Happy End?

Sie: Erst will Schneider jahrelang keine Kurse besuchen, doch jetzt, da er lernt, wie ein Drehbuch funktioniert, will er mit mir über nichts anderes mehr reden! Das nervt. Und das sag ich ihm auch. Direkt ins Gesicht. Was ihn freilich überhaupt nicht erschüttert.

 
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«Grossartig!», sagt er. «Grossartig?», frage ich verunsichert nach. «Hast du mich richtig verstanden?» «Aber natürlich. Ich gehe dir auf die Nerven mit meiner Begeisterung für Drehbuchtheorien. Das ist toll, denn wer sich einig ist, ist langweilig. Harmonie bringts nicht.» «Im Film, meinst du?», will ich wissen.

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Wir leben doch nicht im Wilden Westen.»

«Genau! Ein guter Film braucht Konflikte. Sie schaffen Spannung und Relevanz!» «Dir ist doch hoffentlich bewusst, dass wir in der Realität leben, in der wundervoll harmonischen Schweiz und nicht auf der Leinwand im Wilden Westen?», frage ich zaghaft. «Film oder Leben, wo ist da der Unterschied? Wer kein Ziel hat, hat keinen Konflikt.» «Aha. Du hast also ab sofort Ziele, damit du auch Konflikte hast?» Er strahlt mich an: «Du, das macht echt Spass, mit dir über meinen Kurs zu sprechen!» Also, ich nenn das nicht Spass, sondern Beziehungsarbeit, damit ich nicht durchdrehe, während er Drehbücher schreibt.

Er: Superspannend, wie ein Drehbuch aufgebaut ist! Und die Hauptregel dabei: keine Szene ohne Konflikt! Ist ja klar. Sonst geht die Handlung nicht vorwärts. Wer will schon Leuten zuschauen, die sich gut verstehen? «Ich, zum Beispiel», meldet sich Schreiber. «Harmonie gefällt mir!» «Nicht im Film», antworte ich. «Ach, hätten wir doch zusammen den Atemkurs gemacht», schnaubt Schreiber, während ich im Kopf diese Szene schon in eine Filmsequenz übersetze. Es wird Zeit, dass ich ihr erkläre, was es mit Konflikten auf sich hat: «Weisst du, letztlich geht es ja darum, dass ein Protagonist seine Ziele erreicht. Also, dass der Mann die Frau seiner Träume kriegt.»

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Mir scheint, bei ihr ist grad der Film gerissen.»

«Nun, das ist dir im richtigen Leben ja gelungen», strahlt Schreiber. «Es geht doch nicht um mich! Der Held im Film muss Konflikte lösen und Hürden überwinden.» «Aha. Und wohin führt das alles?» «Natürlich zum Ende.» «... der Beziehung?» «Aber, nein! Zur Lösung. Zum Showdown. Das ist doch logisch.» «Also führt es zum Happy End? So wie bei uns beiden!» «Theoretisch schon», sage ich, «aber das wäre auf der Leinwand total langweilig.» Da blickt mich Schreiber irritiert an. Mir scheint, bei ihr ist grad der Film gerissen.

 (Coopzeitung Nr. 31/2015) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 27.07.2015, 15:27 Uhr

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