Heringsfang

Zelten hat mehr als nur einen Haken.

Sybil Schreiber: Endlich sind wir vier wieder beisammen, die Familien-Ferien auf dem Campingplatz am Lago Maggiore beginnen. Unser Standort ist ganz hinten, dort, wo keine wuchtigen Wohnmobile mehr stehen. Durchs Schilf am Ufer hören wir sogar die Wellen plätschern. Ein paar Pinien entfernt steht ein weiterer VW-Bus. Zwei junge Frauen winken uns freundlich zu.
Wir laden aus und bauen das Buszelt auf. Übung haben wir, es sollte ohne Krise klappen.
Während die Kinder das Gelände erkunden, packen wir Grossen an, begleitet von Adriano Celentano, der von 24 mila baci singt. Ach, Italien, mein Sehnsuchtsland!

«

Diesmal machen wir alles richtig, Übung haben wir ja.»

Wir breiten das Zelt aus, fädeln die Stangen ein, zwinkern uns zu und wissen: Diesmal machen wir alles richtig.
Das nenn ich Camping!
Die beiden jungen Frauen lachen und rufen: «Ihr seid wohl Profis!» Ja, wir sind auf bestem Weg dazu.
Ruck-Zuck-Ziehen, das Ding steht!
Ich stütze die Konstruktion, während Schneider zum Hammer greift und die Heringe einschlagen will.
«Wo sind die Heringe?»
Gute Frage.
«Hattest die nicht du als Letztes in der Hand, als wir daheim zelten waren?», frage ich.
«Ich? Nein du! Du hast doch gepackt.»
Wo auch immer die Dinger sind: Das ist jetzt echt der Hammer!

Steven Schneider: Schreiber hat die Heringe vergessen: «Ich dachte, die im blauen Säcklein gehören zum alten Zelt», flüstert sie geknickt.
Ich marschiere an die Rezeption: keine Heringe. Im Supermercato: keine Heringe. An der Bar: keine Heringe. Vergisst die auf der Welt sonst niemand? Muss ich jetzt Stecken schnitzen?
Dampfend stampfe ich zurück, vorbei an Wohnmobilen, gigantischen Zeltanbauten, spektakulären Dachklapp-Zimmern.

«

Wollte ich jemals campieren? Nein. Schreiber wollte das!»

äre es nach mir gegangen, würden wir bei meinen Verwandten im Friaul einen Aperitif im Garten trinken, danach in weichen Betten schlafen.
Nach einer Viertelstunde – Schreiber hat den weitläufigsten Camping am See ausgesucht – erreiche ich unseren Platz.

Sehe ich richtig? Da steht ein Zelt an unserem VW-Bus. Dann höre ich Gelächter. Schreiber sitzt mit unseren zwei Nachbarinnen am Boden und trinkt ... einen Aperitif!
«Wo warst du? Komm auch, Heike und Dörte hatten noch Heringe übrig. Das Aufbauen ging mit ihnen übrigens viel besser als mit dir.»
Die drei Frauen grinsen.
Super, fängt ja toll an! Ich marschiere zurück zur Bar. Aperitif trinken geht nur mit mir und Ramazotti auch viel besser!

 (Coopzeitung Nr. 31/2014)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 21.07.2014, 00:00 Uhr

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