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«Erstens sind die Oberländer und wir Berner, und wenn jemand Rock macht, dass sind wir es!» – «Schöre» Müller zum Verhältnis zwischen Span und Rumpelstilz.



Georges «Schöre» Müller: «Wir waren blauäugige Pioniere»

Persönlich.  Span-Sänger «Schöre» Müller über das neue Album «Rock'n'Roll Härz», seine Vergangenheit als Bewohner einer Musikerkommune und die Frage, wer ihn erfunden hat – den Mundartrock.

Coopzeitung: Das neue Album «Rock'n'Roll Härz» klingt, als hätte Span der Ehrgeiz gepackt, dass man die Band in Zukunft nicht mehr nur auf «Louenesee» reduziert.
«Schöre» Müller:  Das wäre schön! Wir sind jedoch nicht mit dieser Ambition an die Sache herangegangen, sondern haben unbeschwert das getan, was wir immer machen: musizieren, spüren, kreieren, ausprobieren. 

Weshalb sind seit der letzten CD sieben Jahre verstrichen?
Nach «BE-STOFF SPAN» hat uns Schlagzeuger Matthias Kohli verlassen. Als wir 2009 in Matthias Nydegger einen jungen Typen gefunden hatten, der wunderbar zu uns passt, spielten wir uns erst in Ruhe ein. Und das hat sich gelohnt: Wir wurden für diese Songs von Universal Music mit unserem ersten Künstlervertrag seit 30 Jahren belohnt.

Welche Möglichkeiten eröffnete Ihnen der Branchenleader? 
Universal vermittelte uns Sina-Produzent Pele Loriano, mit dem wir ein Album machen konnten, das nach 2013 klingt, aber unverfälscht enthält, was Span ausmacht. Damit können wir zeigen, dass wir mit 40 Jahren vermutlich die älteste Rockband der Schweiz sind, aber noch längst keine «alten Säcke». 

Was macht Span aus?
Wir sind ein Relikt aus einer anderen Zeit, nicht ein Star mit Nebendarstellern, sondern ein richtige Band wie früher die Beatles oder die Kinks. Wir haben ja immer den basisdemokratischen Grundgedanken gelebt – ab 1972 sogar neun Jahre lang als Musikerkommune in einem Bauernhof auf der Hämlismatt, den wir für 335 Franken mieten konnten. Das war ein gelebter Traum. Unser Ziel war, Musik zu machen und nichts mit dem Establishment zu tun zu haben. 

Weshalb haben Sie die Hämlismatt dann aufgegeben?
Als wir dorthin zogen, hatte ich gerade meinem Vater zuliebe meine KV-Lehre beendet und wie der Rest der Band keinen festen Job – ausser «Stöffu» Kohli, der uns anfangs als Fotolithograf über Wasser hielt. Unter unseren vielen Gästen waren auch Rumpelstilz, die bei uns für die Aufnahme ihrer ersten LP «Vogelfueter» probten. An diese Tage erinnerte sich wohl auch Polo Hofer, als er uns 1978 anfragte, ob wir ihn musikalisch begleiten möchten. Als «Polos Schmetterding» machten wir vier Alben zusammen. 

Wer von Ihnen hat ihn nun erfunden, den Mundartrock, Span oder Rumpelstilz?
In Sachen deutsche Texte war Udo Lindenberg für mich der grosse Held und Pionier. Wir gingen auch an die Konzerte von Rumpelstilz, aber das war definitiv keine Rockband! Die haben komplizierte Jazz-Rhythmen gespielt und neben englischen Coverversionen zwischendurch mal ein Mundartlied. Nach den Hits «Teddybär» und «Kiosk» wurden sie plötzlich als «die Berner Rockband Rumpelstilz» bezeichnet. Da sagten wir: «Erstens sind die Oberländer und wir Berner, und wenn jemand Rock macht, dann sind wir es!» Als Antwort darauf haben wir die Single «Bärner Rock» gemacht. Wir nehmen für uns nicht in Anspruch, die alleinigen Erfinder zu sein. Wir gehören jedoch sicher dazu.

Ärgert es Sie nicht, dass Polo in der Öffentlichkeit fast alle Meriten erntet?
Ich will nicht jammern. Das ist nicht Polos Fehler, sondern das Resultat seiner Persönlichkeit. Wir waren blauäugige Pioniere, während er immer wusste, dass er von der Musik gut leben will und nicht nur zufällig mit den richtigen Leuten abgehangen ist. Er ist er und wir machen unser Ding.

Wie ist die eingängige aktuelle Single «Rosegarte» entstanden?
Der Text, der eine berührende Geschichte erzählt, stammt von unserem Haupt-sänger Christoph «Stöffu» Kohli, die Komposition von meinem Bruder Stefan W. Müller. Dank der Unterstützung von Pele, der dem Lied den letzten Schliff gegeben und das Intro beigesteuert hat, ist es ein richtiger Ohrwurm geworden.

«

Mittlerweile sind, glaube ich, alle einigermassen stolz auf ‹Louenesee›.»

Mit «Gäng Online» haben Sie auch noch einen potenziellen Sommerhit auf der CD.
Der ist nicht ganz ohne Berechnung entstanden. Als wir unsere Lieder mit unserem Produzenten geprobt hatten, meinte er: «Schön, nun fehlt nur noch der Hit!» Stefan spielte ihm dann eine Melodie vor, Pele übernahm die Idee, und «Stöffu» schrieb dann innerhalb von 24 Stunden den Text. Als Span-Song ist er für Kenner vielleicht grenzwertig, aber das Lied fägt und die Leute mögen es, da es eine unbeschwerte Stimmung verbreitet.

Möchten Sie manchmal gerne vor Ihrem Lied «Louenesee» flüchten, das bekannter ist als Span selber?
Ich persönlich hatte nie Mühe mit dieser Ballade, die ich geschrieben habe und auch singe. Andere in der Band eher. Schliesslich sind wir eine Rockband und ausgerechnet dieses Heimatlied im 6/8-Takt wurde unser grösster Erfolg! Henu. Mittlerweile sind, glaube ich, alle einigermassen stolz darauf. Wenn ich daran denke, dass in Lauenen bald ein Konzert stattfindet, wo wir eine Auszeichnung bekommen werden, wird mir schon etwas warm ums Herz.

Georges «Schöre» Müller

Beruf: Musiker, Sänger und Songschreiber
Geburtsdatum: 24. Februar 1954
Zivilstand: verheiratet, ein Sohn (Levin)
Wohnort: Biel
Laufbahn: Von der 1972 gegründeten Urformation Grünspan sind Gitarrist «Schöre» Müller und Bassist «Stöffu» Kohli, die beiden Sänger, bis heute bei der Band, die sich seit 1975 Span nennt. 1978–82 Intermezzo als Polos Schmetterding.
Aktuell: CD: «Rock’n’Roll Härz», TV: 27. Juni «Aeschbacher» (SRF 1, 22.20 Uhr), Live: 29. Juni Stadtfest Luzern (17.30 Uhr) und Eggiwil Geisshaldenalp (23 Uhr), 10.8. Lauenen (bei Gstaad).

Video aus dem Jahre 1983: Louenesee (live)

Quelle: YouTube

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?

Keith Richards – Biographie, Das Lied von Feuer und Eis.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Siddhartha

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Mahathma Ghandi.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Der Hobbit - Eine unerwartete Reise

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Cinema Paradiso oder Avatar.

Ihr Lieblings-Filmheld?
Clint Eastwood, Bruce Willis

Was für Musik hören Sie gerade?
J.J. Cale und Eric Clapton

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Chicken Skin Music, Ry Cooder

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Keith Richards, Dickey Betts (Almann Brothers)

Was kochen Sie selbst?
Pasta, Asian Wok

Ihre Lieblingsspeise?
Ein schönes Stück Fleisch und Salat

Ihr Lieblingsgetränk?
Cola Light, Kaffee

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meiner Frau Lou

Und wo essen Sie am liebsten?
In einer speziellen Ambiance, zum Beispiel am See oder auf einem Berg.

Mac oder PC?
Beide

Auto oder Zug?
Auto

Wein oder Bier?
Wein

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
Berge

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Gestern, beim Zwiebeln schälen

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Mit Situationskomik oder einem witzigen Versprecher

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Adler

Wovon träumen Sie?
Wenn ich das wüsste …

Was ist für Sie das grösste Glück?
Gesundheit, Musik, meine Frau Lou, mein Sohn Levin und gute Freunde zu haben.

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Philipp Zinniker
Veröffentlicht:
Freitag 28.06.2013, 09:34 Uhr

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