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Silvan Grütter
schreibt am 31.10.2017


Generationenwechsel

Wenn ich an meine Grosseltern denke, dann denke ich an warme Rosinenschnitten, Nachmittage im Bastelraum, heimlich zugesteckte Zehnernötli und Bettmümpfeli für die Heimfahrt.

Man sah sich zu Weihnachten und Geburtstagen, meine Grosseltern waren einfach da, sie waren die Eltern meiner Eltern –aber leider auch nicht viel mehr. Zwischen ihnen und mir lag die halbe Schweiz – und vielleicht auch der Geist der damaligen Zeit: Die 70er-Jahre waren geprägt vom gesellschaftlichen Auf- und Umbruch: Junge Eltern waren froh, den Zwängen ihrer Elternhäuser entkommen zu sein. Das Letzte, was sie wollten, war die Wiederholung der Erziehungsgeschichte und der grosselterliche Einfluss auf ihre eigenen Kinder.

Das ist heute – zum Glück – ein bisschen anders. Die Familien wachsen wieder zusammen. Auch aus ganz pragmatischen Gründen. Der Anteil berufstätiger Mütter in der Schweiz hat sich seit den 1980er-Jahren fast verdreifacht. Das bedingt auch neue Betreuungsmodelle, Grossmütter und Grossväter sind wieder gefragt. Manchmal sogar mehr, als ihnen lieb ist, wie die Recherchen meines Kollegen Basile Weber zeigen: Die 60-jährige Marie-Madeleine Knuchel ist voll berufstätig und hütet ihre Enkelkinder regelmässig über Nacht. «Es ist schwierig und ich bin sehr müde», gibt sie offen zu. Ihr Wunsch: «Ich möchte für meine Enkelkinder Grossmutter sein – und nicht Ersatz-Mutter».
Wie der anspruchsvolle Spagat gelingt, lesen Sie in unserer Titelgeschichte. Ich wünsche Ihnen viel Spass.


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