Im Bann des Horu

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Schreiber: Wir logieren in Zermatt im historischen Hotel «Monte Rosa», weil hier der Erstbesteiger des Matterhorns wohnte, Edward Whymper. Schneider hatte sich das gewünscht.

Als wir ankommen, führt er mich in einen Salon: «Hier in diesem Raum beschlossen Whymper und seine Kameraden am Abend des 12. Juli 1865, noch in der Nacht zum Matterhorn aufzubrechen, um einer italienischen Seilschaft zuvorzukommen. Ein fataler Entscheid.»

«

Ich bin beeindruckt von Schneiders Wissen.»

Wir beziehen unsere Zimmer, er studiert im Gang die Schwarz-Weiss-Fotografien an den Wänden, auf denen Bergsteiger zu sehen sind.

«Du, jetzt wird unten gleich Kaffee und Kuchen in der Stube serviert», drängle ich. Bevor wir es uns an einem Tisch gemütlich machen, bleibt Schneider an
einem Bücherregal hängen. «Wahnsinn, alles über die Erstbesteigung!»

Ich setze mich, löse Kandis im Earl Grey auf und schaue im Reiseführer nach, wo wir zu Abend essen könnten. Schneider kommt und legt ein dickes Buch auf den Tisch: «Handelt von Edward Whymper.»

«Und das willst du etwa jetzt lesen?», frage ich. «Genau!», strahlt Schneider.

Da stellt sich nun doch die Frage, wer hier mit wem Ferien macht: Ich mit Schneider oder Schneider mit Whymper?

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Schneider: Ich bin im Bann der Bergsteiger. Im Hotel entdecke ich überall Dokumente von Edward Whymper und seinem lebensmüden Gipfelrennen. Schreiber nimmt das nur am Rande wahr, sie widmet sich der näheren Zukunft und redet dauernd vom Abendessen: «Hier gibts ein Sushi-Restaurant, ich flipp aus!»

Ich habe viel mehr Appetit auf Vergangenheit. Darum spaziere ich nach der etwas angespannten Teatime zum Bergsteigerfriedhof neben dem Hotel. Friedhöfe faszinieren mich, Grabsteine erzählen Geschichten: In loving memory of Freda Currant who passed in a fuller life from the Matterhorn at dawn of august, 6th 1936. Aged 24. Mich fröstelt. Es sind viele junge Menschen am Matterhorn abgestürzt.


«

Wieso riskierten sie ihr Leben für den Gipfel?»

Was trieb sie hoch? Wieso riskierten sie ihr Leben für den Gipfel? Was war ihr erster Gedanke am Morgen des Todestages? Was ihr letzter, als sie scheiterten?

In der Dämmerung taucht Schreiber auf und sagt leise: «Erschreckend und zugleich faszinierend. Aber wir sind doch nicht nach Zermatt gekommen, um im Jenseits zu schwelgen, oder?»

Ich schon. Aber wie beim Bergsteigen hänge ich in diesen Ferien mit Schreiber am selben Seil. Um den Absturz zu vermeiden, sage ich weise: «Also, lass uns Sushi essen.»

Schreiber vs. Schneider live mit ihrem Programm «Mein Leben als Paar»: 22. Februar Dinnerlesung Casinotheater Winterthur ZH, 24. Februar Weinfelden TG, 25. Februar Niederwil AG.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Die besten Kolumnen als Buch: «Mein Leben als Paar» erhältlich auf der Website von Schreiber und Schneider.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 05.02.2018, 09:00 Uhr

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