Benjamin Abrego Castillo trägt ein Bananenbüschel zum Transportkabel. Dieses transportiert die Früchte zur Einpackstation der Platanera Río Sixaola in Costa Rica.

Gute Bananen: Grafik macht Nachhaltigkeit sichtbar

Produzenten schreiben ihre Produkte gerne mit «nachhaltig» an. Das verkauft sich gut. Was das genau bedeutet, überrascht manchmal auch sie.

Das Resultat war für Volker Ribniger (69) eine Enttäuschung. Der Bananenproduzent aus Costa Rica mit deutschen Wurzeln bemüht sich seit Jahren um Nachhaltigkeit. Er entschädigt seine Angestellten fair, verzichtet auf Herbizide und gehört anerkanntermassen zu den nachhaltigsten Bananenproduzenten der Welt. Belegt durch diverse Zertifikate. Und dann das: Nach einer neuen Smart-Analyse, die das Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick (FiBL) entwickelt hatte, musste Ribniger zur Kenntnis nehmen, dass sein Unternehmen in manchen Nachhaltigkeitsthemen nur zwischen 60 und 80 Prozent des Maximums erfüllt – mit Ausreissern nach unten. Bei der Lehrlingsausbildung und im Einsatz von Pestiziden hat die Analyse Lücken aufgedeckt. Ein Beispiel: Die Krone der Bananenstaude wird mit einem Fungizid besprüht, damit die Banane auf dem Transport nicht fault. Anders gehts nicht: «Wenn wir die Bananen nicht behandeln, kommen sie als unverkaufbar  zurück», sagt Ribniger.

Spinnengrafik entlarvt

Politisch interessierte Zeitungsleser kennen die Smart-Darstellung aus dem Wahlkampf. Die Spinnennetz-ähnliche Grafik zeigt, welche Positionen ein Politiker oder eine Politikerin vertritt. Die Wähler erkennen so, wer ihnen politisch am nächsten und für sie wählbar ist. Diese Form der Darstellung zeigt nun auch, wie nachhaltig Produkte sind. Konsumenten können so sehen, ob ein Lebensmittel für sie kaufbar ist. Bei Coop, wo man der nachhaltigen Lebensmittelproduktion ebenfalls grosses Gewicht beimisst, wird das Tool ebenfalls eingesetzt.

Leonhardt Jancso (31), stellvertretender Geschäftsleiter beim Unternehmen Sustainable Food Systems, versteht Ribnigers Enttäuschung. Er relativiert sie aber auch. Die Smart-Analyse bewerte nicht das Effektive in Relation zum heute Möglichen, «da hätte Ribniger geglänzt». Sie analysiere auf der Basis eines Idealzustandes, der unter Umständen noch gar nicht erreichbar sei. «Smart wurde entwickelt, um den Begriff Nachhaltigkeit bewertbar und vergleichbar zu machen. Das war nötig», erklärt er, «denn unter Nachhaltigkeit versteht jeder etwas Anderes. Am liebsten das, worin er glänzt.»

Grundlage für die Smart-Analyse sind global gültige Richtlinien der FAO, der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen. Hier ist definiert, welche Kriterien analysiert werden sollen, damit man ein Produkt bewerten kann. Das bezieht weit mehr mit ein als den Ausstoss von Treibhausgasen und den Einsatz von Kunstdünger. Dazu gehören auch eine faire Entlohnung der Angestellten, der Umgang mit Wasser und das Tierwohl, die Bodenqualität und die Artenvielfalt, die Beschäftigungsverhältnisse, die öffentliche Gesundheit, Transparenz und und und. «Insgesamt sind es 58 Kriterien», erklärt Jancso. «Auch die Lehrlingsausbildung, die es in Costa Rica gar nicht gibt, und den Fungizideinsatz. Hier kann Ribniger derzeit gar nicht mehr erreichen.»

Hier finden Sie die Tat Nr. 109
Hier finden Sie alle Taten auf einen Blick

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Thomas Compagno

Redaktor

Foto:
Fotolia, Batian Flowers Ltd.
Veröffentlicht:
Montag 19.02.2018, 09:49 Uhr

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?