Ein bisschen Stretching schadet nicht: Giulia Steingruber in ihrem Reich, der mit Turngeräten vollgestopften Jubiläumshalle in Magglingen.

Giulia Steingruber: «Freue mich aufs Eidgenössische»

Turn-Europameisterin Giulia Steingruber über das Eidgenössische Turnfest, das Verhältnis zu ihrem TV Gossau, den Abbruch der Schule und ihre weiteren Karriereziele.

Coopzeitung: Bronze an der EM im letzten Jahr, dieses Jahr sogar Gold. Was haben Sie an einem Eidgenössischen Turnfest verloren?
Giulia Steingruber: Viel! Das findet ja nur etwa alle sechs Jahre statt. Ich finde es mega cool, dass ich da auch mitmachen kann, denn ich be-streite ja nur noch wenige Wettkämpfe in der Schweiz. Hier haben wir die Möglichkeit, uns und unseren Sport mal im eigenen Land zu präsentieren. Ich freue mich.

Dafür sind Sie motiviert?
Klar, ich bin für jeden Wettkampf motiviert. Und zu gewinnen wäre super, dann bekäme ich ein hübsches Kränzchen auf den Kopf.

Sie gehören dem TV Gossau an. Sehen Sie die Leute noch dann und wann?
Ja, der TV Gossau ist mein Stammverein, die Mitglieder unterstützen mich und es ist immer sehr  schön, wenn wir von grösseren Anlässen nach Hause kommen: Da gibt es am Flughafen oft einen grösseren Empfang, und der TV Gossau war bis jetzt immer dabei – das ist wunderschön.

Der TV Gossau geht auch ans Eidgenössische.
Ja, da freue ich mich mega, denn nach dem Fest wird der Verein zu Hause von der
Gemeinde und andern Vereinen empfangen.

Da werden Sie dabei sein?
Ja, klar – gleichzeitig wird auch noch meine EM-Goldmedaille gefeiert.

Für viele Leute in Ihrem Alter ist ein Verein auch wichtig als soziales Umfeld. Welche Leute sind Ihnen wichtig?
Vor allem natürlich meine Eltern. Ich ging mit 14 von zu Hause weg nach Magglingen. Hier wohnen wir zwar in Gastfamilien, die sich sehr um uns kümmern – aber die Eltern können Sie natürlich nicht ersetzen. Deshalb gehe ich immer am Wochenende nach Hause nach St. Gallen. Auch die Trainer, die ich jeden Tag sehe, sind wichtig, meine Mannschaftskolleginnen und natürlich meine Freunde und Freudinnen.

Haben Sie denn Zeit, einen Freundeskreis zu pflegen?
Ja, klar, und das ist mir auch sehr wichtig, weil ich dann nicht die Turnerin Giulia bin, sondern die ganz normale Kollegin.

Ihr letztes Interview gaben Sie der Coopzeitung vor eineinhalb Jahren. Was ist – abgesehen von Ihren sportlichen Erfolgen – in der Zwischenzeit passiert?
Das Wichtigste ist wohl: Im Februar 2012 habe ich mit der Handelsmittelschule aufgehört, um mich optimal auf die Olympischen Spiele vorbereiten zu können. Damit habe ich mich sehr schwer getan, weil mir eine gute schulische Ausbildung eigentlich sehr wichtig ist. Aber heutzutage kann man ja in Bezug auf die Ausbildung vieles nachholen, auch im Erwachsenenalter: eine Matur, eine berufliche Ausbildung, eine Lehre. Ich bin sicher, dass wir für mich eine ideale Lösung finden werden.

«

Ich wüsste keine Sportart, die ich meinen Kindern verbieten würde.»

Hat diese Konzentration auf den Sport leistungsmässig etwas gebracht?
Ja, sicher. Mir fiel eine grosse Last von den Schultern. Ich bin erholter, weil ich mir mehr Zeit nehmen kann für die Physio oder das mentale Training – immerhin stehen wir zum Teil 30 Stunden pro Woche in der Halle.

Es gibt Eltern, die sagen, du kannst in Sachen Sport alles machen, nur nicht Kunstturnen. Können Sie das nachvollziehen?
Ja  … auf eine Art schon. Früher, als ich noch zu Hause wohnte, fuhren die Eltern mit mir in der ganzen Schweiz herum. Sie haben für mich so viel gemacht und mussten dafür zurückstecken. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich trainierte ja zwei, drei Mal in der Woche in Zürich oder im Aargauischen und sie mussten mich immer fahren und dann drei bis vier Stunden warten, bis das Training zu Ende war.

Ich dachte eher an ein Verbot angesichts der gesundheitlichen Spätfolgen des Sports.
Gut, ein Verletzungsrisiko gibt es in fast in allen Sportarten; selbst beim Schachspielen kann man vom Stuhl fallen. Aber Sie haben schon recht: Kunstturnen ist für den Bewegungsapparat eine starke Belastung, aber daran denke ich jetzt nicht; darf ich auch nicht denken, sonst bin ich nicht mehr mit dem ganzen Elan dabei.

Welche Sportart würden Sie Ihren Kindern verbieten?
Als Eltern hat man wohl immer etwas mehr Angst als das Kind selber, aber ich wüsste im Moment keine. Ich würde sie ausprobieren lassen, und wenn sie sich entschieden haben, würde ich sie so gut wie möglich unterstützen.

Was würden Sie machen, wenn Sie nicht turnen würden?
Ouu  ... ich müsste sicher einen Sport machen, sonst wäre ich viel zu hibbelig. Ich muss mich einfach bewegen können. Vielleicht eine Kampfsportart oder Tanzen.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft?
Das Fernziel ist Olympia 2016 in Rio, und bis dann gibt es jedes Jahr eine EM und eine WM. 2016 ist die EM in Bern – das wird noch einmal ein riesen Highlight, und ich hoffe, dass ich zumindest noch diese drei Jahre gesund durchkomme und Spass habe.

Keine Motivationsprobleme?
Klar habe ich ab und zu kleinere Motivationslücken. Aber dann denke ich daran, wie viel Schönes ich dank des Sports erleben darf.

Giulia Steingruber

Beruf: Kunstturnerin
Geboren: 24. März 1994 in Gossau SG
Wohnorte: St. Gallen/Biel-Magglingen BE
Zivilstand: ledig
Grösste Erfolge: 2013: EM-Gold im Pferdsprung, 6. am Boden, 4. im Mehrkampf; 2012: EM-Bronze im Pferdsprung, 9. im Sprung und 14. im Mehrkampf bei den Olympischen Spielen, 4-fache Schweizer Meisterin; 2011: WM-5. im Sprung; 5-fache Schweizer Meisterin.
Aktuell: Eidgenössisches Turnfest in Biel vom 13. bis 23. Juni

Weitere Informationen auf der Internetseite von Giulia Steingruber
Weitere Informationen zum Eidgenössischen Turnfest 2013

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?

«Bis zum letzten Tag» von Nicolas Sparks

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?

Roger Federer, seine Bodenständigkeit ist bewundernswert.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

Pitch Perfect

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?

Tanzfilme wie «Honey» oder «Street Dance»

Ihr Lieblings-Filmheld?

Channing Tatum

Was für Musik hören Sie gerade?

Pop, R’n‘B

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?

Nee, ich nehme mein iPhone mit, da sind «meine» Lieder dabei.

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?

Justin Timberlake

Was kochen Sie selbst?

Salat. :P

Ihre Lieblingsspeise?

Pizza und Omelette

Ihr Lieblingsgetränk?

Mineralwasser

Mit wem essen Sie am liebsten?

Mit meinen Eltern, Kaj und Freunden.

Und wo essen Sie am liebsten?

Zuhause ist es am besten.

Mac oder PC?

Mac

Auto oder Zug?

Auto

Wein oder Bier?

Wenn überhaupt, dann einen spritzigen Weisswein

Pasta oder Fondue?

Fondue

Joggen oder Walken?

Joggen

Berge oder Meer?

Je nach Saison – im Winter liebe ich die Berge, im Sommer Relaxen am Meer

Wann haben Sie zuletzt geweint?

Als ich Europameisterin wurde

Wie bringt man Sie zum Lachen?

Es ist ziemlich einfach mich zum Lachen zu bringen. Ich lache viel und gerne!

Welches Tier wären Sie am liebsten?

Schneetiger

Wovon träumen Sie?

Ich habe viele «Träume», welche davon in Erfüllung gehen, wird die Zeit zeigen.

Was ist für Sie das grösste Glück?

Gesundheit

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Joel Schweizer
Veröffentlicht:
Montag 03.06.2013, 14:43 Uhr

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