Fahrt gelungen, sicher am Ziel und am Schluss Rang 2 für Lindsey Vonn in der Abfahrt vom 19. Januar 2018 in Cortina d’Ampezzo.

Goldlady Lindsey Vonn

Lindsey Vonn will zuerst eine Olympiamedaille gewinnen und sich danach einen alten Rekord vorknöpfen.

Lindsey Vonn darf auswählen: Englisch oder Deutsch. Sie entscheidet sich für das Zweite und zieht das im Interview – abgesehen von einem kurzen Rückfall in ihre Muttersprache – auch konsequent durch. Die 33-jährige Amerikanerin ist die schillerndste Figur im Skizirkus der Frauen, sie sorgt für besonders viel Gesprächsstoff: durch wechselnde Liebschaften (unter anderem mit Golfprofi Tiger Woods), klare Meinungs-äusserungen gegenüber dem US-Präsidenten oder mit der  hartnäckigen Idee, sich auf den Ski mit dem sogenannt starken Geschlecht messen zu dürfen.

Lindsey Vonn, wenn Sie endlich bei den Männern starten dürften – auf welchem Platz würden Sie landen?
(Überlegt lange.) Mmmhh …Im Tennis beispielsweise spielt die Power eine wichtigere Rolle als beim Skifahren, deshalb sind die Männer dort auch so krass überlegen. Bei uns hingegen kommt es in der Abfahrt auf vielen Strecken genauso aufs Feingefühl an. In Lake Louise fahren wir praktisch auf derselben Strecke. Da hätte ich eine gute Chance, um mitzuhalten.

Dann würden Sie mit einem Platz in den Top Ten rechnen?
Wenn ich mit unseren Jungs oder den Norwegern trainiere, bin ich vorne dabei. Ich möchte es jedoch gerne einmal genauer wissen.

Wie wäre es, wenn nicht nur Vonn gegen die Männer, sondern jede gegen jeden kämpfen würde? So wie im Pferdesport, wo das Geschlecht des Reiters keine Rolle spielt.
Eine gute Idee! Die besten 30 Frauen der Welt gegen die besten 30 Männer. Das wäre doch eine Supersache. Viele Männer zeigen sehr viel Verständnis für meinen Wunsch. Kjetil Jansrud zum Beispiel. Okay, es gibt auch solche, die nicht viel damit anfangen können. Ich glaube, für den Skisport wäre es eine tolle Sache, die viel Aufmerksamkeit erzeugen würde. Der US-Skiverband steht voll hinter mir und unterstützt einen solchen Vergleich …

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Ich hätte eine gute Chance, um bei den Männern mitzuhalten. »

… der Internationale Ski-Verband hingegen nicht.
Nein, das tut er nicht. Bis jetzt. Leider. Die Entscheidung fällt im Frühling. Vielleicht muss ich selber etwas auf die Beine stellen.

Sie sind derzeit in einem viel beachteten Werbespot für den Fernsehsender NBC zu sehen. 60 Sekunden, in denen Ihr Leben von den Anfängen auf den Ski bis zu den grössten Siegen mitsamt den schlimmsten Stürzen gezeigt wird. Was löst der Film in Ihnen aus, wenn Sie ihn sehen?
Grosse Emotionen. Er macht mich traurig, weil mein Grossvater nicht mehr dabei ist und mir nicht mehr beim Skifahren zuschauen kann. Er ist im vergangenen Jahr gestorben. Opa brachte mir das Skifahren bei. Zugleich bin ich happy, weil ich damit viele gute Erinnerungen verbinde. Stolz machen mich die Bilder von meinen Siegen, denn das ist nicht selbstverständlich nach den schlimmen Verletzungen. Die Stürze schmerzen mich nicht unbedingt, umso mehr aber die Bilder der Reha. Diese verlangte mir körperlich und psychisch alles ab.

Vor vier Jahren in Sotschi fehlten Sie wegen einer solchen Verletzung. Nun zählen Sie an den Olympischen Winterspielen in Südkorea zu den Favoritinnen. Wie viele Medaillen sollen es werden?
Ich fahre in der Abfahrt, im Super-G und in der Kombination mit. Ich rechne mir überall etwas aus, aber wenn ich am Ende eine Medaille in den Händen halte, bin ich sehr zufrieden, egal, welche Farbe sie hat.

Das klingt jetzt nicht so angriffig, wie wir das von Ihnen gewohnt sind. Ist es Ihnen am Ende doch wichtiger, den Rekord von Ingemar Stenmark zu brechen? Er kam auf 86 Weltcupsiege, Sie stehen bei 79. (Anm. d. Red.: Das Interview fand vor den beiden Abfahrten in Garmisch statt. Beide Rennen gewann Vonn – sie steht damit bei 81 Siegen.)
In dieser Saison zählen für mich vor allem die Olympischen Spiele. Nächsten Winter werde ich dann für den Rekord fahren. Ingemar ist überzeugt, dass ich ihn übertreffen werde. Das sagte er mir an der WM in St. Moritz. Ich fand das cool, denn es ist ja sein Rekord, der gebrochen würde.

Er verlangte aber noch mehr von Ihnen.
Ja. (Lacht.) Er nahm im schwedischen Fernsehen an einer Tanzshow teil und gewann. Er verlangt nun von mir, dass ich nicht nur seinen Rekord breche, sondern wie er auf dem Tanzparkett gewinne. Nur dann zähle es. Das ist ein bisschen gemein, weil ich überhaupt nicht tanzen kann.

Ist Ingemar Stenmark der grösste Skifahrer aller Zeiten?
Ich denke schon. I mean … er hat zwar nicht in allen Disziplinen dominiert, sondern nur im Slalom und Riesenslalom. Das ist natürlich ein starkes Argument gegen ihn.

Dann eher ein Allrounder wie Pirmin Zurbriggen oder Bode Miller?
Ja, dafür haben sie viel weniger Siege auf dem Konto als Stenmark. Es ist nicht einfach. Ich bleibe deshalb dabei: Am Ende ist jener mit den meisten Erfolgen der Grösste.

Das sind bei den Frauen Sie.
Es ist nicht an mir zu sagen, wer die grösste Skifahrerin ist. Anja Pärson und Janica Kostelić haben in allen Disziplinen gewonnen, aber wegen vieler Verletzungen früh aufgehört. (Vonn richtet sich auf. Es knackt hörbar.)

Ist das normal, dass es so knackt?
Ja. Es hat nicht viel zu bedeuten. Aber den Körper spüre ich schon. Ich hatte so viele Verletzungen, da ist es ein Wunder, dass ich immer noch Ski fahre. Ich trainiere heute weniger auf der Piste, dafür  mehr im Gym, um meinen Körper in Balance zu halten.

Waren Sie immer schon so unnachgiebig mit sich selber?
Nein. In den frühen Jahren meiner Karriere verlangte ich mir nicht alles ab. Okay, mein Vater pushte mich im Konditionstraining zwar auch. Doch erst als mich ein polnischer Trainer im Sommertraining schuften liess, wusste ich, was richtig hartes Training ist. Das war brutal, aber das Richtige für mich, um besser Ski fahren zu können. Heute weiss ich selbst am besten, wo meine Grenzen sind. Ich versuche im Training möglichst nahe an sie heranzukommen.

Ihr Lieblingsessen?
Kaiserschmarrn. Und Fondue. Und Raclette. Also alles, was für einen Profisportler nicht unbedingt das Beste ist. Ich habe das deshalb mit einer Belohnung verbunden. Wenn ich gewinne, dann gibts Kaiserschmarrn.

Und womit können Sie überhaupt nichts anfangen?
Sardinen gehen gar nicht. Gurken auch nicht.

Mit Trump können Sie auch wenig anfangen ...
… das musste ja jetzt kommen. (Winkt ab.)

Sie erklärten in einem Interview, dass Sie bei einem Empfang der US-Olympia-delegation im Weissen Haus nicht dabei wären. Und dass Sie in Südkorea das ameri-kanische Volk, nicht den Präsidenten vertreten.
Ich habe einfach ganz ehrlich auf eine Frage geantwortet, die mir gestellt wurde. Und wurde von den heftigen Reaktionen überrascht.

Sie sollten sich den Hals brechen, wurde Ihnen auf Twitter beschieden.
Nur bösartige Menschen wünschen jemandem so etwas. Es war nicht einfach für mich, damit umzugehen. Auch wenn es ehrlich war – heute würde ich wohl nicht mehr antworten. Solche
Kontroversen verschiebe ich lieber auf die Zeit nach meiner Karriere. Ich brauche meine Energie fürs Skifahren.

Glücklos mit Männern

Zwei, die sich verstehen. Lucy ist immer mit dabei, auch wenn Lindsey Vonn mit dem Weltcup-Tross unterwegs ist.

Zwei, die sich verstehen. Lucy ist immer mit dabei, auch wenn Lindsey Vonn mit dem Weltcup-Tross unterwegs ist.
http://www.coopzeitung.ch/Goldlady+Lindsey+Vonn Zwei, die sich verstehen. Lucy ist immer mit dabei, auch wenn Lindsey Vonn mit dem Weltcup-Tross unterwegs ist.

Lindsey Vonn glaubt nicht mehr an die grosse Liebe. Ihre erste Ehe mit Thomas Vonn zerbrach nach vier Jahren. Ihre Beziehung mit Football-Trainer Kenan Smith löste sie im letzten Herbst auf. Aufs Knuddeln muss Vonn trotzdem nicht ganz verzichten: Die treue Begleiterin an ihrer Seite heisst Lucy. Die Hündin war auch beim Interview zugegen und hörte interessiert zu.

Instagram Account von Lindsey Vonn

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