Höhenkoller

Schreiber: Unsere erste richtige 2-Tages-Bergtour mit den Kindern und Hüttenübernachtung. Was bin ich stolz! Endlich lernen unsere Kinder die Pracht und die Kraft der Berge kennen. Nah am ewigen Eis – fern von Handyempfang und Shoppingmeilen. Den Aufstieg am Vortag haben sie locker gemeistert. Und heute? Wir sitzen beim Frühstück – alle noch zerzaust von der Nacht im Massenlager. Während wir heisse Schokolade schlürfen, fallen mir meine Wandererlebnisse ein: «Einmal mussten wir umdrehen, weil eine Steinbockherde den Weg versperrte.» Die Kinder sind beeindruckt. «Und dann ist euer Grossvater mal fast in eine Lawine gekommen.» Es war zwar nur ein Schneebrett, aber «fast eine Lawine» ist bildlicher. «Ich hab mal im Nebel komplett die Orientierung verloren und musste auf allen vieren krabbeln, weil ich kein Gleichgewichtsgefühl mehr hatte.»

«

Hoffentlich übertreibt Schneider nicht masslos. »

Schneider hört interessiert zu, dann sagt er: «Wollt ihr wissen, was ich alles erlebt habe?» Ich blicke Schneider streng an. Hoffentlich übertreibt er dabei nicht masslos. Zur Sicherheit packe ich für den Abstieg Trostmaterial in Form von Nussgipfeln ein. Unsere Kinder sollen schliesslich schöne Erinnerungen an ihre erste Bergtour haben. 

Schneider: Warum erzählt Schreiber aus ihrer dürftigen Bergwander-Vergangenheit? Wen will sie damit beeindrucken? Mich?Ich habe den GR20 auf Korsika in den Beinen, den E5 von Oberstdorf bis Verona, die slowenische Alpentransversale, den GR5 in Südfrankreich und einige Mehrtäger in der Schweiz und Neuseeland. «Auf Korsika wars heiss, staubtrocken und an einer Stelle, da gings senkrecht ins Loch runter. Meine Wanderkameradin mussten wir Schritt für Schritt führen. Die war total fertig.»

«

Habe ich zu dick aufgetragen?»

Schreiber seufzt. «Ein anderer Wanderkollege, ein Draufgänger, ist in Slowenien auf einem Schnee-Couloir ausgerutscht und mit hohem Tempo unten in die Felsen geprallt. Alles voll Blut!» Die Kinder schauen mich entgeistert an. Noch entgeisterter blickt Schreiber. Habe ich zu dick aufgetragen? Sie schnippt mit den Fingern und sagt: «So, fertig anziehen und Abmarsch.» Doch die Kinder rufen: «Papa, erzähl weiter. Ist er gestorben?» «Kopfschwartenriss. Er hat überlebt.» Die beiden atmen auf. Schreiber aber zischt: «Gehts noch blutrünstiger?» Ja, es ginge, aber wenn ich ihren Gesichtsausdruck sehe, dann erzähle ich erst unterwegs weiter. Die Kinder lieben das. Fast mehr als Schreibers süsse Lockmittel.

 (Coopzeitung Nr. 39/2014)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 22.09.2014, 12:01 Uhr

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