Getrennte Wege

Schreiber: Wir wandern mit unseren zwei Kindern auf die Läntahütte. Wunderschön! Und herrlich, nach einem Tag auf den Beinen den Abend in einer gemütlichen Berghütte zu verbringen, inklusive Suppe und Gesellschaftsspiel. Ich habe eins mitgenommen, ein kleines, handliches, kniffliges Würfelspiel, das wir seit Langem nicht mehr gespielt haben. Als ich Würfel und Spielkarten verteile, sehe ich, dass etwas fehlt. Die Spielanleitung. Umso besser, denn beim Lesen von Spielanleitungen bekommen Schneider und ich meistens Streit. «Kein Problem», sage ich, «ich weiss noch, wie es geht.»

«

Kein Problem, ich weiss noch, wie es geht.»

Wenn die nur nicht uns herumschmeissen und liegen lassen, denke ich. Die Typen sehen so aus, als würden sie keiner Schlägerei aus dem Weg gehen. Ich will Schreiber am Arm ziehen, um hier rasch vorbeizukommen, als sie sich plötzlich vor der Runde aufbaut und freundlich, aber deutlich sagt: «Toll, dass ihr unter freiem Himmel feiert, aber gell, ihr räumt dann schon alles wieder auf. Es soll doch schön bleiben hier im Wald. Viel Spass!» 

Schneider: Schreiber ist unerschütterlich. Sie breitet ein Spiel auf dem Tisch der Berghütte aus, hat aber nicht daran gedacht, dass jeder einen Stift braucht. Und die Anleitung hat sie grad auch noch vergessen. Spontan erfindet sie das Spiel nun neu. Fantasie kann ja auch eine gute Eigenschaft sein. Und ich staune, dass sie sich selbst glaubt. Aber hier geht es um Regeln. Und ich erinnere mich genau, wie wir das Spiel früher gespielt haben. Also greife ich ein, bevor Schreibers «sooo gemütlicher» Spielabend komplett bachab geht und schlage eine Testspielrunde mit meinen, also den richtigen, Regeln vor.

«

Nur, was bringt es mir, wenn ich rechter habe?»

Schreiber willigt zögernd ein, doch bereits beim ersten Zug schwafelt sie etwas von: «Man muss doch rückwärts rechnen, wenn man Blau hat». Das fängt ja gut an, denn sie kann nicht mal vorwärts rechnen, selbst wenn sie … ach was! Egal. Und mir schwant, dass wir uns grad in einem ganz anderen Spiel befinden. Es heisst: «Wer von uns hat rechter?» Ich, natürlich, aber das bekommt sie nicht mit, denn plötzlich stürmt sie aus der Stube und ruft: «Ich wollte nur spielen. Nicht streiten.» Na, spielen können wir zu dritt ohnehin viel besser. Nur, was bringt es mir jetzt, dass ich rechter habe?

 (Coopzeitung Nr. 38/2014)

Was meinen Sie? Sind Gesellschaftsspiele beziehungstauglich? Oder sind sie Beziehungskiller?

Sybil und Steven im Duell. Wer hat die besseren Argumente? Stimmen Sie hier ab.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 15.09.2014, 12:13 Uhr

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