Pierre Lambert bei der Arbeit in seinem Rebberg hoch über dem Neuenburgersee.

Grünwein: Im Einklang mit der Natur

Pierre Lambert wollte Geologe werden, doktorierte an der Universität Neuenburg und ging für einen Forschungsaufenthalt an die Columbia University in New York. Doch dann erreichte ihn der Hilferuf aus dem elterlichen Weingut.

Winzer wurde Pierre Lambert erst mit 40 Jahren. In seinem ersten Leben war der heute 51-Jährige Wissenschaftler. 2006 jedoch war sein Vater 78, seine Mutter krank. Lambert, der Jüngere, musste sich entscheiden: Sollte man das 21 Hektaren grosse elterliche Weingut «Domaine des Coccinelles» verkaufen oder wollte er es übernehmen? Vater Maurice hatte es 1992 auf Bio umgestellt – als erster Winzer im Kanton Neuenburg. Nach reiflicher Überlegung entschloss sich der Junior, die Pionierarbeit seiner Eltern fortzuführen. «Die ersten Jahre waren sehr arbeitsintensiv», erinnert er sich. «Aber der biologische Anbau entspricht mir am meisten. Er gibt mir das Gefühl, die Umwelt zu respektieren. Darum will ich, dass mein Betrieb weitgehend unabhängig von Energien ist, die Treibhausgase freisetzen.» Und so heizt er mit Holz und hat auf den Dächern von Haus und Weinkeller Sonnenkollektoren montiert. Es gebe aber noch viel zu tun – vor allem bei der Umstellung auf elektrische Maschinen und Fahrzeuge.

Beim Umgang mit den Reben sieht man es: Zwar war der Weinbau nicht von Beginn an seine Berufung, doch inzwischen ist er es geworden.

Mehr für weniger

Weil Kunstdünger sowie synthetische Herbizide und Pestizide im Bio-Rebbau tabu sind, benötigen die Weinstöcke viel Pflege. Zudem fällt der Ertrag um circa 20 Prozent tiefer aus als beim konventionellen Weinbau.

«Bio-Reben sind gegen Pilzkrankheiten, die hauptsächlich in heissen und feuchten Sommern auftreten, schwerer zu schützen», sagt Pierre Lambert. «Was nicht heisst, dass wir machtlos sind.» Es gibt für den Bio-Weinbau zugelassene Behandlungen wie den Einsatz von Schwefel gegen Echten Mehltau oder Tonerde und Kupfer gegen Falschen Mehltau. «Fäulnis beuge ich zum Beispiel vor, indem ich Blätter entferne, damit die Trauben gut durchlüftet werden.»

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Bio-Anbau gibt mir das Gefühl, die Umwelt zu respektieren.»

Pierre Lambert (51), Bio-Winzer

Für die Produktion von qualitativ gutem Bio-Wein braucht es fruchtbaren Boden. Dessen Bewirtschaftung geschieht durch alternierendes Mähen und eine vielfältige Begrünung, welche die Biodiversität fördert. Hacken und Kompost beleben den Boden zusätzlich. Jeweils im August bringt der Winzer überdies Gründünger aus, eine Samenmischung aus Senf, Bockshornklee, Radieschen und Futtererbsen.

Wegen des Verzichts auf Herbizide lagert sich im Boden mehr CO2 ein. Lambert: «Die Pflanzen, die im Laufe der Saison wachsen, entnehmen der Atmosphäre während der Fotosynthese CO2. Dieses bleibt bei der Umwandlung der Biomasse – also der abgestorbenen und abgemähten Pflanzen und deren Wurzeln – teils als Humus zurück.» Gründünger funktioniert nach demselben Prinzip. Zudem «pumpen» die Pflanzen, die aus ihm wachsen, Nitrate aus dem Boden, speichern sie und verhindern so die Verunreinigung des Grundwassers.

Doch wieder Forschung

Was Pierre Lambert in seinem Leben als Winzer am meisten gefehlt hat, ist die Wissenschaft. Seit Kurzem ist sie aber in Form von Projekten wieder Teil seines Lebens. Eines davon ist nun die Zusammenarbeit mit der Universität Lausanne. Dabei geht es um die Verwendung von Steinmehl als Dünger und als CO2-Messer in der Atmosphäre», sagt er. Sein geologisches Fachwissen kommt ihm da wieder voll zugute.

  

Die Domaine des Coccinelles

Tradition und Innovation
Rund 120 000 Flaschen Bourgeon von Bio Suisse werden jährlich in der Domaine des Coccinelles produziert. Hauptrebensorten sind Pinot Noir (50 Prozent), Chasselas (30 Prozent), Pinot Gris (10 Prozent) sowie Chardonnay (5 Prozent). Hinzu kommen Viognier, Garanoir, Riesling-Sylvaner, Savagnin Rose und Doral.

Seit 2010 baut Pierre Lambert Divico an (um die Auswahl an roten Traubensorten zu vergrössern, da der Pinot Noir auch häufig zu Œil de Perdrix verarbeitet wird) und Solaris, der einen lieblichen Weisswein ergibt.

Die Domaine des Coccinelles bei Coop:

  • Pinot Noir, Œil de Perdrix und Chasselas (Deutschschweiz).
  • Pinot Noir, Œil de Perdrix, Chasselas und Pinot Gris (Westschweiz).

Hier können Sie die Weine bei Mondovino bestellen.

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Text:
Jean Pinesi
Foto:
Xavier Voirol
Veröffentlicht:
Montag 29.01.2018, 09:00 Uhr

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