Enthaaren mit der Zuckerpaste nennt sich in der Fachsprache Sugaring. Susan Meier (Bild) wendet diese Methode häufig an.

Haare weg!

Wenn Haare an den «falschen Stellen» wachsen, greifen wir zu unterschiedlichen Methoden, um den Pelz zu entfernen. Erst recht so kurz vor der Freiluftsaison.

Das Übel wird an der Wurzel gepackt. Mit einer Paste aus Zucker, Zitronensaft und Wasser.  Sugaring nennt sich die Methode, tönt süss, harmlos. Die Kosmetikerin trägt eine Portion gelbbraune Paste auf die behaarte Körperzone auf und arbeitet diese etwas ein. Es fühlt sich angenehm an; die Masse hat Körpertemperatur. Dann ein plötzliches Reissen. Die Expertin zögert nicht lang. Ruckzuck zieht sie mit gekonnten Bewegungen die klebrige Masse ab, in der jetzt die Haare mitsamt Wurzeln kleben. Autsch! Jetzt ist es nicht mehr so angenehm, der Schmerz beim Rupfen hält sich aber in Grenzen. «Beim ersten Mal spürt man am meisten, weil die grösste Anzahl von Haaren entfernt wird», erklärt Susan Meier, Kosmetikerin mit Höherer Fachprüfung. Nach einigen Anwendungen lasse der Schmerz nach, weil die Haare unterschiedlich lange brauchen, um nachzuwachsen und somit deutlich weniger und auch feiner werden, tröstet sie und führt die Behandlung fort. Die Haut ist jetzt etwas gerötet, das Ergebnis aber ist super. Schön glatte Haut – und das für ein paar Wochen.

Susan Meier, Vorstandsmitglied des Schweizer Fachverbands für Kosmetik, spricht beim Sugaring (Zuckern) von einer sanften Enthaarungsmethode. Sie führt diese Technik bereits seit sechs Jahren in ihrem Kosmetikinstitut mitten in Luzern durch und stellt eine verstärkte Nachfrage fest.

Blösse ist nichts Neues

Die Enthaarungsmethode auf Zuckerbasis hat ihren Ursprung im Orient. Schon Kleopatra soll sich die Haare mit einer Methode entfernt haben, die mit dem heutigen Zuckern vergleichbar ist. Damals wie heute galt ein haarloser Körper als ästhetisch. Davon zeugen beispielsweise Grabmalereien oder antike Vasen aus jener Zeit, die Menschen ohne jegliche Körperbehaarung zeigen. Natürlich hatte die Entfernung der Haare damals auch hygienische Gründe; man vermied so Parasitenbefall und Krankheiten. In islamisch geprägten Ländern hat die Haarentfernung zudem eine religiöse Bedeutung.

Unten ohne, bitte!

Es ist jeder Person selbst überlassen, ob sie sich enthaart. Fakt ist: Der soziale Druck ist gross. Bein- und Achselhaare werden heute als nicht gesellschaftstauglich betrachtet und mit der Behaarung negative Eigenschaften wie Ungepflegtsein assoziiert. Dieses Bild muss nicht immer richtig sein. Die Enthaarung hat sich aber in der Gesellschaft verankert und das Rasieren von Achseln und Beinen gehört zum Standardprogramm der Körperpflege. Je nach individuellem ästhetischen Empfinden enthaaren Frauen bis zu sechs Körperstellen – von den Armen über die Nase bis zur Scham. In dem Mass wie der Stoff, der unseren Körper bedeckt, weniger wurde, stieg auch der Enthaarungsdrang. «Bei jüngeren Frauen ist die Intimrasur schon länger ein Thema», erklärt die Kosmetikerin.

Je jünger desto mehr wird enthaart. Die Intimrasur ist sozusagen der neue Körperschmuck. Fast wie beim Coiffeur gibt es verschiedene «Frisuren» wie «Triangle» (Haardreieck auf dem Schambein), «Landing Strip» (schmaler Streifen, auch bekannt als «Ticket Métro») oder «Brazilian Cut» (Kahlschlag).

Ein haarloser Body ist längst nicht mehr nur Frauensache; auch der Mann macht sich immer öfter nackig – selbst unter der Gürtellinie. «Ein enthaarter Körper gilt als Schönheitsideal», stellt Susan Meier fest. Sie hat immer mehr männliche Kunden. «Heute muss sich kein Mann mehr genieren, im Kosmetikstudio die Komplettenthaarung zu buchen.»

Beratung schmerzt nicht

Welche Methode man wählt, und ob man sich die Haare selber entfernt oder sich eine Behandlung leistet, ist eine persönliche Entscheidung. Auf jeden Fall ist es nicht ungefährlich, den Pelz zu beseitigen. «Wenn man nicht hygienisch arbeitet, kann es zu Pickeln, eingewachsenen Haaren oder Entzündungen führen», warnt Susan Meier. Ihr Rat: Für empfindliche Zonen eine Fachperson aufsuchen und sich vergewissern, dass diese auf die Methode spezialisiert ist. «Je nach Verfahren braucht es eine Sonderausbildung.» Die Enthaarung kann sonst nämlich ganz schön schmerzhaft werden.

Schneiden, Rupfen, Zupfen

Bei der Enthaarung unterscheidet man zwischen kurzfristiger Depilation, beispielsweise mittels Rasur und Enthaarungscreme, und der langfristigen Epilation durch Wachs, Sugaring, Epiliergerät oder Laser, bei der die Härchen mitsamt der Wurzel entfernt werden.
Ein Überblick über verschiedene Methoden:

Rasur (nass/trocken)
Vorgehen: Man kann die Haare sowohl nass mit einer Rasierklinge, mit Schaum und Wasser, als auch trocken mit einem elektrischen Rasierapparat entfernen. Sind die Haare etwas länger, diese vorher mit der Schere etwas stutzen, damit die Klinge nicht verstopft. Darauf achten, an den Beinen gegen die Wuchsrichtung zu rasieren. In der Bikinizone in Wuchsrichtung rasieren, um Entzündungen zu vermeiden, und keine Trockenrasur. Unbedingt hygienisch arbeiten und nicht an den Klingen sparen, sonst besteht Enzündungsgefahr.

Geeignet: Beine, Achseln, Bikinizone.
Vorteil: schnell, einfach, nicht schmerzhaft, preiswert.
Nachteil: Nach ein bis zwei Tagen bilden sich bereits erste Stoppeln, daher bei starker Behaarung nicht besonders empfehlenswert. An gewissen Körperstellen wie Rücken mühsam zum Selberdurchführen.

Wachs (kalt/warm)
Vorgehen: Kaltwachs ist für den Heimgebrauch gedacht. Die Wachsstreifen zwischen den Handflächen leicht anwärmen, in Wuchsrichtung auf die zu enthaarenden Körperpartien pressen und ruckartig gegen Wuchsrichtung abziehen. Die Heisswachsbehandlung ist gründlicher und wird in der Regel von Fachpersonen ausgeführt. Die warme Masse umschliesst das einzelne Haar; durch die Wärme öffnen sich die Poren und das Haar lässt sich leichter entfernen. Wenn das Wachs abgekühlt ist, wird es mit einem Ruck abgezogen.

Geeignet für: Beine, Bikinizone, Augenbrauen, Achseln, Oberlippe.
Vorteil: auf grösserer Fläche anwendbar. Haare werden bis zur Wurzel ausgerissen. Enthaarung hält bis zu mehreren Wochen.
Nachteil: schmerzhaft, ausserdem muss abgewartet werden, bis die Haare lang genug nachgewachsen sind (5 bis 6 Millimeter), bevor das Waxing angewendet werden kann.

Body Sugaring
Vorgehen: Die Paste aus Zucker, Zitronensaft und Wasser wird gegen Wuchsrichtung auf die Haut gestrichen, dann wird ein Stoffstreifen druckvoll auf die Zuckermasse aufgelegt. Dadurch verbindet sich die Masse mit Haar und Wurzel und nimmt diese beim Abziehen in Wuchsrichtung mit. Alternativ kann die Zuckermasse auch ohne Stoffstreifen nur mithilfe der Finger abgezogen werden.
Geeignet für: alle Körperpartien, von Gesicht über Beine, Bauch bis zur Intimzone.
Vorteil: weniger schmerzhaft als eine Wachsepilation. Zuckerpaste ist ein Naturprodukt und gut verträglich. Wirkung hält einige Wochen. Mit Sugaring lassen sich bereits Haare ab zwei, drei Millimeter Länge entfernen.
Nachteil: klebrige Angelegenheit.

Epiliergerät
Vorgehen: Das Epiliergerät wird elektrisch betrieben und entgegen der Wuchsrichtung über die Hautoberfläche geführt, dabei werden die Haare durch die rotierenden Pinzetten direkt an der Wurzel entfernt. Abends epilieren, damit allfällige Rötungen über Nacht abklingen.

Geeignet für: Beine, bedingt Bikinizone.
Vorteil: superglattes Ergebnis, Haare werden mit der Wurzel entfernt. Die ersten Haare lassen sich meist erst nach Wochen blicken.
Nachteil: schmerzhafte Prozedur und zeitaufwendige Methode, kann zu eingewachsenen Haaren führen.

IPL-Lichttechnik
Vorgehen: IPL steht als Abkürzung für Intense Pulsed Light. Bei diesem Verfahren handelt es sich um eine Bestrahlung der Haut mit pulsierendem Licht. Das im Haar enthaltene Pigment Melanin, das dem Haar die Farbe gibt, nimmt das Licht auf und wandelt es in Hitze um. Die Hitze leitet sich bis zur Wurzel, die dadurch verödet wird. IPL-Geräte für den Privatgebrauch arbeiten oft energetisch niedriger als Blitzlampen, die in Kosmetikstudios benutzt werden.

Geeignet für: für alle Körperzonen von Achseln, Gesicht bis Pospalte. Bietet sich nicht an bei dunkler und sonnengebräunter Haut. Eine ideale Kombination ist dunkles Haar auf heller Haut.
Vorteil: effizient, schmerzfrei, lang anhaltende Haarentfernung. Nachwachsende Haare sind sehr
fein und dünn.
Nachteil: Da mehrere Behandlungen erforderlich sind, ist es eine kostspielige Angelegenheit, wenn man sich von Kosmetik-Profis behandeln lässt. Unsachgemässe Anwendung mit der Blitzlampe kann zu Rötungen führen.

Noch mehr Methoden finden Sie hier:

Enthaarungscreme
Vorgehen: Enthaarungscremes enthalten chemische Inhaltsstoffe, die die Haare knapp unter der Hautoberfläche auflösen. Wie bei der Rasur werden die Haare nur an der Hautoberfläche entfernt; die Haarwurzel wird nicht angegriffen. Einfach auftragen, ein paar Minuten einwirken lassen und wegschaben.

Geeignet für: Beine, Achseln.
Vorteil: schmerzfrei, schnell, preiswert.
Nachteil: Stoppeln nach einigen Tagen bis einer Woche. Hautreizungen möglich, teilweise unangenehmer Geruch.

Nadel-Epilation
Vorgehen: Die Nadelepilation wird auch als Elektroepilation bezeichnet und wird in Kosmetikinstituten von qualifizierten Fachkräften durchgeführt. Bei diesem Verfahren wird eine hauchdünne und sterile Nadel bis zur Haarwurzel geführt, wo sie mit einem feinen Stromimpuls die Wurzel zerstört.

Geeignet für: kleine Anwendungsbereiche wie Oberlippe.
Vorteil: dauerhafte Haarentfernung, auch bei blonden, grauen oder roten Haare anwendbar.
Nachteil: zeitlich sehr aufwändig. Mehrere Sitzungen sind nötig, weil jedes Haar einzeln behandelt werden muss. Teilweise schmerzhaft.

Laser
Vorgehen: Beim Lasern wird mit einem Strahl aus konzentriertem Licht das im Haar befindliche Melanin erhitzt, die Wärme führt zur Verödung der Haarwurzel. Das Licht des Lasers dringt tiefer in die Haut und das unterliegende Gewebe ein als IPL-Geräte und gehört daher in fachliche Hände.

Geeignet für: dunkle Haare auf heller Haut (helle oder weisse Härchen, denen das Melanin fehlt, können die Strahlung nicht aufnehmen), Achseln, Intimzone, Gesicht
Vorteil: schmerzfrei, dauerhaftes Ergebnis.
Nachteil: Haare, die sich im Ruhestand befinden, werden durch die Behandlung nicht erreicht und wachsen nach. Kostspielig, da mehrere Behandlungen bei einem Facharzt oder dafür ausgebildeten Fachpersonen nötig sind.

Bleichen (Bleaching)
Vorgehen: Das Bleichen ist keine Haarentfernungsmethode, sondern dem Haar wird durch das Bleaching nur die Farbe genommen. Dabei kommt ein sogenanntes Oxidationsmittel zum Einsatz. Dieses öffnet die Poren der Haut, sodass der Wirkstoff eindringen und dem Haar die Farbe entziehen kann.

Geeignet für: gut sichtbare Körperzonen (Kinn, Oberlippe, Arme).
Vorteil: schmerzfrei.
Nachteil: wirkungslos bei hellen Härchen, Einwirkzeit der Bleichcreme beachten, sonst kann es zu Verbrennungen oder Hautirritationen kommen. Nach ein paar Wochen wachsen die Härchen dunkel nach.

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Andrea Bleichcreme Körper, Fr. 19.95 (70g), Coop City.
 
 
Wilkinson Quattro for women Bikini, Fr. 17.70, Coop City.
 
 
IPL-Gerät von Philips Lumea SC 1991/00. Erhältlich bei Fust.

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Frage der Woche

Körperhaare - Rasur oder Natur?

«

Was kommt bei Ihnen besser an? Rasierte Beine, Achseln und Intimbereich? oder sind Sie eher der Naturtyp, der den Haaren freien Wachstum gewährt?»

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Yvonne Pini-Fertsch

Redaktorin

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 23.03.2015, 18:14 Uhr

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