Gärtnern für Anfänger

Die Gartenpublizistin und Schriftstellerin Sabine Reber macht sich dafür stark, dass jeder Mensch einen eigenen Garten haben sollte - und sei er noch so klein. Doch was tun, wenn man vom Gärtnern keine Ahnung hat?

Die meisten Anfänger wollen zu viel auf einmal. Und dann sind sie überfordert», sagt Sabine Reber. Die 39-jährige Schriftstellerin machte vor über zehn Jahren denselben Fehler. Inspiriert von den Gartenparadiesen ihrer Nachbarn, versuchte sie, aus dem Flecken Land hinter ihrem Haus in Irland das Beste herauszuholen. Sie setzte Tannen, die eines Tages wie auf Kommando umkippten, die Wurzeln von Larven zerfressen. Die Japanischen Azaleen, die im Gartencenter so wunderhübsch ausgesehen hatten, wurden von der steifen Seebrise zerzaust. Das selbst gebaute Gewächshaus begrub, in sich zusammenstürzend, die liebevoll gezogenen Tomatenpflänzchen. Manch einer würde irgendwann resignieren. Sabine Reber nicht: «Das Schöne am Gärtnern ist, wenn etwas schiefgeht, kann man einfach wieder von vorne anfangen.»Genau das tat sie. Die Azaleen ersetzte sie durch Apfelbäume. Da auch diese dem Wind nicht standhielten, pflanzte sie Birken. Sie las alles, was ihr zum Thema Gärtnern in die Hände fiel, guckte über Gartenzäune, sprach mit Nachbarn ... Langsam verwandelte sich das überwucherte Feld in eine grüne Oase. «Ein Garten braucht Zeit zum Wachsen - und man wächst mit.»


Heute ist Sabine Reber eine gefragte Gartenpublizistin. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit schreibt sie Gartenkolumnen und Gartenbücher, leitet Kurse und führt Veranstaltungen aller Art in Gärten durch. Sie trifft immer mal wieder auf Leute, die denken, ein perfekter Garten lasse sich in ein, zwei Tagen aus dem Boden stampfen. «Designergärten, die von Profis angelegt werden, wecken diese Illusion. Das ist absurd. Wer denkt, ein perfekter Garten sei mühelos zu pflegen, ist auf dem Holzweg.»


Gärtnern ist anstrengend. Man holt sich dreckige Hände, zerkratzte Arme und Rückenschmerzen. Und Gärtnern ist aufwendig: «Ich bin eigentlich immer unter Zeitdruck», sagt die berufstätige Mutter der 2-jährigen Jeanne Rose. Ihr Trick: Nur das machen, was wirklich notwendig ist. «Anfänger sind oft übereifrig. Sie giessen oft viel zu viel.» Das tue den meisten Pflanzen gar nicht gut, ebenso wenig wie zu häufiges Schneiden und Düngen. «Ausserdem ist es sinnvoller, jeden Tag kurz im Garten etwas zu machen, als einmal im Monat vor einem Berg Arbeit zu stehen.»
Sabine Reber, die mittlerweile wieder in der Schweiz wohnt, bedauert, dass hierzulande so viel Wert auf «ordentliche Gärten» gelegt wird. Da werde die eigentlich schöne Tätigkeit schnell mal zur Last. Sie höre immer wieder: «Ich muss noch in den Garten!» Dabei solle ein Garten doch Genuss bereiten. «Nicht das Ergebnis ist wichtig. Wichtig ist,dass man etwas tut, das einem Freude bereitet.Man sollte sich auch nicht immer Sorgen machen, ob man Fehler macht, sondern einfach mal ausprobieren.»?

 

Tipps von Sabine Reber

Etiketten lesen. Auf den Schildchen und Verpackungen von Pflanzen stehen die wichtigsten Informationen. Das Verkaufspersonal kann nützliche Ratschläge geben.

Kennenlernen. Pflanzen haben Namen. Und wenn man ihren Namen kennt, findet man viele hilfreiche Informationen darüber, wo eine Pflanze gedeiht und wo nicht, was ihr guttut, und was ihr schadet. Manche Pflanzen mögen trockene Böden, andere feuchte, manche brauchen Sonne, andere Schatten ...

Den Boden bereiten. Basis für eine grüne Oase ist ein guter Boden. Es empfiehlt sich also, dem Ganzen auf den Grund zu gehen: Das Erdreich darf nicht zu sehr verdichtet sein. Eine Schneckenplage kann ein Zeichen dafür sein, dass der Boden fault.

Weniger ist mehr. Nicht allzu oft giessen. Besser einmal viel und dann warten, bis die Erde trocken ist. Wobei natürlich das Wetter und die Bodenbeschaffenheit beachtet werden müssen. Nur gezielt düngen. Die Pflanzen nur schneiden, wenn es wirklich nötig ist.

Der Blick aufs grosse Ganze. Ein Garten ist mehr als die Summe einzelner Elemente. Es macht Sinn, ihn ganzheitlich zu betrachten. In einem gesunden Garten findet man diverse Insekten, Schnecken und andere Tiere, Kulturpflanzen und Wildpflanzen. Mit Gift das auszumerzen, was einen stört, zerstört das Zusammenspiel.

Lust statt Frust. Gartenarbeit ist anstrengend, sie soll aber nicht zur Last werden. Wer kann, sollte sie in kleine Häppchen einteilen. In der Erde wühlen, Pflanzen setzen, ernten und ausrupfen kann sehr lustvoll sein. Nicht vergessen: Sich auch mal hinsetzen und sich an dem grünen Wunder erfreuen!

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Anna Bähler

ehemalige Redaktorin

Foto:
Philipp Zinniker
Veröffentlicht:
Montag 18.07.2011, 12:04 Uhr

Mehr zum Thema:

Alle Artikel zum Thema Garten
Sabines Gartenblog

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

Die neuesten Kommentare zum Thema Garten:

Veronica antwortet vor 2 Monaten
Farbenfroh: Zyklamen gemischt
Meine Physalis ist dieses Jahr ... 
Theresa Kaufmann antwortet vor 2 Monaten
Winzerfreuden: Der ganz private Rebberg
@Thomas Weiss: Wenn Trauben fü ... 
Lisa Walder antwortet vor 2 Monaten
Balkonobst: Fruchtig süsse Zeit
Wie gross müssen die Töpfe min ... 


Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?