Halali! Auf der Jagd

Immer mehr Frauen und junge Leute gehen auf die Jagd. Die Suche nach unberührter Natur und einer ursprünglichen Welt spielt dabei auch eine Rolle.

Einfach losballern? Das gibts nicht! Wer jagen will, hat einiges vor sich. Die Ausbildung ist anspruchsvoll. 

In der Schweiz gibt es zwei Systeme, die Patentjagd und die Revierjagd. Bei der Patentjagd löst man ein Patent und darf damit im Kanton jagen. Bei der Revierjagd pachtet eine Gruppe von Jägern ein bestimmtes Gebiet für eine gewisse Zeit. Bei beiden gilt: keine Jagd ohne bestandene Prüfung. Der Weg dorthin ist kein Spaziergang. Die Kantone haben die Ausbildung unterschiedlich organisiert, je nachdem sind Jagdverbände, Jagdschulen oder die Kantone selbst verantwortlich dafür. Die Ausbildung dauert zwischen anderthalb und zwei Jahren.

Aber das Basislehrmittel ist überall gleich. Das Buch heisst «Jagen in der Schweiz – auf dem Weg zur Jagdprüfung» und es hat gewichtige 340 (!) Seiten. Und was dort drinsteht, muss man können. Herausgeber ist die Jagd- und Fischereiverwalterkonferenz. Unter der Internet-Adresse jageninderschweiz.ch findet man die jeweiligen Webseiten der verschiedenen Kantone mit Infos zur Jagd und der Prüfung. Während der Ausbildung lernt man bespielsweise, wie man Jagdhunde einsetzt. Ein Jäger braucht ebenso viel praktisches Wissen über die Natur und Wildtiere. Dazu kommt der richtige Umgang mit Munition und Waffen, der gelernt sein will. Die Schiessausbildung ist wichtig, damit ein Tier nicht wegen Fehlschüssen leiden muss. Nicht zuletzt dient die fachgerechte Handhabung auch der eigenen Sicherheit und der von anderen Menschen.

Am Ende der Ausbildung gibt es eine kantonale Fähigkeitsprüfung in Theorie und Praxis. Der Nachweis von Hegeleistungen, das heisst die Pflege der Lebensräume des Wildes, gehört auch dazu, wenn man die Jagd ausüben will. Und in Zukunft braucht es in allen Kantonen einen jährlichen Treffsicherheitsnachweis.

 

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Aalstrich Dunkler Strich auf dem Rücken von Hirsch- und Gamswild und mancher Hunde

abliebeln Einen Hund für gute Arbeit loben und streicheln

Beihirsch Schwächerer Hirsch

brechen starkes Wild zieht hörbar, Schwarzwild wühlt im Boden

faseln der Hund sucht herum ohne Fährte zu finden

Gamshüter Nebel Losung Kot des Wildes, ausser bei Greifvögel

orgeln Schreie des Rothirsches in der Brunft

Rotte Gesellschaft von Schwarzwild

Schweiss Blut von Wild

wurzeln Dachs nimmt Nahrung auf

Das vollständige Dokument mit allen Jägerbegriffen zum downloaden
 

Rezepte

Das Rezept für: Hirsch-Saltimbocca als PDF zum downloaden
Das Rezept für: Hirschstreifen Jägerart als PDF zum downloaden

Die beliebtesten Fotosujets im Wallis? Da gibt es viele: das Matterhorn natürlich, den Aletschgletscher – und Kerstin Kummer aus Bitsch. Das könnte an ihren engelhaften, blonden Haaren liegen oder an den hübschen Augen. Doch es hat auch damit zu tun, dass diese schöne, junge Frau ein Gewehr trägt. Dazu olivgrüne Tarnkleidung und schwere Wanderschuhe. Es ist wohl dieser Gegensatz, der die Touristen zweimal hinschauen lässt. Ist sie unterwegs zur Jagd, wird sie oft gefragt, ob sie sich für ein Erinnerungsfoto zur Verfügung stellt, gern auch mit dem Deutschen Jagdterrier Hera, einem der beiden Familien-Jagdhunde. So ist es auch diesmal. Eine Gruppe von Touristen möchte sie fotografieren. Kerstin Kummer posiert freundlich, der Hund ist ebenfalls nett. Was man nicht von allen Terriern behaupten kann. Doch Kerstin Kummer ist auch nicht einfach irgendeine junge Frau. Sie wurde vom Fachblatt «Schweizer Jäger» zur Jägerin des Jahres 2015 gewählt, zur Botschafterin der Jagd. Das passt zum Trend, dass immer mehr Frauen auf die Jagd gehen. Von den rund 30 000 Jägern in der Schweiz sind es etwa fünf Prozent, mit steigender Tendenz. «Das Interesse an der Jagd steigt bei der jüngeren Generation generell, unabhängig vom Geschlecht», stellt Hanspeter Egli fest. Er ist der Präsident von «Jagd Schweiz», dem Dachverband der unzähligen Jagdvereine. «Die Zahl der Jungjägerinnen nimmt seit Jahren zu.» Die Gründe dafür sieht er einerseits im generellen Trend hin zur Natur. «Und es entspricht dem gesellschaftlichen Wandel, dass sich Frauen zunehmend für das jagdliche Handwerk interessieren, das traditionell hauptsächlich von Männern ausgeübt wurde.» Frauen jagen jedoch nicht anders als Männer, so Egli. «Soweit ich erfahren konnte, sind die Unterschiede in der Jagdausübung nicht geschlechterspezifisch. Die Unterschiede sind weit mehr von den regional unterschiedlichen Traditionen und dem Charakter der einzelnen Personen abhängig.» 

Wie sind die Aussichten? Kerstin Kummer zieht am frühen Morgen los, vom Dorf Riederalp zum nahen Riederhorn.

Wie sind die Aussichten? Kerstin Kummer zieht am frühen Morgen los, vom Dorf Riederalp zum nahen Riederhorn.
http://www.coopzeitung.ch/Halali_+Auf+der+Jagd Wie sind die Aussichten? Kerstin Kummer zieht am frühen Morgen los, vom Dorf Riederalp zum nahen Riederhorn.

Pflanzenfresser oder Raubtier? 

Aber die Wahl von Kerstin Kummer hat nicht nur Begeisterung ausgelöst. «Ich habe auch böse Briefe und Anrufe bekommen von Gegnern der Jagd», erzählt die 22-Jährige, während sie, kein bisschen ausser Atem, einen steilen Abschnitt in Riederalp hochläuft, in einem wirklich flotten Tempo. Mit Kritik geht sie offen um: «Man muss nicht einer Meinung sein, aber anständig miteinander reden können.» 

«

Wir jagen vor allem Hirsche, weil wir sie gerne essen.»

Kerstin Kummer, 22, Jägerin

Laufen, laufen, laufen: Auf der Jagd braucht es viel Ausdauer.

Laufen, laufen, laufen: Auf der Jagd braucht es viel Ausdauer.
http://www.coopzeitung.ch/Halali_+Auf+der+Jagd Laufen, laufen, laufen: Auf der Jagd braucht es viel Ausdauer.

Nicht alle befürworten die Jagd. Die Kritiker sehen den Menschen als Pflanzenfresser. Die Jagenden betrachten ihn als Raubtier, das Fleisch isst und jagt wie etwa ein Wolf. Aber es ist nicht so, dass Kerstin oder ihre Familie – ausser der Mutter gehen alle auf die Jagd – immer mit Beutetieren heimkommen, im Gegenteil. Jägerin des Jahres ist sie nicht geworden, weil sie viel geschossen hat. Um Trophäen geht es ihr auch gar nicht, sondern darum, in der Natur zu sein und die Ursprünglichkeit der Landschaft zu erleben, auch ohne erlegtes Tier. «Ich finde es gut, dass die Tiere immer die Möglichkeit haben, den Jäger zu überlisten», sagt die junge Frau. Das geschieht oft. Als sie mit 18 begann, sich für die Jagd zu inte-ressieren und mit ihrem Vater und den drei Brüdern auf die Pirsch ging, gab es lange keinen Abschuss. «Erst dann weiss man, was die Jagd ist», erklärt sie. «Das Ausnehmen und der Transport sind viel anstrengender als die Jagd selber. Man trägt ja noch das Gewehr und einen Rucksack.» Ihre Fitness kommt nicht von ungefähr. Danach wird das Tier dem Wildhüter gezeigt, er nimmt es auf in die Statistik. Zum Zerlegen kommt es zum Metzger. Das erste Tier, das sie als Jägerin geschossen hat, war ein Hirsch, ein sogenannter Kronen-12er, etwas Besonderes. «Ich hatte Glück. – Wir jagen vor allem Hirsche, weil wir sie gerne essen», erzählt Kerstin, die auch einen nicht alltäglichen Beruf gewählt hat: Sie ist Glasbläserin und stellt Gefässe für den chemischen Bedarf her. Eine Arbeit, die so viel Gefühl und Genauigkeit erfodert wie das Schiessen. Sie findet es wichtig, die Treffsicherheit zu trainieren: «Man hat eine Verpflichtung, dass man dem Tier unnötiges Leid erspart und es mit einem Schuss erlegen kann.» Kerstin macht gerne Schiessübungen. Und sie verzichtet lieber mal auf einen Schuss, auch wenn es gesetzlich erlaubt wäre. Die Gesetze, was man schiessen darf und was nicht, sind komplex und dienen der Erhaltung des Tierbestandes. Man muss zum Beispiel auf die Form des Geweihs achten, oder darauf, ob ein Tier trächtig ist, und das Gewicht abschätzen. Es gibt auch geschützte Arten wie den Luchs.

 
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Wildhüter Imhofs Revier ist riesig

Dass alles mit rechten Dingen zugeht, darüber wacht der Wildhüter. Stefan Imhof ist in der Nähe des Jagdgebietes der Familie Kummer für einen grossen Landstrich verantwortlich. «Er reicht von Bister bis Niederwald, bis ans Jungfraujoch und an die italienische Grenze. 350 Quadratkilometer», erklärt der 43-Jährige und fügt lächelnd hinzu: «Vielleicht komme ich bis zur Pensionierung überall hin.» Je nach Saison gibt es Verschiedenes zu tun. Neben administrativen Tätigkeiten ist er viel draussen unterwegs. «Im Frühling machen wir eine Bestandesaufnahme des Wildes. Wie viele sind durch den Winter gekommen? Gibt es Krankheiten? Welche?» Räudige Füchse werden zum Beispiel geschossen. Der Wildhüter schaut auch, wer so alles unterwegs ist im Wald und ob die Leute Illegales machen. Doch seit einigen wenigen, aber skandalträchtigen Fällen von Wilderei im Wallis ist das ein schwieriges Thema … Und mit dem Wolf hat Imhof auch schon Bekanntschaft gemacht – von Weitem. «Um den mache ich mir keine Sorgen», meint er. «Wölfe sind scheu, man bekommt sie kaum zu Gesicht.» Die Schäfer sind da vielleicht anderer Meinung. Noch ein schwieriges Thema … Es kommt eben auf die Sichtweise an. Imhof schweigt diplomatisch und lässt sich von Kerstins Vater Fendant einschenken. So ein Glas hilft auch bei schwierigen Themen und schliesslich arbeitet Stefan Imhof heute nicht, sondern ist zum Essen in die Jagdhütte eingeladen. Auf dem Grill brutzelt Schweine- und Rindfleisch. Das Wild hat heute Glück gehabt.

Nach der Jagd: Kerstin in der Hütte der Familie, die sie auch vermieten.

Nach der Jagd: Kerstin in der Hütte der Familie, die sie auch vermieten.
http://www.coopzeitung.ch/Halali_+Auf+der+Jagd Nach der Jagd: Kerstin in der Hütte der Familie, die sie auch vermieten.

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Katalin Vereb

Redaktorin, Kolumnistin

Foto:
Heiner H. Schmitt, Christoph Kaminski, Beatrice Thommen-Stöckli, zVg
Veröffentlicht:
Dienstag 15.09.2015, 00:00 Uhr

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