Wenn ein vifer Hund plötzlich nicht mehr mag, kann ein Notfall vorliegen.

Grad noch gut gegangen

Wenn eine Krankheit richtig schlimm wird, dann passiert es oft ausgerechnet am Wochenende. Das ist bei Menschen so und bei Tieren nicht anders. Hündin Alta hat ihre Krise am Sonntag.

Alta war immer sportlich und voll dabei gewesen, wenn es darum ging, sich zu bewegen. Stöckchenholen, Schwimmen im See und Spielen mit anderen Hunden hiessen ihre Lieblingsbeschäftigungen. Mit dem Alter aber war die Hündin immer gemütlicher geworden. Die Besitzerin nahm das nicht tragisch. Die Spaziergänge wurden auf etwas weniger steile Wege und öfter auf ebene Hundeplätze am See verlegt und bei Sommerhitze mehr auf die kühlen Abende verschoben. Eines Morgens aber stand die Hündin nicht mehr auf. Mit starrem, glasigem Blick verweigerte sie sogar das an ihr Bettchen gebrachte Wasser. Selbstverständlich war Sonntag.

In der Praxis untersuchte ich die Hündin zuerst. Sie hatte weder Fieber noch fand ich etwas Aussergewöhnliches, ausser, dass sie bleich war. Die Besitzerin berichtete, dass sie in letzter Zeit viel getrunken hätte, und dies bestimmt wegen der Hitze so sei. Alarmiert fragte ich sie nach der letzten Läufigkeit. «Läufig? Sie ist sicher seit einem Jahr nicht mehr läufig gewesen. Ich denke, das ist wegen ihres Alters», erzählte die langsam besorgte Besitzerin.

Hündinnen sind, sofern sie nicht kastriert werden, ihr Leben lang rund zweimal im Jahr läufig. Selbst im Alter kennen sie keine Ruhe vor der Läufigkeit. Diese Hündin hatte eine eitrige Entzündung der Gebärmutter. Wie immer wurde der Infekt wegen der nur schwachen Symptome kaum wahrgenommen. In einem solchen Stadium hilft nur noch eine Notoperation.

Der Blutuntersuch bestätigte meine Befürchtungen. Wie immer an einem Sonntagmorgen im Sommer, war ich verblüfft, wie meine Mitarbeiter bereit waren, herzukommen. Nach einer halben Stunde wurde Alta bereits schlafen gelegt und die Operation begann. Und ich staunte, wie in einem so kleinen Hund so eine grosse, veränderte Gebärmutter Platz hatte.

Im Operationsraum hatte ich nebst meinem Arbeitskittel auch noch die Operationsschürze und die Gesichtsmaske mit einer Haube an. Der Hitze zum Trotz klebten zwei Gummihandschuhe an meinen Händen fest. Die Operationslampe wärmte zusätzlich.

Schweissgebadet beendete ich den chirurgischen Eingriff. Endlich erwachte Alta und schien sich so kurz nach der Operation bereits munterer zu geben als zuvor. Ich freute mich so auf einen Sprung in den kühlen See, als es in der Ferne donnerte. Na ja, ein Sommerregen kühlt auch.

(Coopzeitung Nr. 29/2013)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 15.07.2013, 11:13 Uhr

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