Foodtrends: Genuss im Wandel

Was ist punkto Lebensmittel momentan angesagt? Und was haben wir vielleicht schon morgen auf unseren Tellern liegen? Antworten liefert die Anuga, ihres Zeichens grösste Lebensmittelmesse der Welt.

Auf Entdeckungs-reise: die Betty-Bossi-Foodexper-ten Maurus Barandun (l.) und Tobias Edtbauer an der Anuga

Auf Entdeckungs-reise: die Betty-Bossi-Foodexper-ten Maurus Barandun (l.) und Tobias Edtbauer an der Anuga
http://www.coopzeitung.ch/Foodtrends Auf Entdeckungs-reise: die Betty-Bossi-Foodexper-ten Maurus Barandun (l.) und Tobias Edtbauer an der Anuga

Was tun Foodscouts eigentlich?

Ob seltene Vanille aus Madagaskar, rares Salz aus dem Himalaya oder Olivenöl aus Südafrika: Food Scouts finden, was der verwöhnte Gourmet sich wünscht. Sie reisen in entlegene Winkel der Erde und spüren Lebensmittel auf, die den meisten Menschen kaum bekannt sind.

Hier lesen Sie ausführlich, was die Arbeit eines Food Scouts ausmacht:

An der weltgrössten Foodmesse, der Anuga in Köln, gibt es vieles zu entdecken.

Hier finden Sie die prämierten Neuheiten der diesjährigen Anuga »
 

Sie sind gefragt!

«

Was ist das Verrückteste, das Sie je gegessen oder probiert haben?»

PS: erzählen Sie uns doch gleich, wie es Ihnen denn geschmeckt hat ... Wir sind gespannt!

Die Marktforscher von «Innova Market Insights» haben für 2015 einige Trends ausgemacht. Die Betty-Bossi-Foodscouts haben diese für uns unter die Lupe genommen.

http://www.coopzeitung.ch/Foodtrends Foodtrends

1. Proteinangereicherte Lebensmittel
Das ist in der Schweiz gerade bei Milchprodukten, im Speziellen bei Jogurts, ein Trend. Wir denken,
dass dieser anhalten und noch wachsen wird. Stichworte: Protein-Müesli, Eiweiss-Chips etc.

2. Gute Fette, gute Kohlenhydrate
Punkto Fette (von Omega 3 bis Transfette) sind die Leute sehr gut informiert. Weniger bei den Kohlenhydraten. So werden Dinkel und Hafer oft als bekömmlicher als Weizen eingeschätzt, obwohl dazu keine genauen Aussagen gemacht werden können. Dieses Thema wird unserer Meinung nach noch wichtiger.

3. Snacks
Das Angebot von Zwischendurch- und On-the-go-Verpflegung wird noch wachsen. Insbesondere im Bereich «gesunde Snacks» (Gemüse, fettarmes Fleisch wie Jerky).

4. Marketing für Millenials (15- bis 35-Jährige)
Ist sicherlich relevant. Diese Zielgruppe möchte klare Botschaften und volle Transparenz, etwa zu Herkunft, Zutaten, Geschichte, Herstellung.

5. «Semi-Convenience» (Halb-Fertigprodukte) für Foodies
Noch kein grosses Thema in der Schweiz. Denn Foodies, also Menschen, die sich stark für Lebensmittel interessieren, kochen hierzulande an Wochenenden eher von Grund auf selbst und verpflegen sich unter der Woche einfach oder mit den «neuen Snacks» (Sushi, Salate, Chia Pots, Suppen etc.). Neuerungen im Convenience-Bereich sind eher Gerichte mit alternativen Getreiden, Quinoa, glutenfrei, laktosefrei, vegan oder vegetarisch.

6. Klares Labeling bezüglich Herkunft und Inhaltsstoffe
Sehr relevant, darauf muss gesetzt werden.

7. Hervorheben der Produkttextur auf der Verpackung wie «crunchy».
Interessant, aber kein Trend.

8. Echt-Frucht-Basis
(Super-)Beeren und Federkohl haben es vorgemacht. Auch bei den Saftgetränken mit Gemüse und Früchten voll im Trend.

9. Frozen Food
Tiefkühlkost ist in der Schweiz kein wachsendes Segment.

10. Free-From-Produkte
Produkte, die frei von Gluten, Laktose und Ähnlichem sind, sind extrem wichtig, immer häufiger anzutreffen und aus unserer Sicht sicher ein anhaltender Trend.

Kürbischips, Kichererbsenmehl, Erbsenpasta, mit Kollagen angereichertes Wasser für straffe Haut, gefrorene Oliven oder Birkensaft – an der diesjährigen Anuga in Köln (10. bis 14. Oktober), der grössten Lebensmittelmesse der Welt, gibt es wahrlich vieles zu entdecken. Auf 284 000 Quadratmetern, einer Fläche von etwa vierzig Fussballfeldern, präsentieren über 7000 Aussteller aus 108 Ländern ihre Produkte; dafür zahlen sie für den Quadratmeter zwischen 160 und 180 Franken. Ihr Ziel: Mit ihrem Angebot den entscheidungsrelevanten Einkäufern aus Handel und Gastronomie aufzufallen, Kontakte zu knüpfen respektive zu pflegen und Verträge abzuschliessen. Während die einen Aussteller ihre Produkte für sich sprechen lassen, versuchen die anderen, die Aufmerksamkeit des Publikums mit speziellen Attraktionen wie einer Dixie-Band oder auffällig gestylten Hostessen auf sich zu lenken. «Darauf liegt heute aber nicht unser Augenmerk», meint Tobias Edtbauer (31), seines Zeichens Foodconsultant (Lebensmittelberater) oder auch Foodscout bei Betty Bossi. Gemeinsam mit seinem Kollegen Maurus Barandun (31) späht der ausgebildete Koch in diesem scheinbar unüberschaubaren Lebensmittel dschungel nach Neuheiten und angesagten Produkten. Sogenannten Trends.


Natürlich ist jedes Produkt ein Trend, wenn man den zuständigen Aussteller fragt – die Mini-Bagels genauso wie der Energydrink ohne künstliche Zusatzstoffe. Die Frage ist also eher: Welchen dieser Trends braucht die Welt wirklich? Als moderne Lebensmittelspäher ist es die Aufgabe von Edtbauer und Barandun, ihre Kunden – Sortiments- und Produktverantwortliche sowie Einkäufer – darin zu beraten. Ihr Untersuchungsfeld sind Märkte, Läden und Messen. Ihr Vorgehen: beobachten, riechen, kosten, fühlen und vergleichen. Wie also beurteilen die Experten das Angebot, das an der Anuga ausgestellt wird und den momentanen Weltmarkt widerspiegelt? In der Halle mit den Tiefkühlprodukten interessieren Edtbauer vor allem die veganen Fertiggerichte. Denn obwohl es in der Schweiz noch relativ wenige Veganer gibt, werden die «Flexiganer», die sich von Zeit zu Zeit vegan ernähren, immer zahlreicher. Unnötig findet er hingegen die tiefgefrorenen getrockneten Tomaten.

Das Expertengebiet von Maurus Barandun ist die Fleischhalle. Er ist fasziniert, wie viele Fleischproduzenten fleischlose, also vegetarische und vegane Alternativen anbieten. «Es scheint so, als wollten sie sich diesen Markt nicht entgehen lassen», resümiert er. In den weiteren Hallen, die sich anderen Schwerpunkten widmen, etwa Feinkost, Milchprodukten, Getränken oder Bio, fällt den Foodconsultants auf, dass die sogenannten Superfoods nun definitiv im Mainstream angekommen sind: Quinoa, Amaranth und Co. sind ihr Körnlipicker-Image losgeworden und kommen in grossem Stil in Müesli, Convenience-Produkten, Pasta und Riegeln zum Einsatz. Weizen hingegen verliert immer mehr an Terrain. Mehl und Pasta werden stattdessen aus Kichererbsen und allen möglichen Bohnenarten hergestellt. Bei den Getränken setzen die Produzenten auf Sirupe, die aus richtigen Früchten und ohne zusätzliche Aromastoffe hergestellt werden.

Auch das Äussere zählt

Nicht nur die Produkte sind von Interesse, auch die Verpackungen. Warum, erklärt der Marktforscher Özden Kilic, der für das niederländische Marktforschungsinstitut «Innova Market Insights» arbeitet und im Rahmen der Anuga einen Vortrag über die Foodtrends 2015 hält. «Die Konsumenten geben sich nicht mehr nur mit Bildern von fein aussehendem Essen auf den Verpackungen zufrieden», referiert er. «Sie wollen die Geschichten hinter den Produkten erfahren, wollen die Leute sehen, die diese gemacht haben.» Diese Geschichtenaffinität gelte besonders für die Millenials, die Bevölkerungsgruppe zwischen 15 und 35 Jahren. Sie macht einen Drittel der Konsumenten aus. Diese Generation sei sensibilisiert und treffe ihre Kaufentscheide vermehrt aufgrund des sozialen Verhaltens der Hersteller.  Ein weiteres Trendkriterium ist die Auflistung und Darstellung der Inhaltsstoffe. «Die Leute wollen verstehen, was sie essen.» Vorbei seien die Zeiten der klein gedruckten Verzeichnisse auf der Verpackungsrückseite. Gross, am besten auf der Vorderseite, soll stehen, was in einem Produkt enthalten ist. Damit beweise der Hersteller, dass er nichts zu verbergen habe, so Kilic zum vollen Konferenzsaal. Auch die weiteren weltweiten Foodtrends, die von «Innova Market Insights» erhoben wurden (siehe Box rechts), werden vom Fachpublikum interessiert notiert. Vor dem Saal finden die Besucher dann passenderweise eine Auswahl von Produkten, die dem Zeitgeist entsprechen. Noch mehr Trends gibt es in der Sonderschau «taste15» zu entdecken: Darin präsentiert die Anuga die Top-Foodneuheiten der Messe, ausgesucht von einer Jury aus Fachjournalisten. Nebst Amaranth-Quinoa-Brot oder einem Smoothie in Riegelform kann man dort auch Schweizer Produkte entdecken: die Salami-Schnitte von Malbuner und Reibkäse im Streubecher von Sbrinz.
 
Obwohl der Begriff Trend an der Messe geradezu inflationär gebraucht, aber auch diskutiert wird: Viel Neues entdecken die Betty-Bossi-Foodscouts in Köln nicht. Was wohl daran liegt, dass – wie es Foodtrend-Forscherin Hanni Rützler ausdrückt (siehe auch Interview Seite 17) – die echten Innovationen nicht auf einer Messe zu finden sind. Der Besuch war für Tobias Edthard und Maurus Barandun trotzdem nicht vergebens: Er hat ihnen gezeigt, was vom Markt als trendy empfunden und wohl bald in unseren Regalen anzutreffen sein wird – quasi Prêt-à-manger.

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Michaela Schlegel

Redaktorin

Foto:
Visualimpact.ch / Rainer Eder
Veröffentlicht:
Montag 26.10.2015, 16:00 Uhr

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