James irrt

ER: Südafrika ist ein weites Land, deshalb habe ich bei der Buchung des Mietwagens auf die Option «mit Navigationsgerät» gedrückt. Allein das Einprogrammieren ist ein Abenteuer für uns, denn in Europa fahren wir stets ohne Navi – für die Orientierung in der Alten Welt bin ich zuständig. Aber auf einem unbekannten Kontinent masse ich mir natürlich nicht an, auf Anhieb den Weg zu finden.

«

Wenn ich so überlege: Das ist eigentlich sehr seltsam.»

Deshalb ist James unser Chauffeur. So haben wir unser Navi getauft, als wir uns für diese angenehm tiefe, ruhige, überlegte Stimme entschieden haben. Ein souveräner Typ, ein Verbündeter im Geiste. Natürlich ist mir klar, dass eine Maschine nur so gut ist, wie der Mensch, der sie bedient. Aber ich muss zugeben, dass James bislang seine Sache sehr gut macht. Er weist uns auch jetzt den Weg und das ist entspannend. Ich kann die Landschaft geniessen und gleichzeitig mit den gelieferten Daten Berechnungen an der Durchschnittsgeschwindigkeit durchführen. Autofahren mit Unterhaltungsprogramm. Auf den Weg muss ich nicht sonderlich achten: Es ist kaum jemand unterwegs auf dieser Strasse Richtung Vergnügungspark, zu dem uns James lotst. Was, wenn ich mir das richtig überlege, eigentlich sehr seltsam ist.»

SIE: Ich habe mit Jessica, der Assistentin im Fotostudio meines Bruders, vor der Abfahrt im Internet nach dem Vergnügungspark gesucht. «Ist nicht weit», sagte sie. Zur Sicherheit gab ich die Adresse dann trotzdem in unser Navi ein. Das war vor einer Stunde. «Bist du sicher, dass der Freizeitpark in dieser Gegend liegt?», fragt Schneider.
Ich blicke mich um. Braune Hügel, karge Berge, wenig Zivilisation. «Woher soll ich das wissen? Ich war ja noch nie hier.»

«

Er manövriert uns im Zickzack durch ein Dorf.»

Nun meldet sich James zu Wort und meint, wir sollten in 400 Metern rechts abbiegen. Er manövriert uns im Zickzack durch ein Dorf. «Der gute James kann sich nicht entscheiden», sage ich, um für heitere Stimmung zu sorgen. Klappt aber nicht. Schneider schimpft: «Was für einen Mist hast du denn eingegeben?» Schliesslich verkündet James, wir hätten unser Ziel erreicht. Ich schau aus dem Fenster: ein staubiger Vorplatz umgeben von verlotterten Häuschen. 

Schneider schnaubt: «Wo sind wir?» Ich schau nochmal nach: «Durban Road.» «Durban? Das ist auf der anderen Seite des Kontinents.» Oha. Immerhin sind die Kinder auf meiner Seite. Im Chor rufen sie von der Rückbank: «Also ehrlich, dieser James kennt sich ja noch weniger in Südafrika aus als ihr!»

 (Coopzeitung Nr. 08/2015)

Ist das Navigationsgerät der richtige Weg zum Ziel?

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 16.02.2015, 00:00 Uhr

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