Hm … oder Hmmm

Schneider: Schreiber hat die Begabung, Dinge, die sie an mir stören, auf zielführende Weise mitzuteilen.
«Hm», sagte sie vor einem Jahr mehrmals, wenn ich beim Ankleiden nur in der Unterhose neben ihr im Bad stand. Kein geniesserisches Hm, nein, ein nachdenkliches Hm. «Soll ich wieder mal neue Unterhosen kaufen?»
«Warum nicht. Aber …»

«

ünn bin ich nicht geworden, nur etwas ranker.»

Und nach diesem Aber folgte, was ihr wirklich auf der Zunge lag: «Aber, weisst du, wir sollten schauen, dass wir uns nicht gehen lassen.»
Deutlicher musste sie nicht werden, der Blick in den Spiegel war eindeutig: Um Unterhosen ging es nicht. Ich war zu schwer.
Das Geniale an ihrer Kommunikationstaktik: Sie sagte nicht: «Du bist mir zu dick», und zudem bezog sie sich selber gleich mit ein.
Ich empfand also keinen Vorwurf, sondern Solidarität und fühlte mich motiviert. Nicht gleich, doch nach einigen Wochen Hms begann ich, mich wieder mit Brennwerten von Lebensmitteln auseinanderzusetzen und verlängerte die täglichen Spaziergänge mit unserem Hund. Langsam verringerte sich die Zahl auf der Waage. Dünn bin ich nicht geworden, bloss etwas ranker. Und anderes hat sich auch verändert: Der Klang, den Schreiber jetzt, wenn sie mich ansieht, dem Wörtchen Hmmm gibt.

Schreiber: Ich klicke die E-Mail von dem mir bis zu diesem Moment unbekannten Alfred Z. an und lese: «Mensch Schneider! Veröffentlichen Sie nun Ihre Konfirmations-Fotos in der Coopzeitung oder haben Sie abgenommen und man muss sich Sorgen machen? Denn bei uns im Bernbiet sagt man: ‹E Maa ohni Buuch isch wi nes Buurehuus ohni Granium!›»
Ich muss schmunzeln. Dann rufe ich Schneider: «Schau mal, was uns jemand geschrieben hat!» Er liest und lacht aus voller Brust. Ich tätschle seinen Bauch: «Du hast auf den neuen Fotos in der Zeitung aber schon ein bisschen die Luft angehalten, gell?»
«Ich glaube, es ist eher das weisse Hemd, das schlank macht.»
«Hm, jedenfalls gefällst du mir!»

«

Ein, zwei Kilos loszuwerden, wäre gut.»

Schneider strahlt, dann druckst er herum: «Aber was, wenn ich irgendwann wieder Bauch tragen sollte?»
Ich muss lachen: «Meine Liebe zu dir nimmt nicht ab, wenn du zunimmst!»
«Und die Lust?»
Gute Frage! «Wäre das bei dir denn so?», will ich wissen.
Er blickt mich mit seinen blauen Augen an: «Du sagst zurecht, wir sollten uns nicht gehen lassen. Wie sieht es bei dir aus? Glücklich mit deinem Gewicht?»
Jetzt druckse ich herum. «Hmmm, jaaa, sooo la la. Sagen wir mal: Es wäre gut, ein Kilo mindestens zwei Mal loszuwerden.»

 (Coopzeitung Nr. 40/2016) 

Mehr zu den Kolumnisten unter: www.schreiber-schneider.ch

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 03.10.2016, 15:30 Uhr

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