Für ein Kaninchen sind gute Zähne überlebenswichtig: Im Notfall muss es unters Messer.

Hoppeli hat keinen Biss mehr

Dieses Kaninchen ist ein Angsthase: Hoppeli will in der Praxis seine Zähne partout nicht zeigen. Dabei hätte es eine Behandlung dringend nötig. Sein Gebiss ist krumm und schief. 

Das Kaninchen wollte nicht stillhalten. Immer wieder stiess es sich mit seinen Hinterbeinen ab und die Assistentin hatte alle Mühe, es festzuhalten. «Etwas ist mit seinen Zähnen, doch kann ich unmöglich sehen, was. Darf ich Ihr Kaninchen ruhigstellen?» Die Besitzer bejahten und ich wog den Angsthasen. Die Spritze war schnell gesetzt und nun hiess es warten. Langsam sank sein Kopf ins Heu, doch kaum wollte ich Hoppeli berühren, zog er den Kopf wieder hoch und versuchte, wegzuhüpfen. Endlich lag er auf der Seite. Die Zeit bis zum Einschlafen nutzten wir, um die Zahninstrumente auszupacken.

Maulsperre, Zahnfeile, Licht und Trennscheibe waren das benötigte Material. Beim Versuch, das Maul zu öffnen, hatte ich schon Probleme. Seine oberen Schneidezähne bogen sich nach hinten und die unteren schauten gerade heraus. Letztere waren abgebrochen und zersplittert. «Ihr Kaninchen hat eine Zahnfehlstellung. Da sich seine Zähne lebenslang abwetzen müssen, müssen sie gegeneinander reiben. Bei einer Zahnfehlstellung ist das nicht möglich.» Weil Hoppeli nicht richtig fressen konnte, war er mager. Zudem hatte er sein Hinterteil völlig verschmutzt. Er konnte mit den überlangen Zähnen auch seinen Blinddarmkot nicht mehr aufnehmen. Während ich ihm vorne die Zähne schliff und feilte, wurde er hinten herum gewaschen und geschoren. Durch seine schrägen vorderen Zähne waren auch die hinteren Backenzähne falsch abgenutzt worden: ein Teufelskreis.

Als Erstes wurde sein Menüplan umgestellt. Salat, feines Heu, Nagestängel und hartes Brot wurden gestrichen. Zu Beginn durfte er noch einen speziellen Heu-Brei fressen. Dann erhielt er nur noch grobes Heu, Laubholz und wenige Rüebli. «Da Kaninchenzähne lebenslang wachsen, muss Hoppeli alle ein bis zwei Monate nachschneiden kommen.» Wir sprachen noch über die Möglichkeit, ihn von einem Tier-Zahnarzt die Schneidezähne ziehen zu lassen. «Die Zahnwurzeln wachsen quer durch Hoppelis Schädel. Dies ist eine aufwendige Operation, doch Hoppeli hätte dann Ruhe vor dem zweimonatlichen Zähneschleifen.» 

Bei den ersten Kontrollen klagten die Besitzer: «Hoppeli will sein Heu nicht fressen. Stundenlang bettelt er nach seinem alten Fressen.» Sie mussten lernen, dass Kaninchen durchaus einen eigenen Willen haben und schwierig umzuerziehen sind. Dann schien er sich daran zu gewöhnen. Mit kurzen Zähnen nagte er gerne frische Haselruten. Kaum wurden seine Zähne länger, liess er die Ruten liegen. Jedes Mal, wenn er die Karotten ebenfalls liegen liess, wurde Hoppeli wieder für das Zähneschleifen eingepackt und vorbeigebracht.

 (Coopzeitung Nr. 22/2014)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 26.05.2014, 15:20 Uhr

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