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Silvan Grütter
schreibt am 09.07.2018


Jeder hat eine Kaugummigeschichte

Mein erster Kaugummi löste gemischte Gefühle aus: Stolz bei meiner Schwester, einen nachhaltigen Schock bei meiner Mutter und ich ... ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern. Ich war, so will es die Familienüberlieferung, zweieinhalb Jahre alt, und meine Schwester – drei Jahre älter als ich – hatte es als grossen Erfolg verbucht, als sie unserer Mutter berichten konnte, dass ihr kleiner Bruder jetzt schon Kaugummi kauen konnte. «Ohne runterschlucken», wie sie angemerkt haben soll.

Ein Erfolg, der sich in meinen Augen später etwas relativierte, als ich dem Familienhund, einem Labrador, das Kunststück ebenfalls ohne grössere Schwierigkeiten beibrachte. Der Hund konnte Kaugummis ganze zehn Minuten lang kauen, bevorzugte Geschmacksrichtung: Pfefferminze. Das war nicht nur lustig anzuschauen, sondern war auch dem Atem des Tieres sehr zuträglich.

Seither begleiten mich Kaugummis durchs Leben. In jungen Jahren immer wieder mal in den Haaren, später an den Schuhsohlen und heute bevorzugt in den Tiefen von Rucksäcken und Taschen. Auch beliebt: der vergessene Kaugummi in der Brusttasche des Hemdes. Glücklich ist der, der ihn vor dem Bügeln findet – sonst sind Kaugummi und Hemd ruiniert. Für die aktuelle Titelgeschichte hat sich mein Kollege Charly Veuthey auf Spurensuche gemacht. Gefunden hat er mehr als nur eine klebrige Masse: Der Kaugummi ist ein Stück Kulturgeschichte. Und bei mir sogar ein Stück Familiengeschichte.

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