Herr Öpper aus Ungefähr

Es gibt ein rätselhaftes und praktisches Familienmitglied.

Sybil Schreiber: Ich bin in Eile, sollte noch rasch mit unserem Hund eine Runde drehen, bevor ich zum Bus wetze. Das wird knapp, er fährt in 20 Minuten. Ich öffne unseren Schrank, will nach der Leine von Lilla greifen und fasse ins Nichts. Mist, wo ist die Leine?

«

Ich möchte ihn endlich mal kennenlernen.»

Schneider sitzt im Arbeitszimmer. «Sag mal, hast du die Leine gesehen?», frage ich ihn ungeduldig. Er zuckt mit den Schultern. «Du warst doch gestern Abend mit Lilla unterwegs. Dann hast du sie auch irgendwohin gelegt. Also, wer hat die Leine?» Schneider schaut mich an und sagt: «Ich nicht, öpper halt!» Schon wieder! Unser Herr Öpper. Hat jemand das Klopapier aufgebraucht und nicht ersetzt, dann war das natürlich Herr Öpper. Will ich wissen, wer im Garten alle Kissen im Regen liegen gelassen hat, dann waren das nicht die Kinder, nein, Schuld daran trägt Herr Öpper, der es einfach vergessen hat. Herr Öpper geht bei uns ein und aus. Ich möchte diesen Typ endlich mal persönlich kennenlernen. Doch dafür ist jetzt keine Zeit, deshalb sage ich zu Schneider: «Du, der Hund muss dringend raus. Aber Herr Öpper hat vorhin angerufen und gesagt, er könne heute nicht.» So wie ich. Sollte ich öpper, äh, öfters mal machen.

Steven Schneider: Schreiber hat entdeckt, dass sich in unserer Familie ein Herr Öpper herumtreibt. Interessant. Natürlich nimmt sie das wörtlich und macht eine grosse Geschichte um diesen Herr Öpper. «Schiebt nicht alles dem armen Kerl in die Schuhe», sagt sie dann.

«

‹Herr Öpper› ist bei ihr ‹Herr Jemand›»

Sie merkt jedoch nicht, dass Herr Öpper auch ihr zur Seite steht. Bloss heisst er bei ihr nicht Herr Öpper, sondern – da meine Bayerin ein gepflegtes Deutsch spricht – eben Herr Jemand. Und dieser Typ («Kann bitte jemand den Tisch abräumen?» – «Holt jetzt jemand endlich die Butter?») hat sich nicht nur dreist in unseren inneren Kreis geschlichen, nein, er nimmt auch alles nicht so genau: «Für dich hat jemand angerufen», sagt Schreiber etwa. «Aha.» «Ja, irgendein Herr Fischer aus Würenlos.» «Kenne ich nicht», sage ich. «Er kennt aber dich.» «Meinst du vielleicht einen Bächli aus Würenlingen?» «Ach, jetzt wo dus sagst, ja, Bächli.» Stimmt. Sie nimmt es nicht so genau. Wenn sie sagt: «Karin Meier ist übermorgen in Brugg», dann kann das genauso heissen: «Katrin Müller ist morgen in Baden.» Bei ihr ist alles so ungefähr, irgendwie halt, relativ in etwa. Kurz: Schreiber nimmt es nicht so genau. Ausser, wenn es um Herrn Öpper geht.

(Coopzeitung Nr. 35/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 26.08.2013, 09:07 Uhr

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