Gutschein

Sie: Gutscheine sind heikel. Als vor Jahren einer kurz vor dem Verfalldatum stand, fuhren wir auf den letzten Drücker an den Lago Maggiore. Das romantische Hotel war für zwei Jungverliebte ein Traum. Aber für die Familie, die wir mittlerweile geworden waren, mit einem Baby, das in jeder Kurve in hohem Bogen kotzte, war es suboptimal.

«

Hab ich ihn aus Versehen weggeworfen?»

Nach zwei runden Geburtstagen in unserem Leben haben wir einen hübschen Stapel an Geschenkgutscheinen. Ab und zu lese ich wieder die dazugehörigen Briefe und sichte die Gutscheine. Nicht dass da noch einer abläuft, ohne von uns eingelöst worden zu sein.

Ach, ich liebe Gutscheine! Dank eines solchen waren wir voriges Jahr etwa auf dem Stanserhorn. Wir wurden auch schon im Doppel massiert, weil Bekannte dachten, dass gleichzeitig genossene Knetkunst unsere Beziehung entspannen könnte. Und wir haben einige tolle Hoteltipps inklusive Übernachtungen geschenkt bekommen. Zum Beispiel für ein ziemlich exklusives Hotel im Schwarzwald. Dort möchte ich nun in den kommenden Wochen gern hin. Doch wo ist der Gutschein? Monatelang hing er an der Magnettafel in der Küche – jetzt ist er weg. Fort! Verschwunden! Was, wenn ich ihn aus Versehen weggeworfen habe? Das wäre schlimm und peinlich! Ich weihe Schneider ein, aber der reagiert wie immer: «Kein Stress, wird schon irgendwo sein. Warts ab.»
«Warts ab? Bis der Gutschein verfallen ist? Kommt nicht infrage. Wir suchen! Jetzt!»
«Und wo, bitte?», fragt Schneider, und nimmt sich ein grosses Stück Käse aus dem Kühlschrank.
«Na, dort sicher nicht!»

Er: «Sag mal, hast du den Gutschein vielleicht mit ins Büro genommen?», fragt mich Schreiber, die nervös unsere Magnettafel in der Küche absucht und danach sämtliche Schubladen aufreisst.
«Warum sollte ich Gutscheine ins Büro mitnehmen?» Selbst in die Besteckschublade schaut sie, dann sagt sie: «Ich rufe mal im Hotel an.»

«

Hört man auf, zu suchen, taucht es von selbst auf.»

Gute Idee. Ich geniesse derweil noch ein wenig vom köstlichen Hartkäse, der auf der Küchenablage steht, als Schreiber aus dem Arbeitszimmer ruft: «Duhu, weisst du die Nummer vom Gutschein? Die vom Hotel haben Kopien aller Gutscheine, aber nur mit Nummern und ohne Namen.»

«Unseren Namen wüsste ich», rufe ich zurück. Und dann kommt mir eine grossartige Idee: «Vergiss den Gutschein und buche ganz normal ein Zimmer. Du wirst sehen: Hört man auf, etwas zu suchen, taucht es von selbst auf.» So ging es zumindest mir mit meiner grossen Liebe.

 (Coopzeitung Nr. 33/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 15.08.2016, 16:01 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Oli Skyler antwortet heute
Fan und forsch
Habe Ihre Kolummne heute in de ... 
Veronica antwortet vor 2 Wochen
Die Velotortour
Besser Butterschnitte statt da ... 
Miguel de Antony y Maura antwortet vor 2 Monaten
Der längste Tag
Wie schon oft irrt sich Frau S ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?