Kristalle verleihen Adolf Ogi besondere Kraft: «Und sie machen demütig, weil sie uns daran erinnern, wie klein wir in der grossen Geschichte dieses Planeten sind!»

Freude herrscht: «Dieser Spruch ist spontan entstanden»

Adolf Ogi (75) erzählt im Interview vom legendären Eklat mit Jiang Zemin und welche Opfer er als Bundesrat brachte. 

Adolf Ogi, Sie haben schon so viele Fragen beantwortet in Ihrem Leben. Herrscht da noch Freude bei diesem Interview?
Jetzt, da wir schon zusammen sitzen, ziehen wir das durch… bis zum bitteren Ende! (Lacht.)

Wie oft hören Sie den Satz «Freude herrscht» noch?
Sehr oft. Es freut mich, dass die zwei Wörter so populär geworden sind. Ich habe sie nicht im Globi-Buch abgeschrieben. Die Kombination ist spontan entstanden und sie ist positiv!

Können Sie nachhelfen? Das Bonmot gehört zu den bekanntesten der Gegenwart, nur weiss kaum noch jemand, wie es zustande kam.
Das war 1992, als Claude Nicollier als erster Schweizer ins Weltall flog. Bundespräsident René Felber lag krank im Spital. Also musste ich für ihn als Vize einspringen. Im Verkehrshaus in Luzern, wo ich mit unserem Astronauten Kontakt aufnehmen sollte, verwechselte mich die Nasa wohl mit der Putzequipe. Jedenfalls drückte sie mir einen fixfertig vorbereiteten Text in die Hand. «Das dürfen Sie mit Ihrem Landsmann im All besprechen!», hiess es. Ich antwortete, dass ich zu Nicollier immer noch das sage, was ich selber will. Ich lasse mir das sicher nicht vorschreiben. Im Gespräch rutschte mir spontan dieses «Freude herrscht» heraus. Heute sind die Menschen enttäuscht, wenn ich diese zwei Wörter in einem 40-minütigen Vortrag nicht mindestens einmal bringe. Dann herrscht keine Freude.

Was bereitet Ihnen derzeit am meisten Freude?
Meine Stiftungen! Die erste heisst «Freude herrscht» im Andenken an unseren 2009 verstorbenen Sohn Mathias. Wir wollen Kinder dazu bewegen, gesunden Sport zu treiben. Weg vom Computer, raus in die Natur und sich mit Kameraden austoben. Die zweite heisst «swisscor». Zu Beginn haben wir kriegsgeschädigte Kinder aus dem Balkan für ein dreiwöchiges Camp in die Schweiz geholt. Heute scheint dieses Modell überholt. Es macht momentan mehr Sinn, direkt vor Ort zu helfen. Auch weil die Flugkosten sehr hoch sind. Früher wurden wir von der Swissair unterstützt, heute nicht mehr.

Und wann herrscht sonst noch Freude?
Meine Auftritte sind zugleich Lust und Last. Ich bekomme jeden Tag Anfragen für Vorträge. In diesen rede ich über meinen Weg von Kandersteg über Bern nach New York, über Führung, über Sport, Olympische Spiele oder wie ich die Neat durchgeboxt habe. Aber nicht über die aktuelle Politik. Daneben erhalte ich viele Einladungen, zum Beispiel an den 80. Geburtstag des Grossvaters. Da muss ich in der Regel absagen. Oder man wünscht ein Glückwunsch-Video von mir zu einer Hochzeit: «Alles Gute! Solange die Hühner barfuss gehen, möge eure Liebe bestehen!»

Ist es Lust und Last, so populär zu sein? Sie können sicherlich nirgendwo hingehen, ohne angesprochen zu werden!
Wenn Sie Bundesrat werden, müssen Sie das akzeptieren und positiv sehen. Die Menschen haben ein Recht darauf, mit Ihnen zu reden. Sie tun dies mit grossem Respekt. Mich freut das. Wenn ich wandern gehe, grüsst mich jeder Zweite mit meinem Namen. Und viele sagen mir danke. Heute ist die Anerkennung, die mir zuteil wird, grösser als zu meiner Zeit im Bundesrat. Ich freue mich über die Wertschätzung. Aber überwerten möchte ich sie auch nicht. Damals, als ich zurücktrat, sagte ich spontan: «Ich war damals, als Sie mich gewählt haben, nicht so schlecht wie mein Ruf. Heute, da ich zurücktrete, bin ich nicht so gut wie mein Nachruf. Adieu mitenand!»

Wie viele Anfragen für eine 1.-August-Rede haben Sie erhalten?
Sicher ein Dutzend. Ich habe alle abgelehnt. Das habe ich seit meinem Rücktritt als Bundesrat durchgezogen. Ich bitte um Verständnis. Ich will es wie gesagt vermeiden, mich in die aktuelle Politik einzumischen.

Obwohl es einiges zu sagen gäbe.
Sicher. Aktuell geht es ja gerade um die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter. Soll es ein Welscher oder ein Tessiner werden?

Wie lautet Ihre Antwort?
Ich finde es richtig, wenn alle Landesteile vertreten sind. Zu meiner Zeit als Bundesrat war dies mit Flavio Cotti der Fall.

Ist die Welt wirklich unsicherer geworden oder ist es nur unsere Wahrnehmung, die sich verändert hat?
Nein, sie ist unsicherer geworden! Wir sind alle gefordert, eine friedlichere, eine bessere Welt aufzubauen! Deshalb auch mein Engagement für die Jungen von heute. Sie sind die Leader von morgen.

Wie war das bei Ihnen, als Sie jung waren? Akzeptierten Sie es sofort, als Ihre Eltern Sie an die Ecole Supérieure de Commerce nach La Neuville schickten?
Ja klar, ich war ihnen dankbar dafür, weil ich wusste, was sie dafür in Kauf nahmen. Mein Vater musste als Bergführer 70-mal auf die Blüemlisalp steigen oder am Samstag bei der Lawinenverbauung anpacken, damit er mir diese Schule bezahlen konnte. Ich sah, wie er am Sonntagabend mit einer Lampe in die dunkle Nacht hinaus ging, wenn ein Notruf kam, dass Bergsteiger in Schwierigkeiten steckten. Natürlich hatte ich dann Angst, dass er nicht mehr zurückkehrt. Das hat mich geprägt. Im entscheidenden Moment hat er mit der Mutter die Weichen gestellt, für mich war das in Ordnung.

Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht nach La Neuville gegangen wären?
Vielleicht Skifahrer? Oder Bergführer. Oder Unternehmer. Am Ende der Grenadier-Unteroffiziersschule in Losone habe ich eine Analyse von mir gemacht. Ich fragte mich mit 22 Jahren: Wer bin ich? Was kann ich, was nicht? Was sind meine Stärken? Was will ich? Ich wusste: Ich will führen und Verantwortung übernehmen! Wo man mir eine solche Chance bietet, will ich mich voll reinknien. Das war dann beim Schweizerischen Ski-Verband der Fall. Nach den medaillenlosen Olympischen Winterspielen von 1964 – eine Katastrophe für den Schweizer Sport – stellte mich der Ski-Verband mit dem Auftrag an: 1972 in Sapporo kehren die Schweizer mit Medaillen zurück! Sapporo bedeutete totales Neuland für uns und ähnelte einer Expedition zum Mond: Alles war anders, vom Schnee über die Pisten bis zur Sprache.

Was taten Sie dafür, dass es so erfolgreiche Spiele wurden?
1971 reisten wir nach Japan: Zürich-Rom-Teheran-Bangkok-Hongkong-Tokio-Sapporo – ein Flug von 36 Stunden! Natürlich ging das so nicht für Olympia, die Athleten wären viel zu müde und geschwächt angekommen. Also reichten wir bei den Russen ein Gesuch ein, dass das Flugzeug mit den Sportlern von Moskau via Sibirien direkt nach Sapporo fliegen durfte. Oder der Schnee: Sicher 250 Wachsversuche haben wir gemacht. Oder die Ernährung: 1971 war ein tiefgekühltes und gratis angebotenes Joghurt sehr beliebt, das wir. Nachdem wir es hatten analysieren lassen, gaben wir die Devise heraus: Wer dieses Joghurt konsumiert, fliegt sofort nach Hause! Olympiasieger Sven Ake Lundbäk wurde gefragt, weshalb ihm Edi Hauser im Staffelrennen Bronze wegschnappen konnte. Lundbäck antwortete: Because I had too many joghurts!

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Im Interesse der Schweiz trank ich einen über den Durst.»

Sie waren, kaum hatten Sie Ihre Schule beendet, für das Tourismusbüro Meiringen verantwortlich. Mit Ihrer Erfahrung von damals: Was muss die Schweiz heute tun, damit sie für die Touristen wieder attraktiver wird?
Ereignisse schaffen, andere Wege gehen, Freundlichkeit fördern, mehr Dienende sein,  bessere Auslandwerbung.

Sind wir denn zu wenig freundlich?
Wenn ich mit Österreich und dem Südtirol vergleiche, muss ich ganz klar sagen: ja. Wir haben das schönste Land der Welt im Taschenformat mit wunderbaren Bergen und Seen, dem besten öffentlichen Verkehr, eine grossartige kulturelle Vielfalt und seit dem 19. Jahrhundert Frieden. Wir müssen deshalb Sorge zu unserem Land tragen, wieder vermehrt kämpfen lernen, innovativer sein und mehr arbeiten als die anderen. Vielleicht sind wir vom Wohlstand zu sehr verwöhnt worden.

Zu welchen Politikern hatten Sie ein besonders nahes Verhältnis?
Zu François Mitterrand. Und zu Bill Clinton. Als ich mich von ihm nach meinem Besuch als Vizepräsident verabschieden wollte, sagte er: «Dolfi, you stay!» Also blieb ich und trank am Abend einen über den Durst, aber im Interesse der Schweiz. Bill Clinton kam während seiner Amtszeit in die Schweiz. Bush und Obama hingegen waren nie hier. Kein Wunder, konnte die Schweiz die Probleme mit den Banken nicht rasch lösen – wenn sie heute nicht mehr mit dem US-Präsidenten sprechen kann!

Mit anderen Worten: Es müsste wieder etwas mehr menscheln in der Politik.
Ja, das ist so. Aber Vorsicht: Heute ist es sicher schwieriger als damals zu meiner Zeit. Ich habe wohl die beste Phase erwischt. Heute hat man keine Zeit mehr füreinander, auch weil vieles elektronisch erledigt wird.

Zu Ihrem 75. Geburtstag ist das Buch «Unser Dölf» mit 75 Beiträgen verschiedener Persönlichkeiten erschienen. Was haben Sie noch Überraschendes erfahren?
Erstens: Ich habe dieses Buch nicht gesucht. Zweitens: Wenn sich 74 Persönlichkeiten hinsetzen und bereit sind, einen Beitrag zu diesem Buch schreiben, muss ich sagen: Das ist eine schöne Anerkennung, was auch immer sie schreiben.

Warum 74?
Der Text von Bill Clinton zählt nicht. Den haben sie ausgegraben, das war ein kurzer Brief, in dem ich gewürdigt wurde. Einige Beiträge haben mich berührt, auch derjenige von Blocher: Er bringt es auf den Punkt. 

Wie sind Sie mit Blocher zurecht gekommen?
Es war nicht immer einfach, aber uns verband viel miteinander. 1979 kamen wir zusammen ins Parlament. Über alle Dispute hinweg, die wir austrugen, blieb es immer menschlich. Und wenn es einmal wirklich nicht mehr ging, dann sprachen wir es an und unternahmen in Kandersteg eine Wandertour. Einmal liefen wir zum Blausee und assen Forelle – danach ging es wieder für ein paar Monate. Wir respektierten uns. Vor zwei Wochen trafen wir uns zufällig mit unseren Ehefrauen an den Tellspielen in Interlaken.

Sie mussten als Bundesrat sicherlich Kompromisse eingehen, was Ihr Privatleben betrifft.
Ich hoffe, ich habe die Familie nicht vernachlässigt. Ich wusste, dass meine Frau die beiden Kinder erzieht. Diese konnten aber jederzeit zu mir kommen, als sie in Bern zur Schule gingen, und hatten immer direkten Zugang zu meinem Büro, selbst wenn ich Politiker bei mir hatte. Dann habe ich halt eine kurze Pause eingelegt. Als Mathias im Gymi war und am Dienstag trainierte, holte ich ihn trotz Bundesratssitzung um 20.30 Uhr ab, damit er nicht mit dem Zug nach Fraubrunnen zurückfahren musste. Ich arbeitete dann einfach von zu Hause bis Mitternacht weiter. Bei Caroline war es ähnlich. Sie durften auch viel Spannendes erleben. Ich bin mit ihnen nach Amerika gegangen, nahm Mathias beispielsweise zu den Olympischen Spielen oder an einen Fussball-Final mit. Am Wochenende versuchte ich zwei der vier Halbtage der Familie zu widmen. Während der restlichen zwei Halbtage musste ich arbeiten und mich durch Berge von Dokumenten und Dossiers lesen.

Sich waren aber nicht nur sich, sondern auch den Anderen gegenüber sehr fordernd.
Ja, ich war hart und scheute mich nie, klar zu sagen, dass ein Vorschlag unbrauchbar sei. Wenn ich einmal überbordet hatte, konnte ich mich aber auch entschuldigen.

Hatten Sie Entzugserscheinungen nach Ihrem Rücktritt?
In ein Loch fiel ich nicht. Was eher überraschend ist bei dem Programm, das ich bewältigen musste. Ich kam nie vor Mitternacht ins Bett, am Morgen war ich bereits um 4.45 Uhr in der Früh auf den Beinen und ging joggen. Als Bundespräsident war das irgendwann nicht mehr möglich, weil ich so müde war. Also marschierte ich nur noch. Irgendwann schlug mein Sohn Mathias Alarm, weil ich fast im Stehen einschlief.

Krass.
Ja. Vor den Olympischen Spielen in Sydney sagte Mathias: «Papi, du solltest Ende Jahr zurücktreten, du bist gesundheitlich nicht mehr so fit.» Meine Frau sekundierte ihm mit voller Überzeugung. Es war ein gewaltiges Programm, das ich damals bewältigte. Von Bern nach Genf, weiter nach Paris, dort hielt ich ein Referat, dann folgte Peking, wo mich der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin herzlich empfing. Ein Jahr zuvor hatte er in Bern noch vorzeitig abreisen wollen. In Peking viele Termine, weiter nach Schanghai, noch mehr Termine. Danach wechselte ich meine Equipe aus. Während einem Taifun flog ich nach Sydney, den Flieger luftete es neben die Piste. Nach der Ankunft reichte es knapp für eine Dusche. Weiter zum Gouverneur, den ich seit dem Canyoning-Unfall vom Saxetbach kannte, Gedenkfeier, Mittagessen mit dem Premierminister, von dort ins Hotel… Es geht noch weiter! 30 Minuten später zur Eröffnung der Olympischen Spiele. Gespräche mit der australischen Sportministerin und dem Verteidigungsminister, dann den Triathlon verfolgt, in dem Brigitte McMahon Gold holte. Dann war es genug. Ich rief meine Frau an: «Ende Jahr höre ich auf!» Meine Reise aber ging weiter: von Sydney sofort weiter nach Singapur, wieder ein Referat, zurück nach Kloten und von dort mit dem Helikopter nach Belp, damit ich pünktlich um 9 Uhr die Bundesratssitzung präsidieren konnte. Wie gesagt: Ich fiel nach meinem Rücktritt nicht in ein Loch, aber mit einer Sache hatte ich nicht gerechnet: Dass ich weiterhin so viel Post erhalten würde. Noch heute, 17 Jahre später, erhalte ich immer noch zehn bis zwanzig Briefe oder Mails pro Tag. Ohne Sekretärin, die ich auf eigene Kosten angestellt habe, könnte ich das gar nicht bewältigen.

Ein Mammutprogramm, das sicher nicht gesund war.
Es war kein Zufall, dass ich vier Mal Probleme mit meinen Nierensteinen hatte. Die bekommt, wer entweder zu wenig trinkt oder zu viel Stress hat.

Während Ihrer Zeit als Bundesrat haben Ihnen vor allem die Auseinandersetzungen mit Otto Stich zugesetzt.
Otto Stich kann sich hier nicht mehr verteidigen. Deshalb wäre es nicht fair, wenn ich ihn kritisieren würde. Ich habe heute Verständnis für ihn. Mein Vorgänger Leon Schlumpf hatte keine zweite Alpentransversale bauen wollen. Finanzminister Otto Stich hatte keine grösseren Budgetprobleme, die Welt war für ihn in Ordnung. Dann kommt am 1. Januar 1988 dieser Springinsfeld Ogi, dieser ehemalige Skidirektor, ins Amt und will Gotthard und Lötschberg gleichzeitig bauen! Das brachte Stich, der zur Kasse Sorge tragen musste, gegen mich auf. Aber ich konnte nicht anders. Als Verkehrsminister musste ich mir überlegen, wie es in der Schweiz auf Schiene und Strasse in den nächsten 40 bis 50 Jahren weitergehen würde. Zum Glück haben wir das durchgeboxt! Heute wäre das Zeitfenster für beides zu: Finanziell und politisch wäre es unmöglich. Dass Otti sagte, im Bundesrat habe es sechs Bundesräte und einen Skilehrer, wurde vom Volk nicht goutiert. Deshalb musste er mich auch zu einem teuren Znacht einladen und den aus eigenem Sack bezahlen. Gegen den Lötschberg war er sicher, weil er dort oben auf dem Pass einmal eine schlechte Wurst serviert bekam! (Lacht.)

An die Nieren ging sicher auch die Niederlage von Sion 2006 im Olympia-Duell mit Turin. Waren Sie und Ihre Mitstreiter zu korrekt?
Vielleicht. Da sind ja einige Dinge gelaufen zwischen Agnelli, Fiat und einigen Ländern, gegen die wir Schweizer chancenlos waren. Dazu kam, dass die Schweizer IOC-Mitglieder uns zu wenig unterstützten. Ich hatte mich dafür eingesetzt, dass Sepp Blatter Präsident der Fifa wurde und musste später dafür büssen, weil Juan Antonio Samaranch lieber den Schweden Lennart Johansson als Fifa-Präsident gehabt hätte. Und was machte Blatter in Seoul? Drei Tage vor der entscheidenden Abstimmung marschierte er ab, weil er Hillary Clinton an der Frauen-Fussball-WM in New York treffen wollte. Dabei hätte er die Fussballfunktionäre im IOC auf unsere Seite ziehen müssen. Ich bin kein schlechter Verlierer, aber es war ein ungerechter Entscheid. Wir hatten ganz klar die beste Kandidatur. Die Spiele von Turin waren dann auch ein eher trostlose Angelegenheit. An den Skirennen hatte es wenig Zuschauer.

Hat die neuerliche Kandidatur der Schweiz für Olympia eine Chance?
Ich hoffe es!. Olympische Spiele in der Schweiz müssen auch im Interesse des IOC sein. Schauen Sie nur, welche Städte die nächsten beiden Spiele bekommen: Im nächsten Jahr ist Südkorea mit Pyeongchang an der Reihe. In jener Region schwelt der Konflikt mit Nordkorea. Niemand weiss, wie sich das weiterentwickeln wird. Und 2022 folgt Peking. Ich habe dort allerdings noch nie jemanden Ski fahren sehen.

Wie oft sind Sie noch an Sportveranstaltungen?
Ich gehe gerne zu Fussballmatches und Skirennen.. Ich war schon als Bub ein grosser YB-Fan und erlebte die Zeiten, als der Verein in den fünfziger Jahren viermal Meister wurde. Ich wäre auch gerne Fussballer geworden, aber wir hatten in Kandersteg nicht mal einen Fussballplatz!

YB wurde viermal hintereinander Meister – das ist heute unvorstellbar!
YB ist in diesem Jahr wohl noch nicht so weit, aber nächstes Jahr könnte es reichen.

Sie sind Götti des Benefiz-«Race for Life» zugunsten der Krebsliga Schweiz am 3. September in Bern (mehr Infos siehe Link am Ende dieses Interviews). Fahren Sie auch mit?
Ich bin optimistisch. Es hängt noch vom weiteren Heilungsprozess nach meiner Schulteroperation ab, bei der Komplikationen auftraten. Rücken und Knie spüre ich auch. Vielleicht wäre es besser, wenn ich in meinem Alter zeige, wie weise ich geworden bin… Ich wollte auch einmal auf dem Mont Blanc stehen. Heute habe ich mich von diesem Herzenswunsch verabschiedet. Ich werde den Anlass aber sicher mit ganzer Kraft unterstützen! 

Sie haben hier auf dem Tisch einen schönen Kristall aufgestellt. Was bedeutet Ihnen die Welt der Steine und Kristalle?
Die haben in der Familie Ogi immer eine grosse Rolle gespielt. Schon als Kinder gingen wir strahlen und suchten den schönen gelben Kristall, den es bei uns im Gasterntal bei Kandersteg gibt. Kaspar Fahner, der bekannte Strahler aus dem Haslital, drückte mir einen Kristall als Glücksbringer in die Hand, als ich zum Bundesrat gewählt wurde. Als sich UNO-Generalsekretär Kofi Annan 1995 bei seinem Besuch in der Schweiz verabschieden wollte, bat ich meine Mitarbeiter, sie mögen mir das vorbereitete Geschenk für Annan geben. Doch oh Schreck, sie hatten es vergessen! Um einen diplomatischen Affront zu verhindern, griff ich in den Hosensack und nahm meinen Kristall hervor. Ich drückte ihn Annan in die Hand und sagte: «Dieser Kristall ist viel älter als wir. Er brauchte zwei Millionen Jahre, um zu wachsen. Nehmen Sie ihn, er wird Ihnen Glück bringen!» Ein paar Jahre später kommt Annan am Weltkinder-Festival in Basel auf mich zu und zeigt mir den Kristall: «Dolfi, you see what you gave me three years ago?» Dabei strahlte er mit dem Kristall um die Wette.

Als Troubleshooter fühlten Sie sich offenbar wohl.
Ja, man konnte auf mich zählen. Auch beim Besuch von Jiang Zemin, bei dem alles drunter und drüber ging. Zuerst wurde er beim Abendessen in Bern an den falschen Sitzplatz geführt. Dann wurde er sauer, als Frau Bundespräsidentin Ruth Dreyfuss wieder mit den Menschenrechten begann. Er stand auf und sagte: «I’m leaving!» Da packte ich ihn am Arm und drückte ihn, den Chef von über einer Milliarde Chinesen, auf seinen Stuhl zurück: «No, you are not leaving!» Er verlangte nach Papier und Stift und begann chinesische Blumen zu zeichnen, um sich zu beruhigen. Als er fertig war, überreichte ich ihm einen Kristall und sagte: «Listen, I do apologize for the sitting problems – not for the rest! Keep smiling and look at this, it’s my gift, it’s my crystal, take it, it brings you luck, goodwill and all you need in China!» Er beruhigte sich tatsächlich. Die vorzeitige Abreise wäre für unser Land eine Katastrophe gewesen.

Wer sich also beruhigen will, soll also zum Kristall greifen?
Ein Kristall verleiht seinem Besitzer besondere Kraft. Sie müssen jedoch daran glauben. Er macht auch demütig, weil er uns daran erinnert, wie klein wir sind in der unendlichen grossen Geschichte dieses Planeten.

http://www.coopzeitung.ch/Freude+herrscht_+_Dieser+Spruch+ist+spontan+entstanden_ Freude herrscht: «Dieser Spruch ist spontan entstanden»

Das RACE FOR LIFE ist DER Benefiz-Velomarathon für alle, die sich für Krebs betroffene Menschen in der Schweiz engagieren wollen.

Denn Krebs geht uns alle etwas an! Alt-Bundesrat Adolf Ogi weiss wovon er spricht - er verlor seinen Sohn durch Krebs. Deshalb setzt er sich als Botschafter für das Race for Life - Benefiz-Velomarathon ein. Ogi schätzt am Race, dass das Rennen die Begeisterung für Sport mit dem Engagement gegen Krebs verbindet. RACE FOR LIFE findet am 3. September auf dem Bundesplatz in Bern statt. Ob Anfänger, ambitionierter Velofahrer oder Topsportler, jeder setzt sich sein eigenes sportliches Ziel und fährt so schnell, so lange und mit so vielen Pausen, wie er möchte. Auch E-Bikes sind herzlich willkommen!



Sämtliche Spenden fliessen in Projekte der Partnerorganisationen: European Thoracic Oncology Platform (ETOP), International Breast Cancer Study Group (IBCSG), Kinderkrebs Schweiz, Krebsforschung Schweiz, Krebsliga Schweiz, Lungenliga Schweiz, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK), Swiss Cancer Foundation.

www.facebook.com/raceforlife.ch

Jetzt anmelden: www.raceforlife.ch

Die Stiftung «Freude herrscht», im Andenken an Mathias A.Ogi, will Kinder und Jugendliche für Sport und Bewegung begeistern.

Unter dem Vorsitz von Alt-Bundesrat Adolf Ogi will die Stiftung Lebensfreude, Leistungsfähigkeit, Durchhaltewille, Hilfsbereitschaft und Kameradschaft, die Tugenden von Mathias, an kommende Generationen weiter vermitteln.

Sie unterstützt Projekte und Organisationen des Kinder- und Jugendsports sowie Programme zur Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen.

www.freude-herrscht.ch

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Andreas W. Schmid

Redaktor

Text:
Andreas W. Schmid und Reinhold Hönle
Foto:
Peter Mosimann
Veröffentlicht:
Montag 31.07.2017, 06:00 Uhr

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