Anuk Steffen vor den Bergen um Chur.

Heidi? Anuk ist Anuk geblieben

Eben wurde «Heidi» in Berlin als bester Kinderfilm prämiert. Anuk Steffen spielte das Mädchen, das so viel zum Ruhm der Bündner Berge beigetragen hat. Wir treffen sie in Chur. 

Fräulein Rottenmeier wäre hochzufrieden: Das Mädchen aus dem Bündnerland sitzt artig am Tisch, die Haare hat es fast perfekt gebändigt und das Rahmkrönchen seiner Chocolat mélange führt es säuberlich mit dem Löffelchen zum Mund. Also nichts mit Ausschlürfen direkt aus der Schale, wie es Heidi im Film zuerst oben beim Alpöhi und dann auch im noblen Frankfurter Haushalt machte. Zum Entsetzen von Fräulein Rottenmeier und zum Staunen von Clara.
Wir sind aber nicht in Frankfurt, sondern in Chur, und das Mädchen am Bistrotisch ist die elfjährige Anuk Steffen, welche vor zwei Jahren im Heidifilm die Hauptrolle spielte.

Heidi im leichten Röcklein auf der Bündner Alp mit Geissenpeter. 

Heidi im leichten Röcklein auf der Bündner Alp mit Geissenpeter. 
http://www.coopzeitung.ch/Heidi_+Anuk+ist+Anuk+geblieben Heidi im leichten Röcklein auf der Bündner Alp mit Geissenpeter. 

Ein Mädchen, zwei Welten

Anuk und Heidi unterscheiden sich, natürlich. «Punkto Schlafen ist Heidi ganz anders als ich», sagt Anuk. «Heidi reicht eine Wolldecke. Ich habe es gern kuschelig.» Die Fünftklässlerin hat auch noch nie im Heu geschlafen.
Trotz sommerlicher Temperaturen will Anuk bei unserer Begegnung in Chur statt im gut frequentierten Garten des Lokals B12 lieber im fast leeren Innenraum mit uns reden. Ihrem Vater Georges Steffen ist das nur recht. Zu viel Trara um Tochter Anuk ist nicht im Sinn der Steffens. Sie unterstützen Anuk darin, dass sie die zwei Welten nicht durcheinanderbringt, dass sie sich und Heidi klar auseinanderhält. Und das tut sie. Sie mag es gar nicht, wenn Passanten auf sie zeigen und sagen: «Da, das Heidi». Sie ist Anuk! Daran ändert auch ein Filmpreis nichts.
Das Schlürfen übrigens musste Anuk für den Film nicht extra üben. Als sie sieben war, hat sie sich oft Milch in ein Schüsselchen geschüttet und sie ausgeschlürft. Vielleicht weil ihr die Mutter kurz vorher das Heidibuch vorgelesen hatte. Anuk hat dann auch die Heidi-Kassetten gehört und später den japanischen Heidi-Zeichentrickfilm gesehen. Doch die Heidi-Kinofilme hat sie sich «extra nicht» angeschaut. «Ich wollte den früheren Heidis nichts nachmachen.» 

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Punkto Schlafen ist Heidi ganz anders als ich.»

Anuk Steffen (11), «Heidi»-Darstellerin

Mit Ziegen hatte Anuk vor den Dreharbeiten nicht gross zu tun gehabt. Sie wohnt in Chur, und obwohl die Bündner Hauptstadt laut Anuk «von Bergen umzingelt ist», ist sie ein Stadtmädchen, erfrischend direkt und munter zwar, aber auch ganz normal. Sie kann sich sogar vorstellen, in einer Grossstadt zu wohnen, aber sie bleibt gerne in Chur. «Wir haben einen kleinen Hund, und für den wäre eine Grossstadt nichts», erfahren wir. Und schon zeigt Anuk auf ihrem Handy ein Foto ihres Kromfohrländers Anatole. Und dann erzählt sie von den Ziegen, mit denen sie beim Drehen zu tun hatte, und dass Ziegen zwar ihren Kopf und Willen haben, aber auch ganz herzig seien, etwa so wie Katzen.

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In Frankfurt am Tisch mit Clara und dem strengen Fräulein Rottenmeier.  

Erfrischend und energisch

Später einmal will Anuk einen Beruf lernen, bei dem man mit Menschen zu tun hat, vielleicht Journalistin. Da es ihr viel Spass gemacht hat, beim Heidifilm mitzumachen, würde sie gern nochmals einen Film drehen, aber jetzt steht die Schule im Vordergrund. Zudem hat sie viele Hobbys: Kürzlich hat sie angefangen, Harfe zu spielen, sie backt viel, geht in die Pfadi und liest gern: richtige Bücher und E-Books auf dem Kindle. Das klingt ganz so, als ob ihre Eltern erfolgreich dafür gesorgt haben, dass Anuk nicht abhebt – trotz vieler Medientermine und Anlässe rund um den Film. Sie habe daheim zwar das grösste und oberste Zimmer im Haus, von dem aus sie die Berge sehe, aber gewiss nicht, weil sie neben den beiden älteren Brüdern «der Star» sei. Ihre Freundinnen hätten es «megacool» gefunden, sie im Film zu sehen, und eifersüchtig seien sie sicher nicht gewesen.
Sie kann sich auch wehren, wenn ihr eine Frage nicht passt. Als ich wissen will, ob sie sich in den Jungen, der den Geissenpeter spielte, verliebt habe, schimpft sie, und will wissen, wieso sie das immer gefragt werde. Tja, Journalistinnen … Dass jeder Beruf seine Tücken hat, merkte Anuk auch bei den Dreharbeiten zum Film. Sie erzählt, wie kalt es im Sommer 2014 gewesen ist. «In dem Röcklein, das ich trug, hätte jede gefroren, du auch», sagt sie. Auch Vater Georges Steffen erinnert sich an die grosse Kälte: «Auf 1900 Metern Höhe waren alle von der Crew dick in Faserpelze gehüllt – nur Anuk trug dieses leichte Röckli! Zum Glück ist sie recht robust.»
Da hat ihr doch sicher wenigstens die dunkle Lockenperücke warm gegeben? «Ich hatte keine Perücke!», sagt sie energisch. «Sie haben mir Dauerwellen gemacht!» Mittlerweile sind ihre Haare wieder glatt und hellbraun. Wie gesagt, sie ist ganz klar wieder Anuk.

Unter freiem Himmel

Vom 5. Juli bis 27. August findet das von Coop als Hauptsponsor unterstützte «Luna Open Air Cinema» statt. An 13 Standorten der Deutschschweiz können Sie Kinohits der letzten Monate sowie ältere Klassiker sehen. Der preisgekrönte Schweizer Film Heidi von Alain Gsponer wird an der Coop-Hello-Family-Night gezeigt: 15. Juli in Luzern, 16. in Aarau,17. in Arbon, 22. in Kreuzlingen, 23. in Zofingen, 24. in Wohlen (AG), 29. in Murten, 30. in Zug, 31. Juli in St. Gallen und 13. August in Uster.

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Kein Wunder, hat sie die Heidi-Rolle bekommen. Anuk Steffen (11)  ist erfrischend direkt  und ja, auch herrlich normal. Wir treffen die Fünftklässlerin in Chur. Ihre Eltern, Georges und Helene Steffen sorgen dafür, dass Anuk nicht zu sehr abhebt und auch die Schule hat gut reagiert. Die Klasse schaute sich den Film zusammen an, Anuks Leistung wurde gewürdigt, doch zu viel Trala gab es in der Bündner Hauptstadt nicht. 
 

Wohnst du hier in Chur?
Anuk: Ja. Wieso fragen mich alle immer, wo ich wohne?

Man will dich mit Heidi vergleichen, will wissen, was gleich ist und was anders.
Punkto Schlafen ist Heidi ganz anders als ich: Eine Wolldecke reicht ihr. Ich habe es gern kuschelig. Im Heu habe ich noch nie geschlafen. 

Wie hast du es mit den Bergen?
In Chur sind wir ja umzingelt von Bergen. Ich gehe gern wandern. 

Könntest du dir vorstellen, weit weg von den Bergen zu wohnen?
Vorstellen kann ich es mir schon. Aber ich bleibe gerne hier. Wir haben einen kleinen Hund, und für den wäre eine Grossstadt nichts.

Schon zeigt Anouk auf ihrem Handy ein Foto ihres Kromfohrländers Anatole.

Siehst du die Berge von deinem Zimmer aus?
Ja, ich habe das grösste und oberste Zimmer im Haus.

Aber nicht, weil du der «Star» bist?
Nein, schon vorher!

Du hattest die Geschichte von Heidi sicher schon gekannt, bevor du die Rolle gespielt hast. Hast du das Buch selber gelesen oder als Film gesehen?
Mama las mir das Buch vor, als ich sechs Jahre alt war. Dann hörte ich die Kassetten und sah den Zeichentrickfilm, in dem Heidi einen Hund hat.

Die richtigen Heidifilme hast du nicht gesehen?
Nein, extra nicht, ich wollte den früheren Heidis nicht nachmachen.

Wie kamst du zur Rolle?
Zuerst musste man zwei Bilder von sich schicken und Fragen beantworten, dann durfte ich mich vorstellen. Bis klar war, wer die Rolle bekommt, gab es sieben Runden.

Wie lange dauerten die Dreharbeiten?
Ab Ende Sommer 2014 gab es 50 Drehtage, manchmal musste ich in der Schule fehlen und dafür mit meinen Eltern lernen.

Wie war das denn beim Drehen? Was war schwierig?
Anuk: Es war in dem Sommer sehr kalt. In dem Röcklein, das ich trug, hätte jede gefroren, du auch.

(Vater Georges Steffen: Zum Glück ist Anuk recht robust. Wir machten auch Fotos: Auf 1900 Metern Höhe waren alle von der Crew dick in Faserpelze gehüllt – nur Anuk trug dieses leichte Röckli …  )

Hat dir wenigstens die Perücke warm gegeben?
Ich hatte keine Perücke! Sie haben mir Dauerwellen gemacht! Dann haben sie meine Haare geschnitten und dunkel gefärbt.

Kanntest du dich schon vorher aus mit Ziegen?
Eigentlich nicht. Ziegen haben ihren eigenen Kopf, aber Angst muss man vor ihnen nicht haben. Sie sind eher wie Katzen, ganz herzig.

Welche Szene war am lustigsten? Das Milchsuppe schlürfen mit Klara?
Das war lustig, das musste ich nicht extra üben, denn mit sieben habe ich mir ab und zu Milch in ein Schüsselchen geschüttet und sie ausgeschlürft.

Dann hast du gern Milch?
Ja, aber Geissmilch ist schon speziell. Für die Filmszenen haben sie sie mit Kuhmilch ein bisschen feiner gemacht.

Du hattest viele Szenen mit Peter, Klara und dem Alpöhi. Welche gingen am leichtesten?
Eigentlich alle. Am Anfang war ich einfach ziemlich aufgekratzt und kribbelig. Aber mit der Zeit konnte ich mich gut konzentrieren.

Wie reagierten deine Freundinnen darauf, als sie dich im Film sahen?
Sie fanden es megacool.

Sie waren nicht eifersüchtig?
Nein, überhaupt nicht!        

Hat sich dein Leben seit dem Film verändert?
Meine Eltern haben mir geholfen, die zwei Welten nicht durcheinander zu bringen. Ich bin Anuk und im Film spiele ich Heidi. Und ich finde es blöd, wenn Leute auf mich zeigen und sagen: Da, das Heidi!

Würdest du das Ganze gern nochmals erleben?
Ja, sehr gern! Es hat Spass gemacht! Aber jetzt habe ich wieder Schule und alles.

Was machst du in der Freizeit?
Ich habe angefangen, Harfe zu spielen, dann backe ich viel, gehe in die Pfadi und lese gern: richtige Bücher und auf dem Kindle.

Willst du jetzt Schauspielerin werden?
Nein, eher Journalistin. Jedenfalls will ich einen Beruf lernen, bei dem man mit Menschen zu tun hat.

Wenn in der Schule jetzt ein Theaterstück aufgeführt würde, bekämst du die Hauptrolle?
Nein, und wir spielen auch seit der vierten Klasse kein Theater mehr.

Hast Du Dich in den Jungen, der den Geissenpeter spielte, verliebt?
Nein. Überhaupt, wieso werde ich das immer gefragt?

Mir wäre die Frage selber nicht eingefallen, aber mein Sohn schlug sie vor, nachdem wir den Film zusammen angeschaut hatten. – Was würdest du denn so ein Mädchen fragen, das in einem Film gespielt hat?
Da muss ich jetzt überlegen. Du hast ja auch mehr als nur zwei Sekunden Zeit gehabt, um deine Fragen vorzubereiten!

Stimmt. Lassen wir Anuk alle Zeit! Wir werden sicher noch von ihr hören – oder lesen

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Eva Nydegger

Redaktorin der Coopzeitung

Foto:
Joseph Khakshouri
Veröffentlicht:
Montag 06.06.2016, 16:00 Uhr

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