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Sabines Garten: Gut gepflegt ist halb geblüht

Glücklich, wer den Juli zu Hause im Garten oder auf Balkonien geniessen darf. Damit die Pflanzen dann auch durchblühen, brauchen sie jetzt aber ein bisschen Pflege.

Wer bisher fleissg war, kann es sich nun im Liegestuhl bequem machen und die Blütenpracht geniessen. Ein paar wichtige Arbeiten sollten aber trotz gemütlicher Ferienstimmung regelmäs- sig ausgeführt werden im Garten. Insbesondere die Balkonkästen, Kistchen und andere Gefässe mit Sommerblumen reagieren sehr gut auf regelmässige Pflege. Es reicht, jeden Tag kurz die Runde zu machen, alles Verblühte auszubrechen und wegzuschneiden und regelmässig zu giessen und zu düngen.

Wie viel man genau giessen muss, lässt sich nicht theoretisch sagen. Je mehr Blumen in einem Kistchen gedeihen und je weniger Erde die einzelnen Pflanzen also zur Verfügung haben, desto mehr Wasser und Nahrung brauchen sie. An einem heissen Standort ist es manchmal nötig, am Morgen und am Abend zu giessen. Im Zweifelsfall mit dem Finger in die Erde bohren und überprüfen, ob das Substrat wirklich feucht ist. Im Garten aber gilt beim Giessen: Lieber viel auf einmal, dann warten, bis die Pflanzen Durst haben. Und wieder gründlich giessen. So zwingt man sie, tiefe Wurzeln zu bilden. Wenn man stets nur wenig giesst, bilden sie oberflächliche Wurzeln und verdursten dann schnell, falls mal doch kein Wasser kommt.

Rosen und Stauden im Garten haben die Möglichkeit, tiefere Wurzeln zu bilden und selber nach Nahrung zu suchen. Aber auch sie müssen spätestens nach ein paar Jahren gedüngt werden. Wenn Blumenbeete langfristig Freude machen sollen, dann brauchen sie unbedingt zusätzliche Nahrung. Denn alles, was in Form von Verblühtem weggeschnitten und entfernt wird, muss letztlich irgendwie ersetzt werden. Idealerweise macht man das im Naturgarten so, dass alle organischen Abfälle kompostiert und so dem Boden zurückgegeben werden. Töpfe und Balkonkästen sind aber im Allgemeinen zu klein, als dass sich ein natürlicher Kreislauf bilden könnte, und darum ist es meist besser und vor allem einfacher, sie regelmässig mit gekauftem Dünger zu versorgen. Im Blog wurde gefragt, ob man Gemüse und Kräuter mit Universaldünger düngen dürfe. Ich würde meinen, ja. Wer hundert Prozent sicher ganz gesundes Biogemüse haben will, der dünge mit flüssigem Biodünger. Aber herkömmlicher Dünger ist eigentlich auch o.k. Wenn man grad nur Universaldünger zur Hand hat, kann man den durchaus verwenden, schaden tut der gewiss nicht.

Wichtig ist vor allem die Dosierung. Es ist nämlich nicht so, dass die Pflanzen besser oder schneller oder grösser wachsen, wenn man ihnen mehr Dünger auf einmal gibt! Die angegebene Menge sollte stets eingehalten werden. Lieber regelmässig ein bisschen düngen, als zu viel auf einmal. Das gilt auch für Bio-Dünger.

Anders hingegen ist es bei Mist und Kompost, wo man im Winter gut grössere Mengen ausbringen kann. Das ist im Garten natürlich sehr wirksam und praktisch, vor allem, wenn man grössere Rosen- und Staudenbeete pflegt. Aber auf dem Balkon hätte man gerade in der Sommerhitze dann ein Geruchsproblem. Meinerseits habe ich diesen Frühling mal etwas halb zersetzten Hühnermist ausgebracht. Nun gut, es waren drei grosse Garetten voll. Die Nachbarschaft hat mich wochenlang verflucht dafür, weil das Zeug wirklich zum Himmel stank. Aber genützt hat der Mist, und wie! Die Sonnenblumen schauen schon weit über die Dachlatten hinaus, und auch die Kürbisse legen mit jedem Tag zu. Die sind richtig glücklich mit diesem Depot an organischer Nahrung, und ich hoffe, dass ich die vom Gestank geplagten Nachbarn am Ende mit ein paar Kürbissen versöhnen kann.

Ja, und warum muss man nun eigentlich Verblühtes ausschneiden? Natürlich sieht es besser aus. Aber der eigentliche Grund für diese Arbeit liegt in der Botanik. Die Pflanzen blühen ja nicht, um uns zu erfreuen, sondern weil sie Samen bilden und sich vermehren wollen. Wenn wir Verblühtes gleich wegnehmen und sie daran hindern, Samen zu bilden, dann fangen sie noch einmal von vorne an und bilden neue Blüten. Und wenn wir die wieder entfernen, fangen sie wieder von vorne an und so weiter, bis im Herbst der Frost dem Schauspiel ein Ende bereitet.

Natürlich brauchen die Pflanzen dann aber viel mehr Nahrung. Von Natur aus würden sie ja nur einmal blühen, Samen bilden und eingehen. Wenn sie immer wieder blühen sollen, brauchen sie Dünger, sonst haben sie nicht genug Energie für diesen Kraftakt. Das Prinzip gilt insbesondere auch für die mehrmals blühenden Rosensorten. Sind einmal Hagebutten dran, dann betrachten sie ihre Aufgabe als erfüllt und machen sich gewiss nicht die Mühe, noch einmal von vorne anzufangen mit Blühen. Ja, von der Pflanze aus betrachtet ist das ein bisschen gemein, ihnen immer wieder die Blüten wegzunehmen, bevor sie Samen bilden und sich vermehren können. Aber ein Garten ist eben nicht die freie Natur. Wir züchten die Pflanzen ja gezielt und ziehen sie, damit sie uns nützen und erfreuen und behandeln sie entsprechend. Ich finde einfach, wir sollten uns dessen bewusst sein.

Manchmal stehe ich vor meinen Geranien und Petunien und streiche über ihre Blätter und sage ihnen Merci vielmal für die grosse Anstrengung, die sie den ganzen Sommer über erbringen. Das Mindeste ist, nett und respektvoll zu sein und sie so gut wie möglich zu behandeln. Das sind wir ihnen schuldig. Man kann es nicht genug betonen: Ja, die Pflanzen reagieren sehr wohl auf liebevolle Zuwendung. Wer mit ihnen reden will, soll das ruhig tun, das ist überhaupt nicht doof, sondern eigentlich normal. Schliesslich sind Pflanzen Lebewesen. In verschiedenen Studien wurde inzwischen sogar wissenschaftlich nachgewiesen, dass Pflanzen Empfindungen haben, dass sie wahrnehmen können, wenn man mit ihnen redet, oder positiv auf schöne Musik reagieren. Wer mehr darüber wissen möchte, gönne sich im Liegestuhl das Buch von Floriane Köchlin, «Mozart und die List der Hirse» (Lenos Verlag, 33.80 Franken). Diese Gartenlektüre lässt uns auch das einfachste Blümchen in neuem Licht sehen.

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Für den Juli

• Hecken und Buchs schneiden. Kieswege mit einer Blache oder einem Leintuch unterlegen, da- mit nicht alles voller Schnipsel ist.
• Ziergehölze und Stauden durch Stecklinge vermehren.
• Kräuter ernten und trocknen. Lavendel und Oreganoblüten ernten, wenn sie frisch aufgehen.
• Knollenfenchel säen.
• Regelmässig jäten, häckseln, damit das Wasser besser einzieht.
• Kübel- und Topfpflanzen regelmässig giessen und düngen.
• Einmal blühende Kletter- und Strauchrosen wo nötig schneiden.
• Verblühtes von Beet- und Edelrosen ausschneiden.
• Schwertlilien teilen. Die Wurzel- stücke möglichst flach wieder einpflanzen.
• Steinobst nach der Ernte schneiden.
• Rasen wässern, ein zweites Mal düngen.
• Gemüse, Salate und essbare Blüten ernten.
• Den Garten geniessen!

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«Von Falken und vom Glück» – Neuer Roman von Sabine Reber

Ihre Lebenslinien verweben sich auf rätselhafte Weise: Granuaile, irische Piratin aus einer untergegangenen Zeit, und Linda, Träumerin, und am Ende ihrer Kräfte. «Die Falken und das Glück» heisst der neue Roman von Sabine Reber (Verlag Langen Müller). Die perfekte Sommerlektüre. Im Handel oder für Fr. 28.40 plus 5.– Versandkosten oder unter unter: www.coopzeitung.ch/shop

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Sabine Reber

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Foto:
Stöh Grünig
Veröffentlicht:
Montag 02.07.2012, 14:21 Uhr

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