Cyrill Häring vor dem WM-Stadion in Samara mit Taxifahrer Waldis und einem usbekischen Bauarbeiter.

Flink durch Russland

Cyrill Häring hat seine persönliche WM schon hinter sich: Während zwei Wochen besuchte er in Russland Stadien und Leute.

Cyrill Häring (69) Kennt sich in Osteuropa bestens aus.

Cyrill Häring (69) Kennt sich in Osteuropa bestens aus.
http://www.coopzeitung.ch/Flink+durch+Russland Cyrill Häring (69) Kennt sich in Osteuropa bestens aus.

Es war vor Jahren auf einer Schiffsreise auf der Lena in Jakutsk in Ostsibirien, als Cyrill Häring am Abschiedsabend vom Kapitän eine Urkunde überreicht erhielt. «Der wissbegierigste Tourist» stand auf dieser geschrieben.

Dieses Interesse für andere Menschen, Länder, Kulturen und alles, was sich auf dieser Erde ereignet, hat sich der 69-jährige Basler bis heute bewahrt. Eben erst ist er wieder von einer ungewöhnlichen Reise zurückgekehrt. Häring flog nach Russland und sah sich dort vier Stadien von aussen an, die alle an der Wolga liegen und in denen während der Fussball-WM gespielt wird. Plus als kleine Zugabe das Resort, in dem die Schweizer Nationalmannschaft während dem Grossanlass logiert. Fast zwei Wochen dauerte der Trip, der reich an spannenden Begegnungen war.

Zwei Ziele verfolgte er mit der Reise. Der studierte Jurist und selbstständige Unternehmens-Kultur-Berater interessiert sich seit jeher dafür, wie grosse Events organisiert werden; so war er schon an Olympischen Spielen dabei oder reiste vor zwei Jahren an alle vier Grand-Slam-Turniere. Nun schaute er sich den Stand der Vorbereitungen auf die Fussball-WM näher an.


Cyrill Häring nutzte seine Russlandreise auch, um sich in den Städten  umzuschauen: Impressionen vom Fleischmarkt in Kazan…

Die Grenzen überwinden

Vor allem aber wollte er dazu beitragen, dass die Menschen Russland besser verstehen lernen. «Für die meisten gibt es nur Schwarz oder Weiss, Gut oder Böse», sagt Häring. «Das ist mir zu einfach gestrickt.» Vieles könnte besser sein in Russland, noch mehr aber ist nicht so schlecht, wie es im Westen immer wieder dargestellt wird. «Russland gehört zu Europa, deshalb ist es wichtig, dass wir das Land begreifen.» Schon als 17-Jähriger – in den Zeiten des Kalten Krieges – verstand er nicht, weshalb ein Drittel von Europa so abgeschottet war. Also besorgte er sich «einen Schlüssel», wie er es nennt, um den Eisernen Vorhang überwinden zu können: «Ich lernte an der Uni Russisch.» Seit jenen Jahren bereist er den Osten Europas; umso erstaunlicher findet es auch Häring, dass unter den 900 000 Registern im Fichen-Skandal keines ihm gewidmet war.

Das erste WM-Stadion in Samara sah er sich zweimal von aussen an: einmal am Tag, das andere Mal um zwei Uhr nachts (!). Auf dem Weg vom Flughafen zum Stadion erzählte er Taxifahrer Kolja von seinen Plänen, vier Schauplätze der WM aufzusuchen. «Dann können wir gleich beim ersten vorbeifahren», sagte der Russe. Rund um die Arena wurde intensiv gebaggert und gebaut. Noch waren es ja über 40 Tage bis zum Beginn des Fussballfestes. Ins Stadioninnere durfte Häring genauso wenig wie in die anderen Arenen.


… sowie aus Nischni Nowgorod.

Mit Juri, Olga und Maja

Zu diesen Stadien reiste er, der sich so gerne mit fremden Menschen unterhält, per Blablacar. «Ein neues Kapitel für mich.» Auf einer App werden alle Mitfahrgelegenheiten angezeigt. So fährt Häring für 9 Franken im Auto mit Juri (42) von Samara ins 350 Kilometer entfernte Kazan. Mit dabei die junge Olga mit ihrem italienischen Freund, Maja (20) und Svetlana (40), die neben dem Schweizer sitzt «und anfänglich leider nicht sehr kommunikativ ist».

Doch beim zweiten Kaffeehalt taut die Ökonomin auf. Und erzählt, dass Geld früher eine untergeordnete Rolle spielte; alles lief über Tauschgeschäfte. Heute regierten die Gesetze der Marktwirtschaft, womit sich die ältere Generation schwer tue. Auf den Fahrten nach Nischni Nowgorod und Saransk kommen neue Bekanntschaften dazu, jede ist auf ihre Art faszinierend. Die Russen sind ihrerseits vom Schweizer begeistert, der sich für alles interessiert. Einer der Fahrer schreibt später in seiner Bewertung zu Häring: «Er ist noch flink für seine 69 Jahre!»

Im Lada-Resort in Toljatti, wo die Schweizer während der Vorrunde der WM residieren, ist er der einzige Gast. Vor dem Hotel weht schon eine Schweizer Fahne. Er testet das Restaurant, isst Pilzcremesuppe und Beef Stroganoff, erhält einen Gruss aus der Küche mit – passend zu seinem Namen – Hering auf Gurke und Speck auf Olive, dazu ein Glas Wodka. «Bedienung und Küche sind exzellent.» Die Rechnung beträgt 23 Franken – «das teuerste Essen der Reise.»

Während der zwei Wochen hatte Häring nicht ein einziges unangenehmes Erlebnis. Er empfiehlt Russland als Reiseland. «Versucht, euch ein eigenes Urteil zu bilden», schreibt er auf seinem Reise-Blog. «Es lohnt sich.»

Das WM-Vokabular

Der Blog von Cyrill Häring

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Andreas W. Schmid

Redaktor

Foto:
Cyrill Häring
Veröffentlicht:
Montag 04.06.2018, 09:00 Uhr

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