Giulia Steingruber: «Ich bin kein IT-Girl»

Sie hat sich an die Spitze geturnt – in der Schweiz, in Europa und jetzt mit Olympia 2016 im Blick. Doch Starallüren kennt sie keine.

Erfolgreich – dies trifft auf die Frohnatur aus Gossau SG vollumfänglich zu. Bereits dreimal Gold an Europameisterschaften, Schweizer Sportlerin des Jahres 2013, und nun die beeindruckende Leistung an der Weltmeisterschaft in Glasgow (die Finals am Sprung und Boden mit Giulia Steingruber fanden nach Redaktionsschluss statt). Dieses Wochenende ist Giulia Steingruber (21) am Swiss Cup im Zürcher Hallenstadion zu erleben.

Giulia Steingruber hat allen Grund, Luftsprünge zu machen.

Giulia Steingruber hat allen Grund, Luftsprünge zu machen.
Giulia Steingruber hat allen Grund, Luftsprünge zu machen.

Sie sind derzeit die erfolgreichste und bekannteste Schweizer Kunstturnerin – es läuft bei Ihnen!
Sicherlich! Dennoch: Von nichts kommt nichts. Ich bin eher selbstkritisch, und habe ich ein gewisses Ziel erreicht, möchte ich als Athletin immer noch mehr. Klar geniesse ich den Erfolg, aber auf den Lorbeeren ausruhen ist bei mir nicht. Ich fokussiere mich stets auf den nächsten Wettkampf.

Ihre Rede: Wenn man über 2000 Stunden pro Jahr trainiert, kommt der Erfolg von alleine. Gerade nichts ist das aber nicht. Wie meinen Sie das?
Je mehr man in etwas investiert, desto eher zahlt es sich auch aus. Dazu kommen ein starker Wille, wenig Verletzungszeit, ein gutes Umfeld sowie die nötige Prise Glück.

Seit Sie sieben Jahre alt sind, lieben und leben Sie das Kunstturnen. Das ist eher spät für die Kunstturnszene, oder?
Stimmt. Normalerweise fängt man mit vier oder fünf Jahren damit an, da die Beweglichkeit und die Formung des Körpers sich in diesem Alter ideal entwickeln können.

Der Schutzengel: ein Geschenk ihrer Mutter.

Der Schutzengel: ein Geschenk ihrer Mutter.
Der Schutzengel: ein Geschenk ihrer Mutter.

Was hat Sie daran gehindert, früher damit anzufangen?
Ich kannte es nicht! Meine Nachbarin turnte bereits im Kunstturnverein, und als ich sie im Garten rumhüpfen sah, wollte ich das auch. Meine Eltern kommen beide aus der Sparte Fussball und das Kunstturnen war somit nicht schon von klein auf ein Thema bei uns.

Kunstturnen ist in erster Linie ein Einzelsport. Für Fehler müssen Sie sich selbst zur Rechenschaft ziehen. Wie meistern Sie diesen Leistungsdruck?
Je besser man ist, desto mehr Selbstvertrauen kriegt man. Da meine Eltern mich wenn immer möglich begleiten, gehe ich nach den Wettkämpfen jeweils zu ihnen. So können wir uns gegenseitig freuen oder sie helfen mir, mit Enttäuschungen fertig zu werden. Mentaltraining unterstützt den Prozess, nach einem schlechten Wettkampf direkt wieder nach vorne zu blicken und den nächsten in Angriff zu nehmen.

Mit dem Erfolg steigt auch das Interesse an Ihrer Person. Wie gehen Sie mit diesem Interesse um?
Ich habe viel mit meinen Eltern darüber gesprochen, was ich von mir selbst preisgebe und was privat bleibt. In erster Linie möchte ich, dass mich die Leute als Sportlerin wahrnehmen und nicht als It-Girl. Ganz an den Rummel werde ich mich aber wohl nie gewöhnen. Positive Seiten für die Sportart hat dieses Interesse auf jeden Fall.

Symbolisch: Geldnote aus Rio.

Symbolisch: Geldnote aus Rio.
Symbolisch: Geldnote aus Rio.

Die da wären?
So gewinnt diese an Popularität und motiviert Junge dazu, sich den Turnverbänden anzuschliessen.

Auf Ihrer Webseite sind einige persönliche Gegenstände zu sehen, unter anderem ein Engelanhänger und ein brasilianischer Geldschein. Was hat es damit auf sich?
Den Anhänger habe ich von meiner Mama geschenkt bekommen. Sie wollte mir damit einen Schutzengel mitgeben. Der Engel hängt an meinem Reckledersäckli und kommt so an jeden Wettkampf mit. Den Geldschein erhielt ich vom Chef meines Vaters, nach den Olympischen Spielen 2012 als Ansporn für Rio 2016. Eine Olympiamedaille im Sprung wäre mein grösster Traum.

Bereits am 8. November findet in Zürich der Swiss Cup statt. Wie sieht Ihre Vorbereitung aus?
Wir kommen direkt von der WM in Glasgow zurück. Es folgen Events wie der «Giulia Kids Day» und dann bleiben zwei Tage fürs Training, bevor der Swiss Cup ansteht. Dank der Routine klappt das. Die Übungen stehen bereits.

An solchen Anlässen fällt auf, dass die Turnerinnen schöne Frisuren tragen, geschminkt sind und sich gegenseitig mit glitzernden Kleidern übertrumpfen. Wer ist bei Ihnen für das Outfit zuständig?
Frisur und Make-up übernehm ich selbst. Das Schminken ist für mich vor dem Wettkampf ein Moment, den ich ganz allein für mich habe. Die Dresses für die Meisterschaften werden vom Nationalteam ausgesucht. Für die Einzelwettkämpfe suche ich die Kostüme selbst aus. Die Outfits werden auf Foren unter den Mädchen jeweils stark diskutiert. Das mitzuverfolgen ist spannend.

Giulias Sprung an den Europäischen Spielen in Baku

Ihre Übung am Barren

Am Schwebebalken

Vier Daten im Leben von Giulia Steingruber

1994 Sie kommt am 24. März in Gossau SG zur Welt.
2012 Bei den Olympischen Spielen in London ist sie die Jüngste im CH-Team.
2013 Europameisterin im Sprung, Wahl zur Schweizer Sportlerin des Jahres.
2015 Gold im Mehrkampf an der Europameisterschaft in Montpellier (F).

Offizielle Webseite von Giulia Steingruber

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Loredana Steiner

Mediamatikerin / Onlineredaktion

Foto:
Barbara Sigg
Veröffentlicht:
Montag 02.11.2015, 18:01 Uhr

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