Schaurig schön: Im Beinhaus Leuk lagern Abertausende Schädel und Gebeine.

Spuren im Schnee bei Ritzingen. Ob hier wohl der «Gratzug» vorbeigekommen ist?

Die Armen Seelen des «Gratzugs», so erzählt man sich, verschwinden vor Tagesanbruch wieder in den Spalten des Aletschgletschers.

Wer so wie Rainer Brigger schon mal von einem Verstorbenen berührt oder geküsst wurde, ist «in d’Winna cho», wie die Walliser sagen.

Spricht mit den Toten: Medium Conny Giammaresi.

Filmkritik: «Winna – Weg der Seelen»

Im Wallis liegen die Toten nicht auf dem Friedhof. Sie ziehen durch Bergdörfer und statten dem einen oder anderen auch mal einen Besuch zu Hause ab.

 

Die Story

Wirklich gesehen haben ihn nur wenige. Doch kennen tut ihn im Wallis wohl jedes Kind: den «Gratzug». Diese Prozession armer Seelen, die im Diesseits Busse tun müssen, bevor sie endlich ins Licht gehen dürfen, ist wichtiger Bestandteil vieler überlieferter Sagen und Legenden. Was hinter diesen Walliser «Bozugschichtä» (Geistergeschichten) steckt und wie aktuell sie noch heute sind, zeigt Filmemacherin Fabienne Mathier (39) in ihrer rund 80-minütigen Dokumentation «Winna – Weg der Seelen». Dabei lässt sie Menschen zu Wort kommen, die Toten begegnet sind, Poltergeister im Haus hatten oder mit dem Jenseits kommunizieren.

Kritik

Die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt und, wenn ja, wie dieses aussehen mag, ist eine uralte. Genauso wie die Frage, ob es Geister gibt. Manche glauben daran, andere verneinen dies vehement. Eindeutige Antworten kann man von Fabienne Mathiers Dokumentarfilm keine erwarten. Und das ist gut so. Die Tatsache, dass die Regisseurin und Produzentin darauf verzichtet, die Aussagen und Geschichten der Menschen, die zu Wort kommen, zu kommentieren, machen den Film untendenziös, um nicht zu sagen wertfrei. Dem Zuschauer wird also selbst überlassen, ob er glauben will, was er da hört. Oder eben nicht. Am Ende mag man von der Thematik halten, was man möchte, der Film berührt, bewegt und regt zum Nachdenken an. Er spricht in leisen Tönen und verzichtet auf Effekthascherei. Und obschon er zuweilen etwas unheimlich ist, schafft er es auch, einem Hoffnung zu machen, dass da, vielleicht, doch noch was kommen könnte nach dem Tod.

Übrigens, wie es sich für einen Walliser Dok-Film gehört, sprechen alle Protagonisten jeweils in ihrem eigenen herrlich urchigen Dialekt, dem «Walliserditsch». Wer damit Mühe hat, der sei beruhigt: Deutsche Untertitel sorgen dafür, dass man dem Gesagten stets problemlos folgen kann.

Kino-Spielplan: www.winna.ch

 

Credits:

Filmstart: 4. Dezember 2014
Produktionsland: Schweiz (Wallis)
Länge: 80 Minuten
Regie: Fabienne Mathier
Produktion: Fabienne Mathier, 24frames gmbh und Norma Giannetta

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René Schulte

Stv. Chefredaktor

Foto:
Fotos: Standbilder/zVg
Veröffentlicht:
Montag 23.03.2015, 09:39 Uhr

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