Seit 2011 hat Tania Gfeller als Önologin die Verantwortung für die fünf Weingüter der Stadt.

Hüterin der Stadtweine 

Keine Stadt besitzt mehr Rebberge als die Stadt Lausanne: Jährlich werden zwischen 300 000 und 400 000 Flaschen Wein produziert. Als Önologin steht mit Tania Gfeller eine junge Frau am Ruder.

Es ist Erntezeit in Mont-sur-Rolle VD. Tania Gfeller, Önologin der Weingüter der Stadt Lausanne nutzt ihren Besuch auf dem Weingut Abbaye de Mont für einen Schwatz: «Ich mag diesen Kontakt», sagt sie. Obwohl «nur» Önologin, verfolge sie alle Aktivitäten – von der Arbeit in den Reben über die Lagerung bis zur Vermarktung und dem Verkauf des Weins. «Die Arbeit ist vielseitig und verlangt Interesse für alles.»
Die Liebe zum Wein wurde Tanja Gfeller (35) nicht in die Wiege gelegt. Geboren wurde sie in Frankreich, dem Land, das ihre Eltern wählten, nachdem sie Chile 1978 nach dem Staatsstreich von Pinochet verlassen hatten. Mit 13 kam Gfeller in die Schweiz. «Meine Erstausbildung habe ich in der Hotellerie absolviert. Dabei hatte ich Kontakt zu Sommeliers, später auch zu Winzern, was die Lust auf eine Ausbildung in diesem Bereich weckte.»

Klassisch verzögert
Ihren Wunsch setzte sie mit 24 in die Tat um. «Ich begann mit einem einjährigen Praktikum bei Didier Joris in Chamoson VS, gefolgt von einer Ausbildung in Changins VD.» Der klassische Werdegang, wenn auch etwas verzögert. «So wie das oft der Fall ist – ausser bei Töchtern und Söhnen von Winzern.»
Seit August 2011 arbeitet die junge Önologin für die Stadt Lausanne. Die Arbeit gefällt ihr «extrem gut». Sie sei sich bewusst, dass sie nur ein Glied der ganzen Kette sei. «Wir versuchen, den historischen Gütern Seele zu geben und Kontinuität zu gewährleisten, indem wir sie nicht zu stark prägen, bevor wir sie an die Nachfolger übergeben. Sie gehören nicht uns.»
Dennoch bewegt man sich: in Richtung biodynamische Bewirtschaftung. Das gilt zumindest bei den beiden La-Côte-Weingütern. «Ich hoffe, dass wir auch hier auf Abbaye de Mont in den nächsten zwei Jahren so weit sind.» Bei den drei Weingütern im Lavaux seien die Voraussetzungen etwas anders: «Die Geländebeschaffenheit macht das Ganze etwas komplizierter.»

2014: Besser als gedacht
Mit ihren fünf Gütern auf insgesamt 33 Hektaren ist die Stadt Lausanne die grösste öffentliche Rebbergbesitzerin der Schweiz. Produziert werden jährlich zwischen 300 000 und 400 000 Flaschen. Und, oh Wunder, der Jahrgang 2014 kündigt sich ziemlich gut an: «Sehr viel besser, als wir aufgrund des schlechten Sommers befürchtet hatten. Alles in allem haben die Reben nicht allzu stark gelitten.» Hier im Abbaye de Mont seien die Ernten recht gut. «Bei einer roten Rebsorte hatten wir zwar ein paar Probleme mit der Kirschessigfliege. Mit den kühlen Nächten ist es aber besser geworden.»
Speziell an Gfellers Arbeitgeber ist auch, dass der grösste Teil des Weins an der traditionellen Auktion verkauft wird, die jeweils am zweiten Samstag im Dezember stattfindet. «Zwei Drittel bis drei Viertel der Produktion werden an diesem Tag innert weniger Stunden verkauft.» Gehandelt wird in Litern, geliefert wird der Wein in den im Weingut etikettierten Flaschen. «Die Abfüllung der gesamten Produktion erfolgt im Weingut. Wir erlauben keine Abholung in Grossbehältern.»

Die Produkte der Winzergenossenschaften stehen nicht im Fokus vieler Weingeniesser. Eigentlich erstaunlich, denn überall in Europa sind Genossenschaften ein wichtiger Bestandteil der Weinwirtschaft und liefern Weine in allen Qualitätsstufen und Preislagen. In Deutschland zum Beispiel stehen die Winzergenossenschaften für rund ein Drittel der Weinerzeugung. Die grösste Genossenschaft Frankreichs, Val d'Orbieu, bewirtschaftet selbst 17 000 Hektar Rebland – mehr als die gesamte Rebfläche der Schweiz – und hat zusätzlich 2500 Traubenlieferanten. Einer der bekanntesten Weine von Val d'Orbieu ist die Cuvée Mythique, die bei unseren Kunden sehr beliebt ist. Auch in der Schweiz liefern Genossenschaften wie die Cave de Genève ausgezeichnete Weine, die auch regelmässig Prämierungen gewinnen.

Jan Schwarzenbach, Önologe 

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Foto:
Patrick Gilléron Lopreno
Veröffentlicht:
Montag 13.10.2014, 21:45 Uhr

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