Jean-René Germanier in seinem steilen, aber idealen Weinberg in Vétroz.

Jean-René Germanier: Leidenschaft für einen echten Walliser 

Weinbauer und Nationalrat Jean-René Germanier trägt zwei Herzen in seiner Winzerbrust. Eines schlägt für den Amigne de Vétroz.

Lau die Tage, kühl die Nächte, dazu Schieferboden und ein von den Bergen wehendes frisches Lüftchen: Besser geht es nicht. Zumindest nicht, wenn man Wein anbauen möchte. Jean-René Germanier ist sich bewusst, dass die Lage seiner Weinberge in Vétroz – im Herzen des Wallis am Südhang der Rhone gelegen – nahezu ideal ist.

Geht es um Reben, schlagen zwei Herzen in der Brust des 55-Jährigen. Eines davon für den – nur im Kanton Wallis angebauten – Amigne. Germanier ist einer jener Winzer, die in den vergangenen 20 Jahren dazu beigetragen haben, die Anbaufläche dieser einheimischen Traubensorte zu verdreifachen. Mit gewissen Folgen: Von den total 40 Hektaren, die mittlerweile kultiviert werden, sind 30 in Vétroz zu finden. «Die Amigne-Traube hat hier ihr ideales Terroir gefunden», erklärt Germanier. Gekeltert wird die spät reifende Traube als trockener oder halbtrockener Weisswein. Je nach Restsüsse werden die Amigne Vétroz Grand Cru AOC auf der Etikette mit einer Biene (0–8 Gramm Zucker/Liter), zwei Bienen (9–25 g/Liter oder drei Bienen (mehr als 25 g/Liter) gekennzeichnet. Drei Bienen trägt auch der Amigne de Vétroz Mitis – ein hervorragender Süsswein.

Germaniers zweites Herz schlägt für die Syrah-Traube. «Dank der nicht einheitlichen Beschaffenheit unserer Terroirs können wir beide Rebsorten in einem für sie idealen Umfeld pflanzen», erzählt er. «Schon vor Jahrzehnten haben wir realisiert, dass die in Frankreich im nördlichen Rhonetal heimische Syrah auch bei uns ausgezeichnete Bedingungen vorfindet.» Das faziniert ihn noch immer. Er schwärmt «von diesem intensiven Rotwein mit breitem Aromaspektrum von schwarzen Beeren über Gewürznelken bis hin zu Pfeffer und Rauchnuancen».

Für seine Weine hat der diplomierte Önologe ein klares Credo. «Wir wollen ‹Vins de plaisir› keltern. Weine also, die gehaltvoll, aber nicht zu mastig sind, ausgewogene und süffige Weine, an denen man bei jedem Schluck Spass hat.» Entsprechend sorgfältig werde der Zeitpunkt der Lese ausgewählt. Diese geschieht jedoch in Etappen, nicht zuletzt wegen der verschiedenen Lagen und zahlreichen Parzellen. Aus 35 Hektaren eigenen Reben sowie den zugekauften Trauben langjähriger Partner (65 Hektaren) produziert Germanier rund 700 000 Flaschen pro Jahr. Neben Amigne und dem Syrah verarbeitet der Familienbetrieb unter anderem auch Chasselas, Petite Arvine, Chardonnay, Heida, Pinot Noir, Gamay, Humagne Rouge und Cornalin.

Jean-René Germanier will «Vins de plaisir» keltern, entsprechend konsequent wird die Qualität kontrolliert.

Jean-René Germanier will «Vins de plaisir» keltern, entsprechend konsequent wird die Qualität kontrolliert.
Jean-René Germanier will «Vins de plaisir» keltern, entsprechend konsequent wird die Qualität kontrolliert.

Die Geschichte der Kellerei ist lang, reicht bis ins Jahr 1896 zurück, als Urbain Germanier die ersten Reben pflanzte und den Betrieb gründete. Schon als 23-Jähriger hat Jean-René Germanier die Leitung des Unternehmens übernommen. Heute führt er dieses gemeinsam mit seinem Neffen und Teilhaber Gilles Besse, der sich um das operative Geschäft kümmert.

Anders wäre es für Germanier wohl kaum möglich, seine Leidenschaft für die Politik auszuleben. Seit 2003 sitzt er für die FDP im Nationalrat. 2011 präsidierte er diesen sogar, war also höchster Schweizer. Gerne erinnert er sich daran: «Es war ein intensives Jahr. Mein Ziel war es, jeden Kanton der Schweiz zu besuchen.» Die Kontakte mit den Fraktionen und Parteien habe er geschätzt. «Toll war auch, dass ich im Namen der Eidgenossenschaft viele internationale Persönlichkeiten wie den Präsidenten des EU-Parlamentes oder den UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon empfangen durfte.»

Das intensive Präsidialjahr ist zwar vorbei, doch neben Betrieb und Bundeshaus bleibt meist nur wenig Freizeit. Wenn aber doch, geht Germanier mit seinem Hund wandern. «Am liebsten natürlich durch die Rebberge.»

Steckbrief: Jean-René Germanier

Beruf: Dipl. Ingenieur-Önologe, Unternehmer
Geburtsdatum: 18. Dezember 1958
Privat: Jean-René Germanier lebt mit seiner Partnerin, der Walliser Künstlerin Marie-Antoinette Gorret, in der Unterwalliser Gemeinde Vétroz. Er hat einen Sohn (Francis, 23).
Laufbahn: Studium Ingenieur-Önologie an der Fachhochschule in Changins. Mit 23 Jahren übernahm er den Familienbetrieb in dritter Generation.
Politik: Seit 2003 sitzt er für die FDP im Nationalrat. 2011 wurde er zum Ratspräsidenten gewählt und war damit «höchster Schweizer».

Weitere Informationen auf der Internetseite von Jean-René Germanier​

Filtration von Wein: Geschmack versus Sicherheit?

Jan Schwarzenbach, Önologe

Jan Schwarzenbach, Önologe
Jan Schwarzenbach, Önologe

Ziel der Filtration ist es, feste Partikel wie Fruchtfleisch, Hefen oder Weinstein zu entfernen. Wenn ein Wein lange genug in einem Tank oder Holzfass gelagert wird, fallen die meisten Trübpartikel mit der Zeit von selbst aus. So bedarf etwa ein Rotwein nach mehrjährigem Fassausbau kaum einer Filtration. Viele Weine werden jedoch nicht oder nur kurz ausgebaut. Hier verkürzt eine Filtration den Weinbereitungsprozess. Gleichzeitig können mit sogenannten Mikrofiltern potenziell schädliche Hefen und Bakterien aus dem Wein gefiltert werden. Dies verringert die Gefahr einer Nachgärung.

Filtration ist aber umstritten. Viele Winzer sind der Ansicht, dass Weine dadurch an Komplexität, Langlebigkeit und Farbe verlieren. Deshalb werden viele hochklassige Weine ungefiltert abgefüllt und auch so vermarktet.

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Eine echte Seltenheit

Britta Wiegelmann, Weinjournalistin

Britta Wiegelmann, Weinjournalistin
Britta Wiegelmann, Weinjournalistin

Kennen Sie Garnacha? Das Schicksal dieser Rebsorte ist es, unter dem Radar der meisten Verbraucher zu fliegen, da sie selten reinsortig gekeltert wird. Doch wetten, Sie haben sie bereits probiert?

Garnacha alias Grenache steckt in klassischen Riojas ebenso wie in den Tropfen des Languedoc/Roussillon und den Gewächsen der südlichen Rhone, etwa im Châteauneuf-du-Pape. Beim heute vorgestellten Wein haben wir es mit einem hundertprozentigen Exemplar zu tun, welches überdies aus der vermuteten Heimat der Traube stammt, dem nordostspanischen Aragón – daher der Name Aragonia. Reife Erdbeere, eingelegte Kirsche und Holznoten prägen die Nase; am Gaumen zeigt er samtige Tannine und Fruchtsüsse bis ins lange Schoko-Vanille-Finale. Mit seiner schönen Reife passt er perfekt zum Schmorbraten.

Aragonia DO Garnacha, Seleccíon Especial, 2009 

Herkunft: Spanien
Rebsorte: Garnacha
Genussreife: 4 - 6 Jahre ab Ernte
Erhältlich: in grösseren Coop-Verkaufsstellen oder auf Coop@Home

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John Wittwer

Redaktor

Foto:
Adrian Streun, ZVG  
Veröffentlicht:
Montag 17.02.2014, 11:16 Uhr

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