Oft entscheidet die Dame, welcher Wein bestellt oder gekauft wird. Und doch wird im Restaurant die Weinkarte meistens den Männern gereicht.

«Die Weinkarte bitte!»

Die Weinwelt gilt als Männerdomäne. «Stimmt nicht!», sagen Frauen, die sich beruflich in diesem Bereich bewegen. Dennoch wird das Klischee munter weitergepflegt – auch wenn im Alltag meist Frauen entscheiden, welcher Wein gekauft wird. 

Frauen und Wein, das geht gar nicht – fanden die alten Römer und verboten es ihren Frauen, Wein zu trinken. Tempi passati, doch über «Frauen und Wein» wird noch heute diskutiert. Nicht immer gern. Weinjournalistin Britta Wiegelmann beispielsweise seufzt bei diesem Thema auf. Von «längst überholten Klischees» spricht sie: «Frauen verstehen nicht mehr, aber auch nicht weniger von Wein als Männer», ist für sie klar. Die weit verbreitete Idee, dass Frauen fruchtige oder liebliche Weine bevorzugen, stösst bei ihr auf Unverständnis. «Da bin ich selber wohl der beste Gegenbeweis: Wenn ich aus Genuss ein Glas Wein trinke, muss es ein trockener Wein sein.» In den fast 20 Jahren, in denen sich Wiegelmann in der noch immer männerdominierten Weinwelt bewegt, sei sie kaum je auf Widerstände gestossen: «Aber da war eine Generation von Frauen, die hart kämpfen musste, dass dies so ist.»

Coraline de Wurstemberger ist eine davon. Sie hat 1995 das Weingut ihrer Familie in Mont-sur-Rolle VD übernommen – ein Weingut notabene, das seit 1649 im Besitz von Frauen ist und mittlerweile den Namen «Domaine les Dames de Hautecour» trägt. «Bei meinem Start musste ich – mit wenigen Ausnahmen – ohne Rat oder Unterstützung von meinen männlichen Berufskollegen auskommen.» Inzwischen sei sie jedoch akzeptiert.
Frauen haben mittlerweile allgemein ihren Platz in der Weinwelt. An der Hochschule für Technik in Changins zeigt sich dies deutlich. Im Bereich Önologie (Fachhochschule) ist der Anteil an Frauen seit 2010 gleich hoch wie jener der Männer und auch bei den Weinbauern zeichnet sich eine Entwicklung ab: Waren in den 1960er- und 70er-Jahren weniger als 10 Frauen unter den fast 250 Absolventen, liegt der Frauenanteil mittlerweile bei immerhin 13 Prozent.

Eines aber bleibt: «Frauen in allen Berufsgruppen müssen noch immer mehr leisten als ihre Kollegen, um Erfolg zu haben», glaubt de Wurstemberger. «Zumindest wenn sie ganz nach oben möchten.» Für die Waadtländerin war dies mit ein Grund, sich 1998 mit ihren Kolleginnen Marie-Thérèse Chappaz aus dem Wallis und Françoise Berguer aus Genf zusammenzutun und die Association «Les Artisanes de la Vigne et du Vin» zu gründen, ein Netzwerk von Winzerinnen, das auch gemeinsam an Messen auftritt, um Weine zu präsentieren. Elf Frauen sind mittlerweile mit von der Partie.
Was die Art der Weine betreffe, gebe es keine Unterschiede zwischen Winzern und Winzerinnen, sagt de Wurstemberger – irgendwie aber doch. Sprich: Es sei nicht so, das Frauen süssere Weine keltern, gefälligere oder leichtere. «Aber Frauen wagen mehr», findet sie. «Sie folgen nicht irgendwelchen Moden, sondern vertrauen ihrem persönlichen Urteil und Geschmack.»

Auch in Sachen Weingenuss reden Frauen zunehmend mit. Dürfen sie auch: Viele Sensorik-Experten sagen, dass Frauen eine feinere Wahrnehmung haben als Männer. Es liegt also nicht am fehlenden Können, wenn Frauen bei Weindiskus-sionen nicht mitreden, eher an mangelndem Selbstbewusstsein. «Frauen gehen auch anders an das Thema Wein heran als Männer», sagt Sylvia Berger, Weinverantwortliche bei Coop. Die Kulinarik spiele eine viel grössere Rolle, glaubt sie. «Eine Frau achtet mehr auf das Drumhe-rum: Der Wein muss vor allem auch zum Essen passen.»
Frauen liessen sich auch weniger beeinflussen. «Frauen trinken einen Wein, weil er ihnen schmeckt und nicht, weil er grad von Kritikern hochgelobt wird.»
Und um nochmals auf die Klischees zurückzukommen: Wie Britta Wiegelmann kann Sylvia Berger mit fruchtig-süssen oder opulenten Weinen nichts anfangen – sie mag Weine mit Ecken und Kanten. Studien zeigen übrigens auch, dass bei mehr als der Hälfte aller Käufe Frauen allein darüber entscheiden, welcher Wein gekauft wird. Das sollten sich vielleicht auch jene Restaurants merken, in denen die Weinkarte noch immer automatisch dem Mann überreicht wird.

Laubarbeit ist wichtig

Jan Schwarzenbach, Önologe

Jan Schwarzenbach, Önologe
Jan Schwarzenbach, Önologe

Durch die Laubarbeit wird das Klima im Laubdach der Rebe beeinflusst. Dieses Mikroklima ist extrem wichtig für die Fähigkeit eines Rebbergs, gute Trauben und somit gute Weine hervorzubringen. Zur Laubarbeit gehören das Aus-brechen überschüssiger Jungtriebe, das Auslichten der Blätter in der Traubenzone, das Einschlaufen der Triebe zu einer Laubwand, das Entspitzen der Triebe ab einer gewissen Höhe der Laubwand und das Entfernen von Geiztrieben. Der Winzer ist also während der gesamten Wachstumsperiode der Rebe damit beschäftigt, die Triebe und Blätter der Rebe so zu verwalten, dass die meisten Blätter direktes Sonnenlicht haben und das Verhältnis zwischen Laubfläche und Traubenmenge stimmt.  Nur unter optimalen fotosynthetischen Bedingungen aller grünen Rebteile können hochwertige Trauben heranreifen.

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Regula Bättig

Redaktorin

Foto:
Getty Images, ZVG
Veröffentlicht:
Montag 04.08.2014, 14:00 Uhr

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