Der Jätroboter erkennt Unkraut durch eine Kamera und zerstört es. Kein Wunder, stiess der Prototyp am 5. Schweizer Bio-Ackerbautag in Brütten ZH auf grosses Interesse. 

Ideen für die Zukunft

Das Bio-Segment ist in den letzten Jahren ständig gewachsen. Wohin soll die Reise führen?

Bio ist in. 2015 betrug der Marktanteil von Bio-Produkten in der Schweiz 7,7 Prozent und ist damit erneut gestiegen (vgl. Grafik unten). Global gesehen ist Bio hingegen eine Nische. Doch wäre mehr möglich? Mit der Zukunft des Bio-Landbaus befasst sich insbesondere das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) mit dem Diskussionspapier «Bio 3.0». «Das Fernziel ist eine zu 100 Prozent nachhaltige Landwirtschaft», erklärt Urs Niggli, Direktor des FiBL und Mitautor des Papiers. Wie das gehen soll? Die Erfahrungen des Bio-Landbaus könnten noch stärker in die konventionelle Landwirtschaft einfliessen, etwa punkto Verzicht auf Pestizide und Dünger aus Erdöl. Und Bio kann noch rascher wachsen, wenn mehr modernes Wissen den jungen Bauern den Einstieg attraktiver und weniger risikoreich macht. So kann Bio weltweit einen grösseren Beitrag zu einer nachhaltigen Landwirtschaft leisten.
Der Weg dorthin ist aber noch weit. Einen imaginären Blick in die Zukunft wagt Bio Suisse mit dem jüngst veröffentlichten «Jahresbericht 2035». So könnte beispielsweise eine Abgabe auf den Einsatz von Pestiziden und Mineraldüngern eingeführt sein, die nach dem Verursacherprinzip erhoben wird. Dadurch wird es für Bauern attraktiver, auf Nützlingsförderung oder Klee in der Fruchtfolge zu setzen. Für die Umwelt ist das gut – einerseits wird sie direkt weniger belastet, andererseits kann der Staat mit den Einnahmen den Umweltschutz fördern. Ebenso könnten Züchtungserfolge dem Bio-Landbau Auftrieb geben. Bio Suisse wünscht sich beispielsweise neue Qualitäts-Kartoffelsorten, die resistent gegen die Kraut- und Knollenfäule sein sollen.
Auch der technische Fortschritt soll stärker genutzt werden, findet Urs Niggli: «Man muss Innovationen gegenüber offen sein, sie jedoch kritisch hinterfragen und schliesslich verantwortungsvoll einsetzen.» Beispielsweise habe man dank der Nanotechnologie die Möglichkeit, Verpackungen zu entwickeln, die Produkte länger haltbar machen. «Wenn so weniger Lebensmittel verderben, ist das ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit – und Ernährungssicherheit.»
Technische Innovationen machen es auch möglich, die Anbaufläche einerseits zu vergrössern und andererseits deren Bewirtschaftung zu optimieren. Das ist für Landwirte attraktiv. Bio Suisse schreibt im «Jahresbericht 2035» über einen Jätroboter, dessen Einsatz nicht nur den Arbeitsaufwand für die Bauern verringere, sondern auch die Bodenqualität verbessere und sich positiv auf die Biodiversität auswirke.

Wiederholter Erfolg

«Bio 3.0 soll wieder das auslösen, was in den 90er-Jahren passierte», hofft Urs Niggli. Damals stiegen Grossverteiler in den Bio-Markt ein und verbesserten die Logistik, um die Bio-Produkte vom Bauern zum Konsumenten zu bringen. «Das war ein entscheidender Beitrag zur Verbreitung von Bio», sagt Niggli. Der wachsende Markt war Anreiz für die Landwirte, auf Bio umzustellen. Ideen für künftige Impulse sind in der Bio-Szene vorhanden. Und womöglich kann die Vision von Bio Suisse für 2035 wahr werden: «Jedes zweite Ei ist ein Bio-Ei».

Hier finden Sie die Tat Nr. 173
Hier finden Sie alle Taten auf einen Blick

Am 01. Dezember 2016 findet in Bern am Kulturkasino die Tagung „Bio 3.0“ statt

Inhalt
Das Schlagwort Bio 3.0 schwirrt durch Medien und Köpfe.
Wie produziert, verarbeitet und isst die nächste Generation?
Referate, Workshops und Diskussionen zum Thema für Produzenten, Verarbeiter, Händler und Konsumenten.
Alle Informationen zur Tagung "Bio 3.0 - Visionen für die Biobranche und den Biokonsum"

 

Mit Bio zu einer modernen nachhaltigen Landwirtschaft (PDF)
Bio Suisse Jahresbericht 2015-2035 (PDF)

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.










Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Noëmi Kern

Redaktorin

Foto:
zVg
Veröffentlicht:
Montag 15.08.2016, 08:41 Uhr

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?