Jermaine Jackson nach dem Gespräch – nun ohne Sonnenbrille: «Das Bild, das vielerorts von Michael herrscht, ist falsch.»

Jermaine Jackson: «Wir reisten zu viel»

Jermaine Jackson erklärt, dass sein Bruder Michael nicht einsam war und was Jugendliche tun müssen, damit sie erfolgreich Karriere machen.

Rosey Concert Hall in Rolle VD. Jermaine Jackson (63) setzt sich für das Gespräch auf ein Stuhlsofa, seine Augen bleiben hinter dunklen Sonnenbrillengläsern versteckt. Schwierige Gesprächssituation, erst recht, da der fünf Jahre ältere Bruder von Michael Jackson mit sehr leiser Stimme spricht. Aber – immerhin – der Sänger ist sehr freundlich. Auch eine Frage, die ihm nicht passt, bringt ihn nicht aus der Ruhe. Dann stellt er höchstens eine Gegenfrage, aber wie gesagt, ganz sanft und leise.

Jermaine Jackson, beginnen wir mit einem Ranking: Ihre Top Five der Musik?
Haben Sie auch einfachere Fragen? (Lacht.) Es gibt so viele, da reichen fünf nie aus. Sicher gehört mein Bruder in ein solches Ranking. Die Bee Gees ebenso, die Supremes, die Beatles natürlich.

Das sind erst vier …
… dann nehme ich noch James Brown. Und Elvis …

… jetzt sind es sechs …
… sie alle stehen dafür, dass sie in der Popmusik Neuartiges schufen. Und sie waren grosse Persönlichkeiten. Mein Bruder natürlich sowieso.

Ganz simple Frage: Wer war Michael Jackson?
Er war ein grossartiger Sänger. Aber noch wichtiger scheint mir, dass er ein bedeutender Botschafter für Frieden war. Er wollte eine Erde ohne Krieg und Umweltzerstörung.

War er einsam?
Wie kommen Sie darauf?

Das haben Menschen gesagt, die ihn kannten.
Michael hatte eine grosse Familie, auf die er sich verlassen konnte. Sie dürfen nicht alles glauben, was über ihn erzählt wurde und noch immer wird. Das Bild, das von ihm vielerorts herrscht, ist falsch … aber ich bin nicht hier, um nur über ihn zu sprechen. Nein, ich bin hier wegen der Kids Voice Tour, die es jungen Menschen ermöglicht, ihre Gefühle mit der Musik ausdrücken zu können. Das erinnert mich an vergangene Zeiten, als wir noch selber jung waren und mit denselben Hoffnungen Musik machten. Musik ist etwas Wunderbares. Wer singt oder ein Lied schreibt, versucht etwas Positives zum Lauf der Welt beizutragen.

Was ist das Wichtigste, um Karriere zu machen?
Talent alleine reicht nicht. Es braucht viel Disziplin, Übung, aber auch eine klare Vorstellung, in welche Richtung es gehen soll. Jeder sollte seinen eigenen Stil entwickeln.

«

Ich könnte Professor werden, Professor fürs bessere Verständnis der Welt.»

Kann ein Zwölfjähriger solch eine Weitsicht bereits aufbringen? Oder braucht er die Eltern dafür?
Entscheidend ist, dass das Kind selber will. Wenn die Eltern seinen Wunsch, Musik zu machen, ernst nehmen, kann das sicher hilfreich sein. Eltern können dazu beitragen, dass das Kind auf dem Boden bleibt, auch wenn gerade der grosse Hype ausbricht. Das ist meine Hauptbotschaft an alle, die ein Star werden wollen: Der Erfolg darf aus euch keinen anderen Menschen machen! Bleibt bescheiden und versucht den Erfolg für eine gute Sache zu nutzen. Und gebt euch und eurer Karriere Zeit.

Würden Sie nochmals etwas anders machen, wenn Sie in die Vergangenheit zurückreisen könnten?
Es gibt immer Dinge, die man mit dem heutigen Wissen nicht mehr so machen würde. Auch wenn jede negative Erfahrung einen positiven Effekt hat – nämlich, dass Sie daraus lernen und es nicht mehr so machen. Könnte ich nochmals zurück, würde ich wohl weniger reisen. Wir waren so oft unterwegs, da kommt vieles zu kurz. Klar gehört das zum Erfolg dazu. Die Nachfrage ist gross, die Leute wollen dich sehen. Du bist ständig auf Achse. Ich habe so viel gesehen und unglaublich viele Menschen kennengelernt, dass ich Professor werden könnte. Professor fürs bessere Verständnis der Welt. Trotzdem war ich zu oft unterwegs.

Haben Sie noch Kontakt zu Pia Zadora?
Wir sind gute Freunde, seit wir unseren Hit «When the rain begins to fall» sangen. Es ist jedoch eine Weile her, seit wir uns das letzte Mal sahen. Der Dreh fürs Video war ein riesiger Stress gewesen, ja, richtig harte Arbeit. Also genau das, was ich vorhin meinte, als ich von der Disziplin sprach, die für den erfolgreichen Weg im Musikbusiness wichtig ist. Ich erinnere mich an zehn lange Tage an einem Küstenort in Italien. Wir mussten um fünf Uhr in der Früh aufstehen … nein, um vier Uhr. Es war saukalt. Aber es lohnte sich. Der Song wurde ein riesiger Hit – in Europa.


Sie leben zwar in Monaco, aber haben sicher immer noch eine enge Verbindung zu Ihrer Heimat, den USA. Ihre Zwischenbilanz zu Donald Trump?
Ich habe meine Meinung zu ihm schon vor seiner Wahl klar ausgedrückt …

Auf Twitter schrieben Sie: «Dieser Narr soll sich zurückhalten.»
Ich stelle heute einfach fest, dass das amerikanische Volk immer noch darauf wartet, dass er seine vielen Versprechen umsetzt. Aber: Ich will nicht mehr über Politik reden.

Dann reden wir über Religion: Sie konvertierten Ende der Achtzigerjahre zum Islam. Erzählen Sie uns davon.
Der Islam ist eine wunderbare Religion. Leider gibt es extremistische Kräfte, die ihr schaden. So wie dies in anderen Religionen der Fall ist.

Wie reagierten Ihre Eltern, die den Zeugen Jehovas angehörten?
Sie waren immer sehr tolerant, was den Glauben anbelangt. Jeder sei absolut frei, das zu glauben, was er für richtig hält. Auslöser für meinen Wechsel war ein Gespräch mit ein paar Kindern auf einer Tour durch den Mittleren Osten. Sie fragten mich nach meiner Religion und erzählten andächtig von ihrem Glauben. Ihr Stolz auf den Islam beeindruckte mich sehr und ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Von da an gab es kein Zurück mehr. Der Islam machte mich zu einem besseren Menschen.

Jermain Jackson im Hallenstadion
  

In der Rock and Roll of Fame

Jermaine Jackson gilt hinter Michael und Janet als der dritterfolgreichste Sprössling der grossen Jackson-Familie. Er war Mitglied der «Jackson Five» (hier im Bild von links nach rechts: Tito, Marlon, Jackie, Michael und Jermaine Jackson 1971); die Hits von damals bringen der Familie 50 Millionen Franken jährlich ein.

Jermaine Jackson ist Mitglied der Rock and Roll of Fame in Cleveland. 1998 konvertierte er zum Islam und heisst seitdem auch Muhammad Abdul-Aziz.

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