Touring auf Panoramastrecken erfreut sich ungebrochener Beliebtheit: hier der San-Bernardino-Pass.

Grand Tour: Im Auto gemütlich durch die Schweiz

Ein Land per Auto zu erkunden ist wieder «in». Jetzt hat auch die Schweiz ihren Strassenklassiker: die Grand Tour of Switzerland.

Gute Fahrt auf der grossen Entdeckungstour

Klicken Sie auf die Etappen-Punkte um Ausschnitte der Teilstrecken im Schnelldurchlauf anzusehen.

Redaktor Thomas Compagno auf der Grand Tour am Sufnersee. Links hinten das Einshorn rechts das Rundhorn.

Redaktor Thomas Compagno auf der Grand Tour am Sufnersee. Links hinten das Einshorn rechts das Rundhorn.
http://www.coopzeitung.ch/Grand+Tour_+Im+Auto+gemuetlich+durch+die+Schweiz Redaktor Thomas Compagno auf der Grand Tour am Sufnersee. Links hinten das Einshorn rechts das Rundhorn.

Sie kennen die Route 66? Die ursprünglich fast 4000 Kilometer lange Strasse von Chicago nach Santa Monica in Kalifornien galt ab 1926 als eine der ersten durchgehend befestigten Strassenverbindungen von Chicago zur Westküste. Die Strecke abzufahren gilt – besonders unter Besitzern schwerer Motorräder – als eines der letzten Abenteuer. Doch allgemein gilt: Touring, ein Land per Auto oder Motorrad zu erkunden, liegt im Trend. «Die Menschen wollen ganz bewusst ein Land erfahren», sagt Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid, «und dies im doppelten Sinn.» Deshalb hat Schweiz Tourismus diesen Sommer die Grand Tour of Switzerland lanciert. 1000 Meilen oder etwas über 1600 Kilometer quer durch die Schweiz, entlang traumhafter Strecken und atemberaubender Panoramen: Alpenpässe, Seen und Städte, Unesco-Welterbe-Stätten, Biosphären, und dazu malerische Orte – eine Einladung, unsere grandiose Heimat per Auto zu bereisen. Christina Surer, Rennfahrerin und eben zum zweiten Mal Mutter geworden, findet die Grand Tour of Switzerland «genial. Man kann die eigene Heimat bewusst wahrnehmen und sieht, wie wahnsinnig schön sie ist».

Sehenswürdigkeiten an der Strecke: Die Tremola, die Passstrasse von Airolo auf den Gotthardpass hinauf, ...

Sehenswürdigkeiten an der Strecke: Die Tremola, die Passstrasse von Airolo auf den Gotthardpass hinauf, ...
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Ein wichtiger Tipp vorneweg: Wer die Grand Tour of Switzerland (GToS) jetzt schon befahren möchte, tut gut daran, sich die GPX-Daten auf eine Navigations-App zu laden und so dem Weg zu folgen (detaillierte Anleitung auf unserer Website), denn die offizielle Beschilderung erfolgt erst noch, und der Weg führt über zum Teil sehr versteckte Routen. Wer das Ganze mit dem öffentlichen Verkehr machen möchte, für den gibt es die Grand Train Tour of Switzerland.
Die Etappe mit der Nummer 1 beginnt in Bern am Bahnhof. Von dort führt sie zuerst durch die Berner Altstadt, wo die Grand-Tour-Fahrer gleich einmal in eine Begegnungszone gelotst werden. Das ist gar nicht schlecht, damit gewöhnt man sich schon mal ans Tempo auf der Grand Tour: Das ist nämlich langsam. Knapp 50 Kilometer pro Stunde sind über die ganze Tour gesehen realistisch. Um einen Teil oder gar die ganze Grand Tour zu fahren, sollte man also genug Zeit einplanen. Der Strecke entlang befinden sich Sehenswürdigkeiten, Museen und die schönsten Gegenden der Schweiz, wo es sich lohnt, mal eine Pause einzulegen. Zudem meidet die Tour weitgehend die Autobahn. 
In Bern ist auch der Verein Pro Velo zu Hause. Dort ist man von der Grand Tour wenig begeistert. Für Geschäftsführer Christoph Merkli steht sie «völlig quer in der Landschaft». Es würden mehr Motorisierte in die Schweiz und in abgelegene Landschaften gelockt und damit die nicht motorisierten Erholungssuchenden auf Wanderwegen und vor allem Velorouten unnötig belästigt. Dem widerspricht Jürg Schmid (siehe auch Interview Seite 17): «Wir haben diese Form des Reisens nicht neu erfunden. Wir bieten diesen Gästen lediglich einen Routenvorschlag.»

Palmen am Vierwaldstättersee

Von Bern führt die Route via das Emmental und das Entlebuch nach Luzern. Hier empfiehlt sich natürlich der Besuch des Verkehrshauses der Schweiz. Am Vierwaldstättersee, wo Palmen die Uferpromenade säumen, kommt sogar mediterrane Stimmung auf: Von Gersau geht es per Fähre nach Beckenried, um den See und dann via Rapperswil nach Zürich. Auch Zürichs Tourismusdirektor Martin Sturzenegger hat grosse Erwartungen an die Grand Tour. «Wir wissen von Tour-Operators auf der ganzen Welt, dass ein grosses Interesse an diesem Produkt besteht.» Die Schweiz biete sich dank ihrer kompakten Grösse und der grossen Vielfalt an Landschaften und Kulturen als Touring-Destination an.

... Weinberge bei Yvorne (VD).

... Weinberge bei Yvorne (VD).
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Über die Schwägalp führt die GToS von Appenzell ins Toggenburg. Der Pass zwischen Urnäsch und Neu St. Johann ist ein Paradies für Velofahrer. Der Schweizer Mountainbiker Nino Schurter gehört zu jenen, die öfter mal mit dem Velo unterwegs sind. Die meisten Velofahrer sehen es nicht gern, wenn mehr Autos auf «ihren» schönsten Strecken fahren. Schurter plädiert für ein Rücksichtnehmen statt für ein Autoverbot. «Als Velofahrer muss man sich bewusst sein, dass Autos auf der Strasse sind. Und wenn die Autofahrer rücksichtsvoll fahren, ist das kein Problem», sagt Schurter. Mehr als vor touristischen Sonntagsfahrern müsse man sich vor Lastwagenfahrern unter Zeitdruck oder Einheimischen im Stress fürchten. «Wer sich Zeit nimmt, eine schöne Strecke abzufahren, bleibt eher mal hinter dem Velofahrer, wenn es eng ist», sagt Schurter. Die Schwägalp sei auch ohne Grand Tour ein viel befahrener Pass, sagt Jürg Schmid von Schweiz Tourismus. Man habe aber bei der Routenwahl sehr da-rauf geachtet, die bei Velofahrern beliebtesten Strecken zu meiden.

Potenzial für das Tessin

In Landquart beginnen die Bergetappen – fünf Alpenpässe auf knapp 400 Kilometern. Dazu kommen die imposanten Schluchten Graubündens – Solis, Viamala und Rofla – die allesamt an der Grand Tour liegen. Wer zu schnell unterwegs ist, riskiert nicht nur, die Verkehrsregeln zu verletzen, er übersieht auch die Details am Rande: Am Morgen trifft man auf vielen Pässen Tiere an, Murmeltiere und Gämsen vor allem. 

... der Rheinfall bei Schaffhausen.

... der Rheinfall bei Schaffhausen.
http://www.coopzeitung.ch/Grand+Tour_+Im+Auto+gemuetlich+durch+die+Schweiz ... der Rheinfall bei Schaffhausen.

Über den San-Bernardino-Pass geht es ins Tessin nach Bellinzona. Der Tessiner Tourismusdirektor Elia Frapolli sieht im Projekt auch Potenzial für Regionen, die nicht direkt an der Grand Tour liegen. «Wir können die Tour durch verschiedene Nebenrouten ergänzen und so auch Regionen ins Schaufenster stellen, die nicht direkt an der GToS liegen.» Über Gotthard und Furka führt die Strecke ins Wallis und weiter Richtung Genfersee. Im Wallis lohnt es sich, den Führer zu konsultieren, der auf die Highlights hinweist, die man nicht von der Strasse aus sieht – Zermatt mit dem Matterhorn etwa oder das Aletschgebiet, Grimentz im Val d’Anniviers oder das Binntal.
Historisch wird es wieder zum Genfersee hin. Die Route führt an imposanten Bauwerken vorbei: Schloss Aigle, Schloss Chillon und Schloss Vufflens bei Morges. Dort verlässt die GToS den Genfersee und geht durch die Naturschönheiten des Jura, das Vallée de Joux und das Val de Travers. Über Neuchâtel, Murten, Fribourg, Château-d’Œx und das Simmental führt sie schliesslich nach Interlaken und dem Thunersee entlang wieder nach Bern. Hotelier Michel Wichman vom Hotel Spitzhorn in Saanen spricht aus, was für viele Hoteliers gilt: «Die Grand Tour of Switzerland hat nicht zwingend mit Luxus, übertriebenen Preisen, Extravaganz oder Exklusivität zu tun. Für uns bedeutet sie: Originalität, ein Erlebnis und ein hohes Qualitätsniveau zu fairen und erschwinglichen Preisen zu bieten.»

 
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Das ist die Grand Tour of Switzerland

http://www.coopzeitung.ch/Grand+Tour_+Im+Auto+gemuetlich+durch+die+Schweiz Grand Tour: Im Auto gemütlich durch die Schweiz

Länge Kernroute: 1643 km
Länge der drei Zufahrten: 327 km
Anzahl Streckenabschnitte: 25
Durchschnittsgeschwindigkeit: 47 km/h
Höchster Punkt: 2429 m ü. M., Furkapass
Tiefster Punkt: 193 m ü. M., Lago Maggiore
Seen entlang der Route: 22 Seen ( > 0,5 km2)
Alpenpässe: 5
Highlights: 11 Unesco-Welterbestätten und 2 Biosphären
 

Für die Grand Tour of Switzerland ist auch ein Touring Guide erhältlich:
«Grand Tour of Switzerland», Hallwag/Kümmerli+Frey, Fr. 29.– (plus Versandkosten Fr. 5.–)

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Die Grand Tour of Switzerland sei eine Orientierungshilfe, sagt Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid.

Jürg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus

Jürg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus
http://www.coopzeitung.ch/Grand+Tour_+Im+Auto+gemuetlich+durch+die+Schweiz Jürg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus

Warum gibt es jetzt diese Grand Tour of Switzerland?
Wir wollen den Gästen eine Orientierungshilfe geben, wenn sie unser Land entdecken wollen. Die Tour geht durch alle Kulturen und den Highlights entlang.

Welche Kunden wollen Sie damit ansprechen?
Schweizer und Ausländer. Individualreisende, die die Schweiz auf eigene Faust entdecken wollen. Touring ist ein grosser Tourismustrend.

Umweltschutzkreise kritisieren, dass Schweiz Tourismus hier ein Angebot bereitstellt, das zu mehr Autofahrten führt.
Das ist nicht so. Wir sprechen lediglich jene Leute an, die ohnehin mit dem Auto unterwegs wären. Und ökologisch gesehen verursacht ein Fernflug nach Asien so viel CO2 wie der durchschnittliche Schweizer im Jahr mit dem Auto. Wenn es uns gelingt, die Schweizer als Feriengäste in der Schweiz zu behalten, muss das in der Nettobilanz gar nicht negativ sein.

«

Keine Massen auf der Strasse.»

Jürg Schmid

Die Route verläuft oftmals auf alten Verkehrswegen, die heute von Velofahrern genutzt werden. Da sind Konflikte programmiert.
Dieses Problem ist überschaubar. Man muss das Volumen realistisch einschätzen. Wir machen zwar grosse Marketing-Anstrengungen, aber wir können nicht bewirken, dass täglich grosse Massen auf der Route fahren. Wenn wir pro Jahr 100 000 Fahrzeuge auf die Grand Tour bringen und das auf 300 Reisetage und 1600 Kilometer herunterbrechen, wird das sehr bescheiden.

Was erhoffen Sie sich von der Grand Tour? 
Wir streben eine touristische Wertschöpfung von einer Million Übernachtungen à 250 Franken Durchschnittsausgaben an. Das ergibt eine Wertschöpfung von 250 Millionen Franken.

Klingt nach Wachstum. 
Ist es aber nicht. Wir haben seit fünf Jahren Rückgänge im Tourismus – leider. Selbst wenn die Grand Tour ein Erfolg wird, haben wir weniger touristischen Verkehr als in den Vorjahren. Wir heizen also nicht den Verkehr an, sondern richten uns an jene 80 Prozent, die so oder so fahren, entweder in den Süden oder bei uns. Da habe ich sie lieber in der Schweiz und dafür sicherere Arbeitsplätze.

Der Chapman’s Peak Drive.

Der Chapman’s Peak Drive.
http://www.coopzeitung.ch/Grand+Tour_+Im+Auto+gemuetlich+durch+die+Schweiz Der Chapman’s Peak Drive.

La Grande Corniche, Frankreich
Die Grande Corniche zwischen Menton und Monaco ist die wohl berühmteste Panoramastrasse der Welt. Im James-Bond-Film «Golden Eye» liefert sich Bond eine spektakuläre Verfolgungsjagd. Sie verläuft über 31 Kilometer, zum Teil in schwindelnder Höhe bis über 500 Meter über dem Meeresspiegel.

California State Route 1, USA
Die CA 1, auch Highway 1 genannt, ist eine in Nord-Süd-Richtung verlaufende State Route in Kalifornien an der Küste des Pazifischen Ozeans. Die Strasse ist 1055 Kilometer lang und führt durch Los Angeles und San Francisco. Sie passiert einen der schönsten Küstenabschnitte des Landes.

Great Ocean Road, Australien
Die Great Ocean Road ist Teil einer Erlebnisroute im südlichen Australien. Sie ist 243 Kilometer lang und wurde ab 1919 von Tausenden aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrten Soldaten an der Küste in den Felsen gehauen. Seit 2011 zählt sie offiziell zu den nationalen Denkmälern des Landes.

Amalfitana, Italien
Die Strada Statale 163 Amalfi-tana ist eine italienische Küstenstrasse bei Neapel. Sie ist 50 Kilometer lang und bietet Ausblicke auf die steil abfallende Küste und den Golf von Salerno. Etwa 100 Meter über dem Meer wurde hier, teilweise in den Fels gearbeitet, eine kurvenreiche, meist schmale Strasse erbaut.

Ring of Kerry, Irland
Der Ring of Kerry ist eine 179 Kilometer lange Panoramaküstenstrasse im County Kerry im Südwesten Irlands. Busse dürfen den Ring wegen der Enge der Strassen nur in einer Richtung (gegen den Uhrzeigersinn) der irischen Nationalstrasse 70 befahren.

Chapman’s Peak Dr., Südafrika
Der Chapman’s Peak Drive ist eine neun Kilometer lange Küstenstrasse südlich von Kapstadt. Er schlängelt sich in 114 Kurven zwischen Meer und steilen Felswänden hindurch. Die Bauarbeiten begannen 1915 unter teilweise lebensgefährlichen Bedingungen. 1922 wurde die Strasse für den Verkehr freigegeben.

Anleitung zur App (PDF)

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Thomas Compagno

Redaktor

Foto:
Yannick Andrea, Alamy, zVg
Veröffentlicht:
Donnerstag 02.07.2015, 09:31 Uhr

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