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Für das Peeling werden ausschliesslich Walliser Produkte verwendet: edles Traubenkernöl sowie -kleie, - mehl und -trester.
 


Therapeutin Nadja Engel meint es gut mit mir: Vor dem Peeling erhitzt die 28-Jährige die braune Masse. «Alles andere wäre doch gemein!», findet die Walliserin.

Mit kreisenden Bewegungen trägt die Masseurin das warme Peeling auf. Jetzt heisst es: geniessen!
 

Nach der 25-minütigen Reinigung darf das Traubenkernöl noch etwas einziehen. Danach gehts unter die Dusche, damit ich das Badewasser nicht verschmutze.

Bei der Vinotherapie in der Alpentherme Leukerbad kommt tatsächlich Rotwein mit in die Wanne.

Ich bade in einer Mischung aus Reben- und Traubensaft, Salz und Traubenkernöl. Das soll die Haut beleben und den Körper entspannen. Tut es auch – zusammen mit einem Glas Walliser Dôle.

Nicht erschrecken! Die schwarzen Partikel am Wannenrand kommen vom Badezusatz und bedeuten nicht, dass Sie wiedermal gründlich duschen sollten.

Nach dem rund 20-minütigen Bad geht es weiter mit der Traubenkernöl-Massage. «Rücken und Nacken sind die Problemzonen», weiss die Vinotherapeutin. Auch für diese Anwendung erhitzt sie das Öl vor dem Auftragen.
 

Schade, schon vorbei. Doch bei diesem Blick auf die Walliser Bergwelt kann man wunderbar die Seele baumeln lassen.

«Die Vinotherapie ist kein Marketinggag!», sagt Dr. Peter Gündner. Der Anti-Aging-Experte, der die letzten zehn Jahre das Alpen Med Spa Center in Leukerbad geleitet hat, weiss: «Natürliche Fruchtsäuren beugen der Hautalterung vor.»

Im Wein liegt die Schönheit

In beiden Disziplinen ist unsere Journalistin unschlagbar: Entspannen und Weintrinken. Fällt beides zusammen, umso besser. Doch ist die Behandlung so verheissungsvoll, wie 
sie klingt? Ein Selbstversuch.

Um Ihre Vorfreude gleich mal zu trüben: Wer bei Vinotherapie an ein exzessives Gelage, gepaart mit einem opulenten Bad im Rotwein denkt, liegt grottenfalsch. Vielmehr geht es nämlich um die Kraft der Traubenkerne, denen eine vitalisierende Wirkung zugesprochen wird. Ob das stimmt? Ich mache mich auf nach Leukerbad, um dort die  ewige Jugend zwar nicht zu suchen, aber vielleicht doch zu finden. Eine Vinotherapeutin hilft mir dabei. 

 
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Der Wein gehört dazu

Die Geschichte der Weintherapie reicht zurück bis in die Antike. Hippokrates behandelte etwa Magen-Darm-Beschwerden mit Wein. Und Hildegard von Bingen war im Mittelalter überzeugt: Äus-sere Schönheit kommt von innen. Die Klosterfrau wies als Erste auf den Zusammenhang zwischen seelischem und körperlichem Wohlbefinden hin – und schwor auf «gelöschten Wein». Der wurde aufgekocht, mit einem Schuss Wasser versetzt und in kleinen Schlucken getrunken. Als Einschlafhilfe und Rezept gegen schlechte Laune. Die verfliegt übrigens spätestens beim Zusammentreffen mit Nadja Engel. Die 28-jährige Frohnatur erklärt mir die drei Behandlungselemente, die etwas moderner sind als damals zu Frau von Bingens Zeiten. Auch wenn das Traubenkernöl zur Hautpflege bei den wohlhabenden Damen schon damals hoch im Kurs stand. «Das Traubenkern-Peeling bringt die Zellerneuerung in Schwung, das Traubensaft-Salz-Bad entspannt und die Traubenkernöl-Massage belebt», erklärt mir die Expertin. Und was ist mit Wein? «Der gehört natürlich mit dazu!», sagt sie lachend. «Den Wallisern wird schliesslich nachgesagt, dass sie schon mit Promille im Blut auf die Welt kommen.» 

Ein Hoch auf die Kerne

Der Engel meint es gut mit mir, als er meinen Körper mit dem Peeling aus Traubenkerntrester, -mehl, -kleie und -öl reinigt. «Ich mache es vorher warm», erklärt er grundgütig. «Alles andere wäre gemein.» Gemein finde ich eher die 25-minütige Dauer der Anwendung, die mich an eine indische Ayurvedamassage, kombiniert mit der orientalischen Heilerde-Reinigung, erinnert. Viel zu schön und viel zu kurz! Aber: Das Entspannungsbad ruft. Vorsichtig tapse ich unter die Dusche, um die zähe Masse abzuwaschen. Gar nicht so einfach, aber es hat sich gelohnt: Meine Haut ist zart wie ein Babypopo. Darauf sollte ich jetzt unbedingt anstossen.

Zu meiner Überraschung kommt der Wein nicht nur ins Glas, sondern tatsächlich mit in die Wanne. Natürlich kein Château Pétrus, sondern ein regionaler Tropfen. «Wir mischen für das Bad einen Dôle mit Traubensaft, Salz und Traubenkernöl.» Eine Kombination, die besonders während der Weinlese zieht. «Dann wird unser Angebot von Frauen und Männern gleichermassen genutzt.» Sobald also Wein mit im Spiel ist, sind die Herren der Schöpfung für Wellness zu haben?  Ich ahne, dass die sich weniger für zellschützende Antioxidantien und Fruchtsäure interessieren. Vielmehr sind es wohl die ersten zwei Silben von Vinotherapie, die eine magische Anziehung ausüben. Ob die Inhaltsstoffe jedoch einen langfristigen Effekt auf meine Haut haben? Das vermag ich nach einer Prozedur nicht sagen. Aber alles, was dem Körper guttut, ist auch dem Geist zuträglich. Nur schon der Blick auf das imposante Bergmassiv ist Balsam für meine Stadtkind-Seele. Das sage ich ganz ohne Euphorie nach zu viel Wein. Davon hatte ich nämlich nur ein Glas. Mehr wäre vor dem Ausstieg aus der tiefen Wanne wahrscheinlich problematisch gewesen.  

Wein macht attraktiv 

«Jetzt bloss nicht abtrocknen, sonst zieht das Traubenkernöl nicht gut ein», mahnt Nadja Engel und widmet sich  Rücken und Nacken. «Beides Problemzonen», weiss die Masseurin und macht mich auf Verspannungen aufmerksam. Verspannt? Ich? Wohl zu oft den schweren Rotwein zum Mund geführt, scherze ich im Stillen. Doch für ein Stück Lebensqualität nehme ich gerne Abstriche in Kauf. Vinotherapie nicht nur von aussen, sondern auch von innen, heisst mein Zauberwort. Und wenn tatsächlich irgendwann das Alter seine Spuren hinterlässt, werde ich mich ganz einfach schöntrinken. Noch eine Qualität, die dem Wein zuzusprechen ist.

Dr. Peter Günder, Anti-Aging-Experte

Dr. Peter Günder, Anti-Aging-Experte
Dr. Peter Günder, Anti-Aging-Experte

Marketing-Gag oder Heilwirkung? Was bringt eine Vinotherapie?
Bei den Anwendungen mit Traubenkernen wird die Haut mit wichtigen Nährstoffen und Vitaminen versorgt – und verjüngt.

Welchen Inhaltsstoffen sagt man denn genau eine Wirkung nach?
Der Wirkstoff, dem die Weintherapie ihre Effektivität verdankt, heisst Oligomeres Proanthocyanidin (OPC). Ein Polyphenol, das von den Pflanzen als Abwehrstoff gegen schädliche äussere Einflüsse eingesetzt wird. OPC wirkt der Zerstörung von Zellen durch Sauerstoff entgegen – und bekämpft so den Alterungsprozess der Haut.

Dann kann die Therapie als Anti-Aging-Waffe bezeichnet werden?
In der Tat. Fruchtsäuren straffen und regenerieren die Haut zusätzlich. Schon die alten Ägypter sollen sich die desinfizierende Wirkung der Weinsäure zunutze gemacht haben und in der Antike behandelte Hippokrates Geschwüre mit Tinkturen aus Trauben. Zur Erhaltung der Gesundheit empfahl er ausserdem Anwendungen mit Wein.

Raten Sie das auch Ihren Patienten?
Wenn man die Möglichkeit hat, natürlich zu behandeln, dann sollte man das auch tun.

In Kombination mit einem Glas Wein?
Das schadet jedenfalls nicht. Aber es sollte ein Landwein sein, der nicht zu stark gesäuert und zu alkoholhaltig ist. Sonst bekommt man Kopfschmerzen. Wer jedoch schwanger ist, Probleme mit der Leber, Hepatitis oder ein Magengeschwür hat, sollte darauf verzichten. Doch grundsätzlich wirken Packungen mit Traubentrester oder Moor alternder Haut entgegen. Und Produkte mit Aloe Vera tragen beispielsweise bei Neurodermitis zur Hautregeneration bei.

Und das Bad im Wein – ist der nicht nur Show?
Nicht, wenn man ein bisschen Salz dazugibt. Dann kann die Fruchtsäure in die Haut eindringen und ihre Wirkung entfalten.

Was muss man sonst noch tun, um dem Alter ein Schnippchen zu schlagen?
(Lacht) Neben einem Arzt hocken. Wenn man jedes Jahr einen Checkup macht, hat man eine 80-prozentige Chance, alt zu werden. In Italien gibt es beispielsweise eine Gegend, da laufen haufenweise Hundertjährige rum. Also spielen auch beim Altern die Gene eine wichtige Rolle.

Wenn Sie sich im Glas zwischen Wein oder Bier entscheiden müssten: Was würden Sie wählen?
Natürlich ein Bier! Als Schwabe macht man das so. Aber ich trinke auch sehr gerne Weine von alten Trauben: Ein Auggener Gutedel aus meiner süddeutschen Heimat oder ein Johannisberg aus dem Wallis. Der ist mir in zehn Jahren in Leukerbad ans Herz gewachsen.

Das Walliser Traubenkern-Ritual in der Alpentherme Leukerbad umfasst ein Peeling, ein Bad und eine Massage. Der Preis für die rund 75-minütige Anwendung: 160 Franken. 

Mehr Informationen zur Vinotherapie

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Nadine Bauer

Redaktorin

Text:
Sophie Dürrenmatt
Foto:
Olivier Maire, ZVG
Veröffentlicht:
Montag 08.06.2015, 20:43 Uhr

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