Gestörtes Glück

Sie: Schneider hat mal gelesen, dass Ferien planen glücklich macht. Weil er gern glücklich ist, träumt er vom Winter in Lappland oder doch lieber in Kapstadt. Von kleinen Fluchten ans Meer, von grösseren bis nach Neuseeland. Manchmal nervt das. So oft können wir nie wegfahren, wie er Ideen hat. Abgesehen davon tuckern wir meistens sowieso nur zu unserer Verwandtschaft nach Italien oder München. 

 
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Was er aber auch gelesen hat: Ferien zu machen erfüllt einen nicht in gleichem Masse mit Glück, wie Ferien zu planen. Die Vorfreude ist meistens grösser als das kleine Hotelzimmer mit der durchgelegenen Matratze. 

«

Sie will lieber hier bleiben. Alleine.»

Darüber bin ich froh. Denn planen kostet nichts, verreisen aber schon. Umso mehr, wenn man Kinder hat. «Wir könnten doch wieder nach Sardinien im Herbst», schlägt Schneider beim Abendessen vor. Und weil er weiss, wie ich denke, fügt er an: «Mit dem Zelt. Das sind extrem billige Ferien.» Gerade will ich sagen, dass die Fähre eher teuer sei, aber ich schon Lust hätte, denn ich liebe es, wenn wir vier mit Zelt, Bus und Hund unterwegs sind ... – als unsere grössere Tochter trocken meint: «Ich finde das eine tolle Idee. Aber wisst ihr, ich würde gern hier bleiben. Alleine.»

Er: Als die Kinder im Bett sind, seufzt Schreiber: «Eben noch war Alma unsere Zaubermaus. Und jetzt ist sie schon so gross, dass sie nicht mehr mit uns in die Ferien will.» Auch ich seufze. Alle hatten recht, die sagten: «Eines Tages wacht ihr auf und eure Kinder sind erwachsen.» Ich kann mich an unsere erste Reise nach Sardinien erinnern, als wärs gestern gewesen: Alma war vier Monate alt, ich trug sie stolz über das Deck der Fähre und die Matrosen gratulierten mir. Was waren wir glücklich.

«

… als wärs gestern gewesen.»

Deshalb hatte ich mit lautem Jubel gerechnet, wenn ich vorschlage, diesen Herbst wieder auf unsere Lieblingsinsel zu reisen. Und auf keinen Fall damit, dass sich unsere Ältere von vorneherein abmeldet. «Nun ja, sie ist bald 15», sagt Schreiber. «Kein Grund, nicht mit uns in die Ferien zu kommen.» «Ich bin mit 14 alleine nach Rom», antwortet sie. «Ja, und das war unverantwortlich von deinen Eltern! Dass du das ja nie unseren Kindern erzählst!» «Die Zeit läuft. Besser, du gewöhnst dich daran», sagt Schreiber, «aber es ist ja sowieso die Reiseplanung, die dir Freude macht. Also, überleg dir doch mal, wohin wir beide fahren könnten, wenn auch unser zweites Mädel nicht mehr mit uns in die Ferien will.»

 (Coopzeitung Nr. 39/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 21.09.2015, 18:57 Uhr

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