Guten Morgen!

Was es zum Zmorge gibt, ist eine Frage des Frühstückstyps. Mitglieder der «Coopzeitung»-Redaktion verraten, was auf ihrem Tisch landet.

«Ich kann nicht ordentlich Frieden schliessen, wenn man mir nicht ordentlich zu essen und zu trinken gibt», sagte einst Otto von Bismarck (1815–1898), der erste Kanzler des Deutschen Reiches. Tatsächlich soll er beim Zmorge auch
ordentlich zugelangt haben: Koteletts, Räucherfisch, Wurst, Butter und bis zu 16 (!) Eier.

Die alte Weisheit gilt nicht mehr

Offenbar lebte der legendäre Politiker besonders grosszügig nach der Volksweisheit «frühstücken wie ein Kaiser, zu Mittag essen wie ein König, zu Abend essen wie ein Bettler». Heute scheint diese Maxime allerdings veraltet zu sein. «Früher startete man mit einem reichhaltigen Zmorge, um seinen körperlich anstrengenden Beruf ausüben zu können. Das Mittagessen war kleiner, da man ja bereits gefrühstückt hatte und abends ass man nicht viel, damit die Mahlzeit einem nicht auf dem Magen lag und man ruhig schlafen konnte», erklärt Ilona Sánchez García (29) von der Coop- Fachstelle Ernährung. «Heute muss man dies differenzierter betrachten. Wer sich nicht stark körperlich betätigt, sollte am besten immer in etwa die gleiche Menge verzehren.»

«

Das Frühstück gibt uns Kraft für den Start in den neuen Tag.»

Ernährungsberaterin Ilona Sánchez García

Während es bei vielen ohne «Tankfüllung» gar nicht geht, bringen einige zu früher Stunde keinen Bissen runter. Laut dem Monitoring-System Ernährung und Bewegung (MOSEB) des Bundesamts für Gesundheit (BAG) verzichten Männer häufiger auf das Zmorge als Frauen (siehe Grafik Seite 23): Sie frühstücken im Schnitt an 5,5 Tagen pro Woche, Frauen dagegen an 6,2. Ilona Sánchez García: «Bei Kindern und Jugendlichen wird ein Frühstück empfohlen, damit sie sich in der Schule oder am Ausbildungsplatz besser konzentrieren können. Wenn sie aber noch nicht richtig essen mögen, kann auch ein Glas Milch oder Fruchtsaft ein Start in den Tag sein. So bekommt der Körper mindestens etwas an Energie geliefert.»

Man sollte sich bewusst sein, dass der Körper in der Nacht Energie – also Kalorien – verbraucht, um den Kreislauf aufrecht und uns so am Leben zu erhalten. «Das Frühstück füllt die geleerten Speicher wieder auf und gibt uns Kraft für den Start in den neuen Tag», sagt die Ernährungsberaterin. Wer auf ein gesundes Frühstück zu Hause verzichtet, sich stattdessen aber später beispielsweise ein Schoggiweggli gönnt, tut sich einen Bärendienst, weil dieses ungesünder ist als Müesli, Jogurt oder Früchte.

Die Befürchtung, dass Frühstücksmuffel einfach später am Tag umso mehr in sich reinstopfen, ist aber unbegründet. Studien zeigen, dass das Mittagessen dieser Menschen vielleicht ein bisschen üppiger ausfällt, sie am Ende des Tages jedoch weniger Kalorien zu sich genommen haben als Zmörgeler.

Der Verzicht aufs Frühstück ist also keine Tragödie. Das sieht unter anderem auch das amerikanische Amt für Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung (Office of Disease Prevention and Health Promotion) so, welches seit Kurzem nicht mehr empfiehlt, auf jeden Fall zu frühstücken.

Dass das Frühstück nicht lebensnotwendig ist, scheint überdies der Blick in die Urzeit zu bestätigen. Paläoanthropologen versuchen die frühzeitliche Ernährung zu rekonstruieren. Ein schwieriges Unterfangen, weil es logischerweise keine
Speisekarten aus dieser Zeit gibt. Untersuchungen von alten Kiefern lassen aber auf den Menüplan der Urmenschen schliessen: Fleisch, Rinden, Blätter, Gräser, Nüsse, Beeren, Früchte und andere Pflanzen. Und weil die alle gejagt oder gesammelt werden mussten, denken die Forscher, dass hauptsächlich am Abend gegessen wurde, wenn ein Feuer Wärme und Sicherheit spendete. Der Tag begann also wohl mit leerem Magen.

Dennoch hat die frühe Mahlzeit Vorteile. So fand der Ernährungswissenschaftler James Betts von der Universität Bath (GB) heraus, dass Frühstücker sich mehr bewegen als Zmorgestreiker. Der menschliche Körper sei so programmiert, dass er den Kalorienverlust durch weniger Aktivität ausgleiche. Steht also ein Tag mit vielen Sitzungen bevor, lohnt sich der Verzicht aufs Frühstück. Die Studie von James Betts förderte noch einen beachtenswerten Aspekt zutage: Der Blutzuckerwert von Zmörgelern ist am Nachmittag und am Abend stabiler. Man will nun herausfinden, ob ein gesundes Frühstück eventuell helfen könnte, das Risiko für Diabetes Typ 2 zu verringern.

Essen kann man auch unterwegs

Während früher die meisten Leute zu Hause im Kreise der Familie assen, verpflegen sich heute viele Menschen unterwegs. Experte auf diesem Gebiet ist Helmut Haingartner (54), Geschäftsführer der Marché-Restaurants Neuenkirch Ost und West LU. Über 4 Millionen Gäste wurden im Jahr 2017 in den 15 Marché-Restaurants und -Bistros in der ganzen Schweiz verköstigt. «Am besten läuft bei uns das Marché-Zmorge mit einem Gipfeli, einem Brötchen, zwei Stück Butter, einer Portion Konfitüre und einer Tasse Bio-Faitrade-Kaffee», erklärt er. Das Publikum ist dabei sehr gemischt – von Familien über Geschäftsleute bis hin zu Touristen verpflegen sich alle in Haingartners Betrieb. «Vor allem sonntags kommen aber auch viele regionale Gäste zum Frühstücken zu uns», sagt er.

Fünf Frühstückstypen aus unserer Redaktion: Fabian Kern, Silvan Grütter, Sandra Zgraggen, Morgane Roth und Nadine Bauer.

Fünf Frühstückstypen aus unserer Redaktion: Fabian Kern, Silvan Grütter, Sandra Zgraggen, Morgane Roth und Nadine Bauer.
http://www.coopzeitung.ch/Guten+Morgen_ Fünf Frühstückstypen aus unserer Redaktion: Fabian Kern, Silvan Grütter, Sandra Zgraggen, Morgane Roth und Nadine Bauer.

Im Marché-Angebot findet sich Traditionelles, aber auch Trendigeres wie Smoothies, Infused Water, hausgemachte Schoggi. Eines fällt Helmut Haingartner ganz besonders auf: «Es wird immer bewusster und gesünder gegessen. Das gilt auch für Männer. Zudem sind unsere Gäste besser informiert als früher und sensibler im Umgang mit Essen und Trinken.»

Das passt zu den Erfahrungen, die man bei Coop macht. Es gibt einen starken Trend zu alternativen Frühstücksformen – Porridge, Müesli und Bowls sind sehr beliebt. Wichtig ist dabei aber, dass die Produkte nur wenig oder gar keinen Zucker enthalten. Bei den traditionellen Frühstücks-«Komponenten» steigen die Absätze bei Bio-Honig, Bio-Konfitüren sowie alternativen Brotaufstrichen wie etwa Mandelmus.

Abgesehen von den gesundheitlichen Aspekten bleibt Geschmackssache, was jemand frühstückt. Wie verschieden die – nicht immer gesunden – Vorlieben der Menschen sind, zeigt sich auch in legendären Hollywood-Filmen: So ass Audrey Hepburn (1929–1993) anno 1961 Frühstück bei Tiffany, indem sie im Abendkleid mit Kaffee und Croissant in der Hand vor dem Schaufenster des New Yorker Edeljuweliers stand, während Renée Zellweger (heute 48) alias Bridget Jones 40 Jahre später im ersten Teil der Komödien-Trilogie Schokolade zum Frühstück verzehrte.

Der Klassische

Fabian Kern (42), Online-Redaktor

«Ich war ein einfaches Kind: Mir musste nie jemand erklären, dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist. Kaum bin ich aufgestanden, habe ich Hunger. Deshalb ist im Hotel jeweils das Frühstücksbuffet mein Highlight. Grundsätzlich bin ich wohl der klassische kontinentale Zmörgeler: Brot mit Butter, Konfitüre und Honig; die Alternative ist Müesli. Dazu trinke ich Kräuter- oder Pfefferminztee ohne Zucker. Am Wochenende gesellen sich dazu optional noch Eier, Käse, Jogurt und Früchte. Auf Reisen lasse ich mich gerne auf die lokalen Gepflogenheiten ein: In tropischen Gefilden geniesse ich frische Früchte, in anglofonen Ländern dürfen es auch mal Eier mit Speck sein. Nur bei Haggis und Black Pudding passe ich.»

 

Die Deftige

Nadine Bauer (42), Leiterin Ressort Essen & Trinken

«Kurz nach dem Aufstehen trinke ich erst einmal einen Grüntee, mehr kriege ich noch nicht runter. Doch sobald ich an der frischen Luft war und mein Kreislauf in Schwung ist, kanns eigentlich losgehen.
Nur: Das, worauf ich Lust habe, gibt es auf dem Weg in die Redaktion nirgends «to go»: Eggs Benedict (am liebsten mit getrüffelter Hollandaise), ein Miso-Süppchen, gebratene Reisnudeln oder Dim Sum – Hauptsache warm und herzhaft! Einziger Kompromiss: ein Thon-Sandwich vom Bäcker. Hm, ob ich mir demnächst einen Flug nach Asien buchen soll? Dort fühle ich mich frühstückstechnisch irgendwie besser umsorgt.»

  

Die Hippe

Morgane Roth (25), Multimedia-Redaktorin

«Meine Mutter hat mir die Kultur des Frühstückens vermittelt: Sich am Morgen die Zeit zu nehmen, eine Mahlzeit zuzubereiten, bevor man arbeiten geht. Früher ass ich meist Konfibrote oder Cerealien. Aber in Strasbourg, wo ich studierte, gab es in der Nähe meiner Wohnung eine Smoothie-Bar, in der ich diese wunderbaren Vitaminsäfte für mich entdeckt habe. Inzwischen bereite ich selbst Smoothies aus saisonalen Früchten zu. Im Winter meist mit Zitrusfrüchten, Kiwis und Birnen, im Sommer dagegen liebe ich rote Beeren. Smoothies sind schnell und einfach gemacht und perfekt, um den Tag zu beginnen.»

  

Der Eilige

Silvan Grütter (47), Chefredaktor

«Mein Frühstück gleicht einer Choreografie des Wahnsinns: Mit der linken Hand füttere ich die Katze, mit der rechten Hand starte ich die Kaffeemaschine, dann mit rechts die Milch aus dem Kühlschrank und mit links in den Schäumer. Zwei Espressi Macchiati. Einen vor dem Duschen, einen danach. Parallel noch kurz die Mails checken, die Tochter aufwecken und der Katze klarmachen, dass es jetzt nichts mehr gibt. Dann mit der Vespa an den Hauptbahnhof Zürich und von dort mit dem Zug nach Basel. An entspannten Tagen reicht die Zeit für ein Birchermüesli oder einen Energieriegel. Das ist dann aber fast schon ein kleiner Brunch.»

  

Die Gesunde

Sandra Zgraggen (24), Assistentin Verleger Coopzeitung

«Ohne Frühstück geht bei mir nichts! Am liebsten esse ich etwas Gesundes und Ausgewogenes, das mich lange satt hält. Mit einem Müesli aus Haferflocken und Milch oder Jogurt und frischen Früchten klappt das wunderbar. Auch mit einem selbst gemachten Birchermüesli, das ich saisonal abwechslungsreich ergänzen kann, oder mit Vollkonprodukten fühle ich mich leistungsfähig und fit. Am Wochenende und in den Ferien geniesse ich es, mir Zeit für einen ausgiebigen Brunch mit meinen Lieben zu nehmen. Bei Pancakes, Omeletten oder Rühreiern lässt es sich herrlich entspannt über Gott und die Welt reden.»

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Susanne Stettler

Freie Autorin

Foto:
Heiner H. Schmitt; Foodstyling: Doris Moser
Veröffentlicht:
Montag 05.03.2018, 09:31 Uhr

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