Sitzprobe im intimen Zürcher Konzertlokal «Bogen F», wo Jaël am 26. November auftreten wird.

Jaël: «Ich bin mein eigener Chef»

Unabhängig Die frühere Lunik-Sängerin weiss ihre Trümpfe auch solo auszuspielen und erzählt über ihre grosse Liebe zu London.

Sängerin und Songschreiberin Jaël (36) bildete zusammen mit Gitarrist und Koautor Luk Zimmermann 15 Jahre lang den Kern der erfolgreichen Schweizer Band Lunik. Nach deren Auflösung Ende 2013 meldet sich die Bernerin nun mit ihrem Debüt-Soloalbum «Shuffle The Cards» («Mischle die Karten») zurück und geht damit auf Tournee.

 
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Spielen Sie gerne Karten?
Ja! Man hat mir zwar schon gesagt, Jassen sei unweiblich, aber mir machts
grossen Spass. Beim Crowdfunding für meine Albumproduktion habe ich neben Kinderbuchlesungen und Nachtessen auch drei Jassabende für je 2000 Franken angeboten – und sie haben alle Abnehmer gefunden.

Wie beim Jassen spielten Sie bei Lunik mit Partnern zusammen. Jetzt sind Sie Solistin. Ein schönes Gefühl?
Es redet mir natürlich niemand mehr rein, da ich mein eigener Chef bin. Aber diese Freiheit kostet mich auch viele schlaflose Nächte: Es ist unheimlich viel «Büez», sich selbst zu managen.

Was bedeutet Ihnen diese Unabhängigkeit?
Ich habe sie nicht angestrebt, sie war einfach der logische Schritt, weil ich nach dem Ende von Lunik weiter Musik machen wollte und sich keine grosse Plattenfirma engagieren wollte. Am Anfang machte mir diese neue Situation Angst, doch dann habe ich nach und nach Vertrauen gefasst.

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In London geht für mich ein Himmelstürchen auf. »

Ihre Lieblingsbonbons muss sie aus Grossbritannien importieren.

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Wie sind Sie an die Herausforderung herangegangen?
Ich habe schon während der Lunik-Abschiedstournee diesen und jenen Songschreiber und Produzenten besucht. Zuerst war ich unsicher, in welche Richtung es bei mir weitergehen sollte – ob die Musik überhaupt noch eine Hauptrolle spielte oder ob es an der Zeit sei für mein Leben B.

Aber Ihnen hätte es nichts ausgemacht, mit Lunik weiterzumachen?
Nein, ich war geschockt, als mir unser Gitarrist und Kreativpartner Luk Zimmermann sagte, er wolle nicht mehr weitermachen. 15 Jahre Lunik – das war mein halbes Leben! Inzwischen bin ich jedoch davon überzeugt, dass es der richtige Moment war, ein neues Kapitel aufzuschlagen, da menschlich schon länger der Wurm drin gewesen war. Nun geht es allen besser.

Weshalb haben Sie Ihr Album in London aufgenommen?
Ich habe ja in London die Schauspielschule besucht. Jedes Mal, wenn ich dort aus dem Flieger steige, geht für mich ein Himmelstürchen auf. Ich bewege mich gleich anders als in Bern, sauge die Grossstadt-Vibes auf. Ich genoss es, im Studio zu arbeiten, wo Didos legendäres Debütalbum «Rent» entstanden war und gleich über den Hof James Morrison, Massive Attack und Adele aufgenommen hatten. Sich nicht als kleine Schweizerin zu fühlen, sondern als Teil des Ganzen mittendrin zu sein – das war unheimlich motivierend. London ist für mich zur zweiten Heimat geworden.

Verlobungsring aus dem Antiquariat: Eine Liebesgeschichte geht weiter.

Verlobungsring aus dem Antiquariat: Eine Liebesgeschichte geht weiter.
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Eine der Perlen Ihrer CD ist «In Love Again», hinter dem eine spezielle Geschichte stecken soll.
Das war eine echte Knacknuss. Produzent Eliot James schickte mir die Instrumentalversion eines Songs und sagte: Mach was draus! Aus seinen und meinen Ideen machten wir neun verschiedene Versionen – jede mit einem anderen Refrain – und waren trotzdem nie ganz zufrieden. Ich wollte den Song schon aufgeben, als er noch etwas hinzufügte. Da kamen mir fast die Tränen, weil ich merkte, dass der Text eigentlich die Geschichte von mir und meinem Mann erzählt. Wir hatten uns vor sieben Jahren getrennt, fanden aber 2008 wieder zusammen und heirateten vor zweieinhalb Jahren. Gleichzeitig handelt das Lied davon, dass ich mich wieder in die Musik und ins Leben verliebt habe.

Und die Schauspielerei – bleiben Sie da auch dran?
Auf alle Fälle. Wegen eines Konzerts am Gurten-Festival und den Albumaufnahmen musste ich zwar auf eine «Bestatter»- und zwei Theaterrollen verzichten, doch der Film «Unser Kind» und das Theaterstück «Remake» waren für mich spannende Erfahrungen. Die neuesten Projekte sind jedoch noch nicht spruchreif.

Jaël: «In Love Again»

Vier Daten im Leben von Jaël

1998 Abschluss des ersten Plattenvertrages mit der Band Lunik.
2008 Innert zwei Tagen wird sie dreifache Gotte von Kindern ihrer Cousine und ihrer besten Freundin.
2013 Heirat mit Roger, von dem sie sich 2007 getrennt hatte und mit dem sie seit 2008 wieder zusammenlebt.
2015 Die erste Solo-CD «Shuffle The Cards» erscheint, Tournee ab 20. November.

Offizielle Webseite von Jaël

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Davide Caenaro
Veröffentlicht:
Montag 26.10.2015, 16:00 Uhr

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