Seine Cowboys sind weltweit bekannt: Hannes Schmid.

Hannes Schmid: «Die Slum-Bewohner werden Bio-Farmer»

Engagiert Weltweit bekannt ist er als Fotokünstler. Im Vordergrund steht heute aber sein Engagement für «Smiling Gecko» in Kambodscha.

Mit Backstage-Aufnahmen von Musikern, Modefotografie und seinen Marlboro-Cowboys wurde Hannes Schmid (68) zum international gefragten Fotokünstler. Nun unterstützen Schweizer Topstars sein Hilfswerk mit einem Benefizkonzert im Zürcher Hallenstadion.

Wie kam es zu diesem Engagement für die Menschen in Kambodscha?
Den Ausschlag gaben meine Kinder. Ich habe einen 12-jährigen Sohn und eine 15-jährige Tochter. Wenn ich sehe, wie gut es ihnen in der Schweiz geht und wie arm die Kinder in den Slums von Phnom Penh dran sind, muss ich einfach etwas tun, um diese Ungerechtigkeit zu lindern. Dort leben 30 000 Kinder, die sich jeden Tag von Abfall ernähren, keine Schule besuchen können, keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, keine Rechte und nicht einmal sauberes Wasser!

Welchen Bezug haben Sie zu dem Land?
Ich war 1972 zum ersten Mal dort. Bald darauf übernahmen die Roten Khmer die Macht, die in den vier Jahren ihrer Schreckensherrschaft zwei Millionen Menschen nicht einfach umgebracht, sondern regelrecht abgeschlachtet und die Kulturschätze dieses Landes zerstört haben. Später bekam ich Fotoaufträge von der Paraplegiker-Stiftung und Pro Infirmis – da habe ich gelernt, soziale Verantwortung zu übernehmen. Als Fotograf dokumentierte ich das Schicksal eines Mädchens, dessen Gesicht mit einem Schweissbrenner entstellt worden war, um es als «Bettelpuppe» verkaufen zu können.

Was hat dieses schockierende Erlebnis ausgelöst?
Zuerst kam ich dahinter, dass dies kein Einzelfall ist. In Phnom Penh werden jährlich 200 bis 300 Kinder mit Batteriesäure verätzt, damit sie Mitleid erregen. Ich zog darauf in die dortigen Slums und versuchte, die Armut der Menschen zu lindern, indem ich Reis verteilte. Das war aber ebenso wenig nachhaltig wie die ersten Versuche, Hühner- und Fischfarmen aufzuziehen, um für diese Menschen Verdienstmöglichkeiten zu schaffen. Erst mit dem in der Schweiz anerkannten gemeinnützigen Verein «Smiling Gecko» ist dies gelungen. Auf 25 Hektaren Land betreiben frühere Slum-Bewohner heute eigenständig Bio-Farmen, die nicht nur selbsttragend sind, sondern dazu die medizinische Versorgung und Schulbildung der Kinder finanzieren.

 
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Immer dabei: Eine Rolleiflex für die Fotografie.

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Hilfe vor Ort – wäre das nicht auch eine Antwort auf die aktuelle Flüchtlingswelle?
Absolut. Die Flüchtlingsströme aus armen, krisengeschüttelten Ländern in unsere reiche und stabile Welt werden mit Sicherheit zur Dauererscheinung, wenn wir nicht endlich mehr dafür tun, dass die Menschen in ihren Herkunftsländern ein besseres Leben führen können. Die UNO sagt, dass allein in Asien 87 Millionen Kinder und Jugendliche keine oder kaum eine Bildung haben, schlecht ernährt sind und teilweise krank. Wenn wir nichts ändern, wird in 20 Jahren ein Drittel der Menschheit nicht arbeiten können oder keine Arbeit finden und auch kein Geld haben, um unsere Produkte zu kaufen. Da wäre es auch aus ökonomischer Sicht in unserem ureigensten Interesse, zur Verbesserung ihrer Situation beizutragen.

Wie kam es nun zu dem Benefizkonzert, das diese Woche stattfindet?
Als ich Ringier-Chef Marc Walder von dem Hilfsprojekt erzählte, war er begeistert und meinte: «Wir sollten etwas machen, damit dein Verein bekannt wird und viel Geld bekommt!» Raiffeisen, Swisscom und Hallenstadion AG sicherten ebenfalls ihre Unterstützung zu. Die Künstler – Göla, Gotthard, Pegasus und Seven – treten alle ohne Gage auf. Den Eintritt haben wir mit 50 Franken angesetzt, damit ihn sich möglichst viele Familien leisten können. Ich hoffe, dass wir damit so viel Begeisterung wecken, dass «Smiling Gecko» auch weiterleben wird, wenn ich nicht mehr da bin.

Werden Sie bei diesem Anlass wieder Konzertfotos machen wie früher?
Nein, davon habe ich mich zu weit entfernt. Ich fotografiere nur noch, wenn ich ein Thema habe wie in Kambodscha, wo ich Bilder für ein Buch und eine Kunstausstellung mache – alles analoge Schwarz-Weiss-Fotografie.

«

Ich muss einfach etwas tun, um diese Ungerechtigkeit zu lindern.»

Sie beschäftigen sich auch mit Malerei und interaktiver Kunst. Wie kam es dazu?
Die fotorealistischen Cowboy-Gemälde waren meine Antwort darauf, als sich der US-Künstler Richard Price 2003 meine Fotos aneignete, ohne dass ich eine echte Chance gehabt hätte, meine Urheberrechte einzuklagen. Die Interaktivität erlaubt, viele Menschen anzusprechen – nicht zuletzt für mein Hilfswerk. Mit der Installation «Momentous» in Peking konnte ich im vergangenen Jahr innert sechs Wochen 30 Millionen Chinesen erreichen.

Was ist für Sie ein gutes Bild?
Ich sage immer: Es gibt kein schlechtes Bild, es gibt nur Bilder, die nicht passen. Bei einem Hobbyfotografen ist eigentlich nur wichtig, dass sie ihm selbst gefallen. Ein Berufsfotograf muss die Erwartungen seiner Auftraggeber erfüllen. Viele Filme habe ich nach dem Entwickeln höchstens noch mit der Lupe überflogen. Schliesslich wusste ich, was drauf war. Mich hat immer vor allem der Weg zum Bild interessiert, dass ich meine Mode- und Werbeaufnahmen inszenieren konnte und nicht wie beim Rock’n’Roll warten musste bis etwas passierte …

Farbe und Pinsel für die Malerei.

Farbe und Pinsel für die Malerei.
Farbe und Pinsel für die Malerei.

Wie denken Sie über die Veränderungen, welche die digitale Fotografie gebracht hat?
Das ist einfach eine ganz andere Welt! Für mich ist Fotografie eine Kamera – Spiegelreflex oder nicht – mit einem Film – Farbe oder schwarz-weiss. Das verlangt noch ein anderes Wissen, denn man kann das Resultat nicht sofort überprüfen. Dann gibt es die sogenannte Digigrafie, in der es primär um das Sammeln von Bildern mittels Handy oder iPad geht. Täglich werden auf diese Art mehr Schnappschüsse gemacht als analoge Bilder in der gesamten Geschichte der Fotografie!

Wie empfinden Sie das?
Das ist ein anderer Zeitgeist. Da geht es nicht um das Bild an sich, sondern um Kommunikation. Man hängt es nicht an die Wand, sondern stellt es ins Netz und zwar meistens, um sich selbst zu präsentieren.

Vier Daten im Leben von Hannes Schmid

1968 Auswanderung nach Südafrika, wo er die Fotografie für sich entdeckt.

1993 Nach Rockstars und Mode fotografiert er zehn Jahre lang Cowboys für die Marlboro-Werbung.

1998 Hochzeit mit der chinesischen Künstlerin Hillary. Kinder Anna (15) und Maximilian (12).

2012 Mit seinem Nachbarn Nick Rütimann (53) gründet er die Hilfsorganisation «Smiling Gecko».

Offizielle Website von Hannes Schmid »

Musiker, Mode und Marlboro

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Fotorealistisches Gemälde, Öl auf Leinwand.

Sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen in Südostasien haben unsere Hilfe verdient, ist der Schweizer Künstler Hannes Schmid überzeugt. Er hat zusammen mit Dominique Ruetimann unter dem Namen «Smiling Gecko» einen gemeinnützigen Verein gegründet, der im kriegsgeschundenen Kambodscha bereits wertvolle Hilfsarbeit leistet – aktuell mit dem Aufbau eines grossen Landwirtschaftsprojektes für Familien aus den Slums von Phnom Penh.

Offizielle Webseite »

Impressionen aus Kambodscha

Spenden

Verein Smiling Gecko
c/o Niedermann Rechtsanwälte, 8008 Zürich
PostFinance Konto: 61-325384-6
IBAN: CH48 0900 0000 6132 5384 6
BIC: POFICHBEXXX

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski, Hannes Schmid
Veröffentlicht:
Montag 21.09.2015, 18:46 Uhr

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