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Holztürme auf dem Zugerberg: Ivo Moosbergers Kunst ist gewollt sehr vergänglich.

Zugersee mit Weiderutenkugeln.

Das Material für Moosbergers Kunst liegt am Weg und manchmal auch abseits davon.

Treibholzkugel in der Verzasca. Dieses Bild ziert in diesem Monat die Vitality-Apotheken. 

Ivo Moosbergers Kunst: Dinge, die am Wegrand liegen

Ivo Moosberger ist einer, den es immer weiterzieht. Zu Fuss, mit dem Velo oder im Kanu. Dabei hinterlässt er wunderschöne, aber vergängliche Spuren. Die gibt es nun in Buchform.

Die Jahre in Wind und Wetter, Kälte und Hitze haben ihre Spuren hinterlassen: ein paar Falten in den Wangen, ein paar Kerben um den Mund und um die wachen Augen. Ivo Moosbergers Gesicht hat etwas von den archaischen Landschaften, durch die der 39-Jährige immer wieder zieht. «Ein halbes Jahr Arbeit oder ein ganzes, dann muss ich los.» Los heisst, mit dem Kanu, zu Fuss, dem Velo durch Asien. Oder Skandinavien. Oder der Donau entlang. Zuletzt mal wieder 6000 Kilometer kreuz und quer durch die Schweiz. Alles zu Fuss. Abseits von Dörfern, von Städten sowieso. Allein.

«Die ersten zwei, drei Wochen sind gewöhnungsbedürftig, doch dann wird es immer besser, schöner», sagt er. «Ich bin mit mir alleine und im Reinen, entscheide jeden Morgen von Neuem, wo es hingeht und schultere den Rucksack.» Mit dem wenigen, das er in seinem Rucksack hat, würden durchschnittliche Sonntagsausflügler nicht mal einen Zweitagestrip wagen: das Zelt, ein Kocher, ein Buch, Wäsche und Hermine. Von Hermine aber später. Dermassen unbelastet von zivilisatorischem Überfluss, schlägt sich die Kreativität Bahnen. Moosberger macht Land Art, eine aus den USA stammende Kunstform. Land Art verwendet die natürlichen Gegebenheiten der Landschaft und Materialien aus der Natur. So entstehen Kreise, Pyramiden, Lehmkugeln, Schneeskulpturen oder Holztürme, alle eingebettet in die Landschaft. Faszinierend, schön, anziehend, beruhigend. Immer vergänglich. Der Zuger will der Natur nichts antun, hinterlässt keine Schäden. Nur Steine, Schnee, Sand, Federn oder Trockenholz – Materialien vom Wegrand eben.

«

Nach drei Tagen und drei Nächten hatte ich es geschafft und merkte erst dann, dass ich völlig erschöpft und ausgehungert war.»

An diesem Morgen duckt sich der Zugerberg unter einer Wolkenwand. Moosberger, der die Winternacht hier oben im Zelt verbracht hat, trägt trockene Äste zusammen und baut scheinbar mühelos Spiraltürme. Kurz überprüft er dabei die Wetterzeichen: «Wir werden bald Föhn haben, der wird die Türme schnell bodigen – aber das ist gut so», sagt der Mann, der Polygraf gelernt hat. «Meine Kunstwerke haben keinen Zweck. Ausser vielleicht, dass ich sie gerne mache, dass ich meine Kreativität ausleben kann, dass ich mich freue.» Ab und zu fotografiert der einsame Wanderer, der aber nicht wirklich einsam ist, seine Objekte. Daraus ist das Buch «Naturschauspiele» entstanden.

Oft ist er monatelang unterwegs. «Solange ich weiss, dass zu Hause ein soziales Umfeld wartet, machen mir Hunger und Durst, Kälte oder Hitze und auch das Alleinsein nichts aus.» Das ist auch gut so, denn manchmal arbeitet Moosberger tagelang an einem Objekt. Etwa am Steinbogen auf dem Sanetschpass: Das Objekt fiel immer wieder in sich zusammen. An solchen Tagen kommt dann eben Hermine ins Spiel, die 20-jährige Teekanne. Moosberger macht mit Holz, Tierdung oder trockenen Wurzeln ein Feuerchen im Eisenöfchen namens Hobo. «Mit Hermine koche ich auch mal selbst gesammelte Pilze und Beeren. Oder Pasta, wenn ich denn welche habe.» Auf dem Sanetschpass war das nicht mehr der Fall. «Nach drei Tagen und drei Nächten hatte ich es geschafft und merkte erst dann, dass ich völlig erschöpft und ausgehungert war.»

Hobo – das heisst auf Deutsch Landstreicher. Doch mit Landstreicherei der gröberen Art ist es für die nächste Zeit wohl vorbei: «Ich bin Vater geworden», sagt der Zuger und es tönt fast ein bisschen erstaunt. Doch die Augen leuchten. Und offenbar fällt der Apfel nicht weit vom Stamm: Schon mit wenigen Monaten war der kleine Knirps mit dabei auf den Erkundungstouren mit Zelt, Windeln und Schlafsack ...

In seinem Buch «Naturschauspiele» hat Ivo Moosberger Reisen durch die Schweiz und Asien mit Worten, vor allem aber mit Bildern dokumentiert. Der Band kostet Fr. 38.– und ist zusammen mit vielen weiteren Infos erhältlich unter: info@naturschauspiele.ch

www.naturschauspiele.ch

Hier finden Sie weitere Impressionen von Ivo Moosbergers Kunst

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Urs Flüeler / Ivo Moosberger
Veröffentlicht:
Freitag 21.03.2014, 14:03 Uhr

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